Der Hamburger Hafen
Mehr als Container und Warenumschlag - ein Blick hinter die Kulissen. mehr
von Kathrin Otto
Wie so oft in der Vergangenheit stehen Kaja Grope und Karin Kreuder an Bord eines großen Schiffes. Dieses Mal jedoch sind die Fotografinnen nicht auf Reisen, vielmehr haben sie ihr Ziel gerade erreicht: Auf dem Museumsfrachter "Cap San Diego" im Hamburger Hafen findet ihre Ausstellung "Always the same Faces - Aus dem Alltag philippinischer Seeleute" statt. Zwei Jahre haben sie mit ihren Kameras Seefahrer auf Containerschiffen besucht und auf kurzen Strecken begleitet. Zwei Seeleute haben sie auch zu Hause auf den Philippinen besucht.
Es sind Bilder entstanden, die die Männer in ihren kleinen Kabinen zeigen, beim Lesen oder vor sich hin dösend, wartend auf den nächsten Einsatz - oder vor einem leeren Teller auf die nächste Mahlzeit. Andere Fotografien zeigen Schnappschüsse ihrer Familienangehörigen oder aus der tropischen Heimat, mit denen die Seeleute ihre Kabinenwände geschmückt haben.
Karin Kreuder (links) und Kaja Grope haben ihren eigenen Seefahrer-Mythos schnell begraben.
Mit Containerschiffen hatten beide Frauen vor der Arbeit nichts zu tun, außer, dass diese eine gewisse Faszination auf sie ausübten. "Die Seefahrt hatte für mich etwas von Abenteuer: Meere bereisen und die Welt kennenlernen", erzählt Kaja Grope. Als sie 2008 mit Karin Kreuder, die sie vom Studium in Kiel kennt, eine Reise auf einem Containerschiff unternimmt, merken beide: Mythos und Realität haben nichts miteinander zu tun.
Für fünf Tage lassen sich die Fotografinnen im Hafen von Tallinn absetzen, kehren dann mit vielen Bildern an Bord zurück - und sind überrascht von den Reaktionen. "Die Seeleute fanden einfachste Motive, wie einen Baum auf einer Wiese reizvoll", erinnert sich Karin Kreuder. "Einer sagte: Was für eine schöne Landschaft! Hier an Bord: always the same faces." Da waren die Idee zur Arbeit und ihr Titel geboren.
Kreuder und Groje lernen, dass philippinische Seeleute bis zu zehn Monate an Bord eines Schiffes zubringen, bevor sie für zwei Monate zu ihrer Familie zurückkehren. Werden auf einer Tour zehn Häfen angefahren, kommen sie oft nur in einem an Land und ins Seemannsheim, um Kontakt zu den Angehörigen aufzunehmen. Vom Kennenlernen fremder Städte und Häfen ganz zu schweigen.
Zwei Tage an Bord kommen den Frauen wie zwei Wochen vor. "Man kann sich auf dem Schiff frei bewegen, aber weit kommt man eben nicht. Die Bewegungsfreiheit ist extrem eingeschränkt", erinnert sich Grope. "Fast wie ein schwimmendes Gefängnis", ergänzt Karin Kreuder.
In den Kabinen der Seeleute fanden sich viele Fotos ihrer tropischen Heimat - die von großem Heimweh zeugen.
Kein Wunder, dass die Seeleute, sich über die Abwechslung und die Anwesenheit der Fotografinnen freuten, sich gern von ihnen in ihren Kabinen oder bei der Arbeit ablichten ließen. Da waren vorübergehend zwei, die sich ihre Geschichten anhörten und sich für ihren oft harten Seefahreralltag interessierten. Der ist nun auf einem Schiff ausgestellt, das als ehemaliger Frachter inzwischen überwiegend zur Ruhe gekommen ist.
Für "ihre" philippinischen Seefahrer gilt das noch lange nicht. Wenn die das nächste Mal im Hamburger Hafen anlegen, werden Kaja Grope und Karin Kreuder sie zur Ausstellung einladen und ihnen die Ergebnisse des gemeinsamen "Abenteuers" präsentieren. Bis die beiden Fotografinnen selbst wieder mit einem Schiff auf Fahrt gehen, darf nach ihrem Geschmack ruhig ein bisschen Zeit vergehen.

Sie bereisen die Weltmeere, lernen die Welt aber kaum kennen: philippinische Seeleute. Ihren Alltag haben zwei Fotografinnen dokumentiert. Die Bilder sind in Hamburg zu sehen.