Kulturjournal
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Die Neupräsentation im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) widmet sich sich den Künstlern, mit denen der zweite Direktor des MKG, Max Sauerlandt (1880-1934), einen besonders intensiven Austausch pflegte: Richard Haizmann, Rolf Nesch, Karl Ballmer und Karl Kluth zählen dazu. Sie prägten in den 1920er-Jahren maßgeblich die Hamburger Kunstszene.
Max Sauerlandt (1880-1934), gehört zu den wichtigen Förderern der modernen Kunst in Hamburg. Unter seiner Leitung entwickelt sich das Museum in den 1920er und frühen 1930er Jahren zu einem der bedeutenden Häuser für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Grafiken, Schmuck, Ausstellungsplakate, Fotografien, Briefe und Inventarlisten von damals bezeugen seine fortschrittliche Sammlungspolitik. Sauerland, der das Hamburger Museum ab 1919 leitete, trat engagiert für die zeitgenössische Kunst ein, kaufte Werke von Malern wie Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, zahlreiche Skulpturen und auch Kunsthandwerk.
1932 schuf der deutsch-norwegische Maler und Grafiker Rolf Nesch (1893-1975) den Metalldruck "Elbbrücke" I.
Mit seiner Leidenschaft für den Expressionismus und dem Ankauf von Kunstwerken noch nicht etablierter Künstle machte er sich bei den Hamburgern nicht nur Freunde. Foyer und Treppenhaus des MKG, die Sauerlandt mit modernen Werken geschmückt hatte, bezeichnete eine Hamburger Zeitung Anfang der Dreißiger bissig als "Höllentor". Gleich im April 1933 beurlaubten die Nazis Sauerlandt, noch im selben Jahr sind 80 Prozent der rund 300 Werke umfassenden modernen Sammlung konfisziert worden. Bis heute sind die meisten verschollen.
Diese Lücke konnte in der Nachkriegszeit trotz Schenkungen und Neuankäufen nicht wieder vollständig geschlossen werden. Im neu eingerichteten Ausstellungsbereich "Hamburger Moderne" sind nun rund 40 Dauerleihgaben der Hamburger Sparkasse zu sehen, die durch Arbeiten weiterer Künstler ergänzt werden, zum Beispiel Schmuckarbeiten des ehemaligen Bauhausmitgliedes Naum Slutzky (1894-1965) und Skulpturen von Moissey Kogan (1879-1943), Gustav Heinrich Wolff (1886-1934), Hans Martin Ruwoldt (1891-1969) und Friedrich Wield (1883-1940).
Erst im vergangenen Jahr waren fünf verschollen geglaubte expressionistische Skulpturen aus der Zeit von Max Sauerland erstmals wieder im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) zu sehen. Sie gehören zu dem sensationellen Berliner Kunstfund von 2010: 16 Skulpturen wurden bei Grabungen vor dem Roten Rathaus unter Weltkriegsschutt geborgen. Die Kunstwerke waren von den Nazis beschlagnahmt worden, weil sie als "entartet" galten.
Eines der wiederentdeckten Werke ist Edwin Scharffs "Bildnis der Schauspielerin Anni Mewes":
Im "Vorher-Nachher-Slider" befindet sich links die Originalskulptur, in der Mitte das Fundstück und rechts wird die restaurierte Figur sichtbar. Durch Verschieben der Regler können die Zustände verglichen werden.

Eine Schau im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe widmet sich Künstlern der 20er- und 30er-Jahre, mit denen Direktor Max Sauerlandt einst einen intensiven Austausch pflegte.