Radio & Fernsehen

Kulturjournal

NDR Fernsehen: Kulturjournal

Aktuelle Kultur und neue Bücher im NDR Fernsehen, montags ab 22.45 Uhr. mehr


Abendjournal - Bessere Zeiten für Kultur

NDR 90,3

Das Kulturmagazin für Hamburg hören Sie montags bis freitags nach den 18.00-Uhr-Nachrichten. mehr


NDR Kultur - Hören und Genießen

NDR Kultur

Das Kulturprogramm für Deutschlands Norden im Radio. mehr

 

Edwin Scharff - der besonnene Bildhauer

Er gehört zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, war ein Zeitgenosse von Ernst Barlach, Käthe Kollwitz und Georg Kolbe, Bronze war sein bevorzugtes Material: der Bildhauer Edwin Scharff.

Geboren wird Edwin Scharff am 21. März 1887 in Neu-Ulm. Das Elternhaus ist arm und streng katholisch. Schon früh zeigt sich sein künstlerisches Talent. Oft malt er die Pferde und Reiter einer benachbarten Rennbahn.

Der deutschen Bildhauer Edwin Paul Scharff (1887-1955) bei der Arbeit. © Edwin Scharff Museum Neu-Ulm Detailansicht des Bildes Der Bildhauer bei der Arbeit im Atelier. Gegen den Willen des Vaters, aber unterstützt von seiner weltoffenen Mutter, studiert Scharff an der Kunstgewerbeschule in München. 1907 gewinnt er den "Rom-Preis", ein Reise-Stipendium in Höhe von 2.400 Goldmark. Er betreibt Studien in Italien, Frankreich und Spanien und kommt in Paris auch erstmals mit der Kunst moderner Maler wie Matisse und Cézanne in Berührung.

1913 gehört Scharff zu den Gründern der Künstlergruppe "Neue Münchner Secession", aus der später der "Blaue Reiter" hervorgeht. 1915 wird er zum Militärdienst einberufen. Auch an der Front entstehen zahlreiche Zeichnungen, in denen er das Kriegsgeschehen festhält.

Vom Gemälde zur Plastik

Nach einer schweren Verletzung und während eines langen Lazarettaufenthalts darf er stundenweise in seinem Atelier arbeiten. Die Gemälde, die entstehen, sind stark kubistisch geprägt. In diese Zeit fällt auch sein Wechsel von der Malerei zur Skulptur.

Als 1919 in München die Räterepublik ausgerufen wird, ist Scharff im Künstlerrat aktiv. Jahre später wird dieses Engagement für ihn schwerwiegende Folgen haben.

Bildnis des Malers Max Liebermann (1924, Bronze auf Steinsockel) © Edwin Scharff Museum Neu-Ulm Detailansicht des Bildes Bildnis des Malers Max Liebermann (1924, Bronze auf Steinsockel) In den Folgejahren entstehen zahlreiche Porträtbüsten von Heinrich Mann, Max Liebermann, oder Max Brauer und Marmorskulpturen. Ein gern gewähltes Motiv: Pferde. Ab 1923 lehrt er als Professor in Berlin.

Scharff ist kein Wegbereiter von großem Einfluss auf die zeitgenössische Plastik. Seine Werke strahlen Ruhe und Geschlossenheit aus, wirken aber nicht revolutionär. Dennoch stufen ihn die Nationalsozialisten als "entartet" und untragbar ein. Wegen seiner "politischen Betätigung in der Münchner Räterepublik, dem Fehlen des Ariernachweises seiner Frau und der Vernachlässigung seiner Schüler an der Landeskunstschule" (Katalog zur Edwin Scharff Retrospektiove, Seite 18) wird er 1933 mit sofortiger Wirkung beurlaubt.

Er glaubt, durch einen Beitritt zur NSDAP seine Familie schützen und seine bedrohte Existenz sichern zu können. Eine Zeit lang kann er auch noch in Düsseldorf weiterarbeiten. Dann kommt 1938 endgültig das Berufsverbot. 48 seiner Arbeiten werden beschlagnahmt oder vernichtet.

Neuanfang in Hamburg

Während des Krieges wird die Familie mehrfach ausgebombt. Noch kurz vor Ende des Krieges verübt ein SS-Trupp einen Anschlag auf Scharffs Plastiken. Die Arbeiten von 10 Jahren - die wegen des Berufsverbotes nur als Gipsmodelle existieren - gehen fast vollständig verloren.

Eine Besucherin schaut sich das Bildnis der Schauspielerin Anni Mewes von Edwin Scharff an. © picture alliance / dpa Detailansicht des Bildes Eine Besucherin im Neuen Museum in Berlin betrachtet das Bildnis der Schauspielerin Anni Mewes von Edwin Scharff aus dem Jahr 1921. 1945 wird Edwin Scharff als Professor an der Landeskunstschule am Hamburger Lerchenfeld berufen, wo er auch für die Neueinrichtung einer Bildhauerklasse zuständig ist. 1949 vollendet er eines seiner bekanntesten Werke: die Marienthaler Kirchentür, das Bronzeportal eines Klosters bei Wesel.

Zwischen 1952-1953 entsteht auch die 6,60 Meter hohe Bronzeplastik "Drei Mann im Boot", deren erster Guss an der Hamburger Außenalster steht. Ein zweiter Guss ziert den Neu-Ulmer Marktplatz.

In Hamburg lebt und unterrichtet der Bildhauer bis zu seinem Tod am 18. Mai 1955. Sein Grab befindet sich auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Ein Straßenzug im Hamburger Stadtteil Steilshoop ist nach ihm benannt.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/kunst_und_ausstellungen/hamburg/edwinscharff101.html
Audios
Edwin Scharff in Paris, um 1912 © Edwin Scharff Museum Neu-Ulm
 
Audio

Edwin Scharff: Die eigenen Möglichkeiten entwickeln

17.03.1985 | 14:00 Uhr
NDR Info

Bis zu seinem Tod arbeitete und unterrrichtete Edwin Scharff in Hamburg (Audio des NDR zum Zum 30. Todestag des Bildhauers).

Audiobeitrag starten (03:25 min)
Links

Informationen zu Ausstellungen im Edwin-Scharff-Museum in seiner Geburtsstadt. Die Ständige Sammlung zeigt unter anderem Skulpturen und Bilder von ihm und seinen Zeitgenossen Ernst Barlach und Käthe Kollwitz.

Link in neuem Fenster öffnen

Private Webseite mit Informationen über Leben und Werk des Bildhauers und Malers Edwin Scharff.

Link in neuem Fenster öffnen
Quellennachweis

(1) Edwin Scharff - Retrospektive

Zum 100. Geburtstag des Künstlers

Katalog des Edwin Scharff Museums, Neu-Ulm, 14. September 1987