Wie eine Graphic Novel entsteht ...

von Claudio Campagna

Im Seminarraum des Hamburger Literaturhauses herrscht Arbeitsatmosphäre; es ist heiß, die Jalousien sind heruntergelassen. Ein surrender Beamer wirft Skizzen an die Wand. Es sind die Entwürfe des preisgekrönten spanischen Zeichners Max zu seiner Graphic Novel "Vapor" (deutsch: Dampf). Bis eine Graphic Novel, in den Druck gehen kann, ist es ein weiter Weg der konzeptionellen und kreativen Arbeit. Bei den Graphic Novel Tagen im Hamburger Literaturhaus hat Max Interessierten erklärt, wie man ein Comicbuch konzipiert.

Eine Kunst des Erzählens

Der spanische Comiczeichner Max © NDR.de Fotograf: Claudio Campagna Detailansicht des Bildes Der katalanische Comic-Künstler Max ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Comiczeichner. "Gute Comics zeichnen sich nicht durch schöne Bilder oder schöne Worte aus. Es ist eine Frage guten Storytellings. Du brauchst ein interessantes Thema, einen originellen Zugang; und dann musst Du es spannend erzählen", erklärt Max. Das lange Lockenhaar hat er zu einem Zopf gebändigt, auf seinem T-Shirt prangt natürlich ein Comicbild: Eine gruselige Frauenvisage mit Vampirzähnen. Seine Erläuterungen unterstreicht der 56 Jahre alte Max mit ruhigen Gesten. Die Workshop-Teilnehmer hören aufmerksam zu und machen sich Notizen.

Minutiöse Planung

Eine Studentin zeichnet © NDR.de Fotograf: Claudio Campagna Detailansicht des Bildes "Ich möchte mir ein paar Tipps holen, wie man besser daran arbeiten kann, ein paar Ideen, wie ich da vorankomme", erzählt Studentin Soufeina Hamed. Zum Beispiel die Studentin Soufeina Hamed. Mit einer Freundin arbeitet sie gerade an einem politischen Comic über Migration und Identität. Max erzählt, wie er bei seiner Graphic Novel vorgegangen ist. Morgens im Cafe, wenn das Traumbewusstsein noch aktiv ist, macht Max sich lange Listen mit Ideen und Figuren. In winzigen Skizzen probiert er deren Wirkung aus. Und wenn die Handlung steht, plant er minutiös das ganze Buch.

"Würden Sie bei Ihrer nächsten Graphic Novel etwas anders machen?", wollen die Workshop-Teilnehmer wissen. Beim nächsten Mal will er mehr offen lassen, sagt Max, um sich beim Zeichnen stärker von der Geschichte leiten zu lassen. Das Zeichnen dauert Monate, sagt er. Um überhaupt fertig zu werden, darf man nicht zu perfektionistisch sein. Ein Rat, den Soufeina Hamed beherzigen will.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 12.06.2013 | 18:20 Uhr

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