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Alexander Rodtschenko. Eine neue Zeit

Von Anette Schneider

Er gilt als wegweisender Fotograf der russischen Avantgarde: Alexander Rodtschenko (1891–1956). Durch seine waghalsigen Perspektiven, Anschnitte und Ausschnitte wollte er nach der Revolution im noch jungen 20. Jahrhundert den rasanten Aufbau der jungen sowjetischen Gesellschaft spiegeln und vorantreiben. Wie Rodtschenko seine mitreißende Bildsprache entwickelte, zeigt nun das Bucerius Kunst Forum in Hamburg in der Ausstellung "Rodtschenko. Eine neue Zeit".

Präsentiert werden 150 zum Teil selten gezeigte Werke aus den ersten zehn Schaffensjahren des Künstlers: Ölbilder und Zeichnungen, Rauminstallationen und Plakate, Fotografien und Fotomontagen.

Die große Rodtschenko-Schau

Hamburg Journal - 06.06.2013 19:30 Uhr - Autor/in: Ralph Alexowitz

Seit mehr als zehn Jahren gab es keine große Rodtschenko-Ausstellung mehr in Deutschland - nun können ihn Kunst-Fans wieder neu entdecken.

Formen sollen Grenzen des Raumes überwinden

Auf den Bildern zu sehen: Zwei Dreiecke auf weißem Grund. Kugeln und Ringe wie aus astronomischen Lehrbüchern. Linien, die sich über die Leinwand winden und nach draußen, in den Raum zu drängen scheinen.

Wie für die meisten seiner Kollegen, wie etwa Kasimir Malewitsch oder Wladimir Tatlin, gab es auch für den 26-jährigen Rodtschenko nach der Oktoberrevolution kein Halten mehr: Alles Alte, Starre, Überlebte, alle akademischen Regeln und bürgerlich-elitären Vorstellungen von Kunst wurden 1917 hinweggefegt. Danach wurde probiert, experimentiert, provoziert.

Kuratorin Ortrud Westheider: "In dieser Zeit war er ungeheuer produktiv, entwickelt diese ganzen neuen Möglichkeiten - was dann in der Neo-Avantgarde in den 60er Jahren von Künstlern wie Yves Klein, Barnett Newman oder Alexander Calder wieder aufgegriffen wird und eigentlich bis heute wirkt."

In dieser Zeit entstehen wunderbar leichte geometrische Holzkonstruktionen, Mobiles und auch das Triptychon von 1921. In ihm erklärte Rodtschenko mit großer Geste seine Malerei für beendet. Diese Arbeit besteht aus drei monochrom bemalten Farbtafeln in den Primärfarben Rot, Gelb und Blau.

Eine Kunst für alle in der neuen Zeit

Ortrud Westheider: "Diese junge Phase der Revolution und des jungen Sowjetstaates wollte man dazu nutzen, mit der Kunst das ganze Leben (...) neu zu prägen." Das bedeutete: weg von einer wirklichkeitsfernen, bürgerlichen Kunst, vor allem aber: hin zu einer Kunst für alle - geschaffen von Künstlern, die das Neue mit gestalten wollten.

Ortrud Westheider: "Die Künstler wurden auch eingesetzt in sehr wichtigen Positionen. Es wurden neue Museen gegründet, alte Museen mussten neu organisiert werden. (...) Das waren große Aufgaben, die dort anstanden. Nicht nur in Moskau und Sankt Petersburg, (...) man wollte die ganzen Avantgarde-Künstler auch in die Regionen bringen. Das war die neue Zeit."

Alexander Rodtschenko (1891-1956): An alle. Werbeplakat für "Dobrolet", 1923, Sammlung Rodtschenko/ Stepanowa, Moskau, Exponat in der Ausstellung "Rodtschenko. Eine neue Zeit" im Hamburger Bucerius Kunst Forum, 2013 © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Alexander Rodtschenko in Hamburg

- 07.06.2013 18:16 Uhr - Autor/in: von Bismarck, Melanie

In Ölbildern, Rauminstallationen und Fotografien hat Rodtschenko die russische Kunst vor 100 Jahren beflügelt. Das Bucerius Kunst Forum zeigt rund 150 Werke des Avantgardisten.

Klare Formen und Farben und die Verbindung von Bild und Text

Hinter den weißen Stoffbahnen im Erdgeschoss der Ausstellung sind all die Arbeiten versammelt, mit denen sich Rodtschenko ab 1923 aktiv einmischte: Fotomontagen, Plakate, Umschlagentwürfe für Bücher, Stoffmuster, Einrichtungen für Arbeiterclubs, Werbung. Vieles entwickelte er zusammen mit Wladimir Majakowski. Bis heute bestechen die klaren Formen und Farben ihrer Ideen, und die völlig neue Verbindung von Foto und Text.

Die Ausstellung zeige deutlich, dass Rodtschenko ein Künstler ist, der von Anfang an ein sehr individuelle Handschrift hat und das auch beibehält, sagt die Kuratorin.

Künstlerisch revolutionäre Fotografie

Bis heute berühmt aber machen ihn seine Fotografien. Hier lässt Rodtschenko Hausfassaden stürzen oder nach oben streben, hält er Menschen, Arbeit, Fabriken in dynamischen Perspektiven fest, die den Betrachter mitreißen sollen, ihn antreiben wollen, das Neue mitzugestalten.

Diese Bilder bilden Höhe- und Schlusspunkt der Ausstellung. Sie bilden auch den Höhepunkt von Rodchenkos künstlerischem Werk. Später reiste er vornehmlich als Fotoreporter durch die Sowjetunion. Nicht nur, weil seine Bildsprache den Kulturpolitikern mittlerweile als "formalistisch" galt, sondern auch, weil die unmittelbare revolutionäre Aufbruchszeit eben zuende war - es begannen die Mühen der Ebene.

Alexander Rodtschenko (1891-1956): Treppe, 1929, Sepherot Foundation, Liechtenstein, Exponat in der Ausstellung "Rodtschenko. Eine neue Zeit" im Hamburger Bucerius Kunst Forum, 2013 © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Alexander Rodtschenko. Eine neue Zeit

Die Oktober-Revolution hat vor gut 100 Jahren in Russland die Kunst beflügelt. Von dieser neuen Zeit erzählt in Hamburg die Retrospektive des Avantgardisten Rodtschenko.

  • Art: Ausstellung
  • Datum:
  • Ende:
  • Adresse:
    Bucerius Kunst Forum
    Rathausmarkt 2
    20095  Hamburg
  • Telefon: (040) 36 09 96-0
  • E-Mail: info@buceriuskunstforum.de
  • Preis: 8 Euro, erm. 5 Euro, montags Einheitspreis 5 Euro
  • Öffnungszeiten: täglich 11-19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr
  • Hinweis: Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog mit Beiträgen von Hubertus Gassner, Alexander Lawrentjew, Bernhard Schulz, Irina Wakar, Ortrud Westheider und Isabel Wünsche.
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Links
Screenshot der Internetseite über die Ausstellung "Alberto Giacometti. Begegnungen" © Bucerius Kunst Forum
 
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