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Als Kitsch noch Kunst war

In der Grafiksammlung des Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe schlummert so mancher Schatz, der sich für das interessierte Publikum noch heben lässt. So gab es vor zwei Jahren in dem Museum bereits eine umfassende Ausstellung zur Grafik im Jugendstil zu sehen. Dabei haben Mitarbeiter des Hauses rund 200 Drucke im Bestand entdeckt, die weit früher entstanden sind - viele davon sind sehr unterhaltsam. Die Bilder erzählen von der frühen Zeit des Farbendrucks.

Heute würde man über viele dieser frühen Drucke sagen, sie seien kitschig und nicht ganz ernst zu nehmen. Damals galten sie jedoch als Kunst und waren hochmodern. Das Museum widmet diesen Bildern nun eine eigene Ausstellung unter dem Titel "Als Kitsch noch Kunst war".

Eine visuelle Revolution

1837 meldet der deutsch-französische Lithograf Godefroy Engelmann ein farbiges Druckverfahren als Patent an und nennt es Chromo-Lithografie. Von da an weitet sich der industrielle Farbendruck rasant aus. Die zuvor bilderarme Welt wird plötzlich bilderreich: Da gibt es den Kunstdruck mit lieblichen Tierdarstellungen für die Wohnzimmerwand, Sammelkarten mit nützlichem Wissen, Wandbilder mit historischen oder kuriosen Szenen und es gibt bunt bebilderte Kinderbücher.

Für Jürgen Döring, den Kurator der Ausstellung, sind die Drucke ein spannendes Kapitel der Kulturgeschichte: "Das sind also nicht diese lieblichen Drucke aus dem frühen 20. Jahrhundert oder aus der Zeit um 1900, sondern aus der Zeit vor dem Jugenstil und die sind sehr, sehr selten heute. Das war der Anlass, das doch einmal zu zeigen."

Die neue Bildersprache der Werbung

Postkarte "Reichspostdampfer Kaiser Wilhelm II" aus der Ausstellung "Als Kitsch noch Kunst war" im Museum für Kunst und Gewerbe © MKG Hamburg Detailansicht des Bildes Mit imposanten Schiffsbildern wie dem des "Reichspostdampfers Kaiser Wilhelm II" warb die Reederei Norddeutscher Lloyd um Kunden. Auch in der Werbung hinterließ der Farbendruck seine Spuren. Pausbäckige Kindergesichter und sogenannte Damen von Welt sind auf den historischen Plakaten zu sehen - und erstaunlich viele alte Leute. Und auch Märchenillustrationen, Schiffsbilder, Stadtansichten oder solche von Industriebauten waren verbreitet.

Jürgen Döring: "Die waren offenbar häufig Vorbild für die Jugend. Es gibt eine ganze Reihe von Plakaten, wo Kinder und junge Leute an den Lippen der Großeltern hängen, die genau wissen, was gut schmeckt, was Qualität hat, wie man etwas macht."

Die neue Bilderflut sahen Kulturkritiker damals mit Skepsis, prognostizierten damit verbunden gar einen Verfall der Sitten. Bevor um 1890 Künstler wie Henri de Toulouse-Lautrec und mit ihm eine ganze Generation junger Künstler die moderne farbige Grafik für sich entdeckten, hatten die oft liebevoll "Chromos" genannten industriell gefertigten Drucke bereits in der ganzen Welt Beachtung gefunden. So erzählt die Ausstellung in Hamburg tatsächlich eine Erfolgsgeschichte aus den sonnigen Zeiten der frühen Industrialisierung.

 

Werbeschilder aus der Ausstellung "Als Kitsch noch Kunst war" im Museum für Kunst und Gewerbe © MKG Hamburg, fotolia Fotograf: Eky Chan

Als Kitsch noch Kunst war

Mit dem Farbendruck im 19. Jahrhundert haben Motive aus Märchen, mit orientalischen Schönheiten oder Kindern die Kunst erobert. Eine Ausstellung in Hamburg erzählt davon.

  • Art: Ausstellung
  • Datum:
  • Ende:
  • Adresse:
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
    Steintorplatz
    20099  Hamburg
  • Telefon: (040) 42 81 34 - 880
  • E-Mail: service@mkg-hamburg.de
  • Preis: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, Do ab 17 Uhr 7 Euro
  • Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr
    Do 10-21 Uhr (an oder vor Feiertagen: 10-18 Uhr)
  • Hinweis: Führungen - sie finden meist sonntags statt, siehe Kalender auf der Website des MKG Hamburg - sind im Eintrittspreis inbegriffen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 11.01.2013 | 09:19 Uhr

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Links

Informationen zur Ausstellung und Begleitprogramm auf der Homepage des Museums.

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