Giacometti in seinem Atelier: In dem winzigen Raum saß Mitte des 19. Jahrhunderts die halbe Pariser Geisteswelt Modell und wurde vom Künstler zum Stillsitzen animiert. Das Bucerius Kunst Forum beleuchtet nun Giacomettis Porträtkunst.
... und hier die Mutter (1923). Im Hintergrund ist der "Blickende Kopf" zu sehen, mit dem er 1929 Eingang in den Kreis der Surrealisten fand - aus dem er sich aber recht bald wieder verabschiedete.
Da er davon ausging, dass die Lebendigkeit eines Menschen besonders in dessen Blick liegt, schuf er wieder figürliche Arbeiten. Allerdings tilgte er alles "Überflüssige" aus seinen Skulpturen. Dieses Profil seines Bruders Diego (1954) beispielsweise ist nicht mal fingerdick: Wozu den Kopf in 3-D ausmodellieren, wenn es doch nur um die Seitenansicht geht?
Anfang der Vierziger schuf er winzige Skulpturen, die er auf immer größere Sockel stellte. Damit wollte er die Distanz zum Porträtierten verdeutlichen (vorn im Bild: Simone de Beauvoir, 1948).
Es war nicht zuletzt sein illustrer Freundeskreis, der Giacometti dann mit zum Durchbruch verhalf. Für die erste Einzelausstellung in den USA schrieb Sartre einen Essay, in dem er das Besondere an der Kunst des Schweizers herausstellte - "Die Suche nach dem Absoluten".
Giacomettis späte Plastiken wurden wieder voluminöser. Hier "Lotar I" von 1964, das wie viele Exponate aus einer Schweizer Privatsammlung stammt. Den Fotografen Éli Lotar porträtierte Giacometti gleich mehrfach ...
... im Obergeschoss stehen seine verschiedenen Bildnisse nebeneinander. Laut Kuratorin Eva Hausdorf hat die Auseinandersetzung mit dem Porträt Giacometti oft geradezu gequält: "Sie war für ihn ein großes Thema des Scheiterns." Nicht selten zerstörte er seine Tagesarbeit wieder.
"Es ist schlichtweg unmöglich, einen Kopf genau so zu machen, wie man ihn sieht", stellte er kurz vor seinem Tod resigniert fest.