Kulturjournal
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Unser Bild von Japan war und ist von Klischees geprägt: blühenden Kirschbäumen, Lotosblüten, Geishas im Kimono, Samurai und Tempelstätten. Die entsprechenden Bilder haben ihre Bestätigung bereits in der frühen Reisefotografie gefunden.
Unter dem Titel "Typisch Japan" zeigt nun das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg rund 100 Exponate der japanischen Reisefotografie aus seiner umfangreichen Sammlung. Sie entstanden im späten 19. Jahrhundert, zwischen 1870 und 1900: handkolorierte Fotografien und Fotopostkarten, Glas-Dias und Stereo-Fotografien sowie kunstvolle sogenannte Lack-Fotoalben von elf Fotografen und Ateliers.
Mit dem aufkommenden Tourismus erlangte die Fotografie in jener Zeit einen Boom. Populäres Souvenir wurde rasch das Foto. Die Nachfrage wuchs immens: Allein im Jahr 1897 sind 25.000 Abzüge nach Europa exportiert worden. Die Abnehmer waren vor allem Globetrotter und Japantouristen, besonders gefragt waren Aufnahmen aus Yokohama. Wer nicht verreisen konnte, war durch die Fotografien in der Lage, zumindest im Geiste Einblick in die so unbekannte japanische Kultur zu bekommen - Bilder von einem Land, das bis 1868 isoliert und in Europa nur wenig bekannt war.
Inszenierte Szenen im Fotostudios thematisierten Alltagssituationen in einer ganz eigenen Ästhetik.
Die Fotografen erweiterten bald den dokumentarischen Blick. Neben Architektur- und Landschaftsaufnahmen entstanden vor allem eindrückliche Porträts aus dem Land der aufgehenden Sonne, von Geishas, Samurai, Ringern, Bauern, Lastenträgern und Straßenverkäufern.
Foto-Ateliers inszenierten Alltags-Szenen - mit Einheimischen in traditioneller Kleidung und typischen Tätigkeiten. Solche Motive bedienten europäische Vorstellungen von einer exotischen Fremde. Auch heute noch faszinieren die Aufnahmen gerade durch ihre steife Inszenierung, aber auch die Kolorierung, die an japanische Farbholzschnitte erinnert.

Blühende Kirschbäume, Geishas in Kimonos, Samurai - diese Motive prägen noch heute Japan-Klischees. Eine Ausstellung zeigt nun frühe Fotos, die solche Klischees zu uns trugen.