Stand: 11.02.2012 09:00 Uhr
Werke von Louise Bourgeois in Hamburg
von Heiko Block, NDR.de
Menschen, die Angst vor Spinnen haben, müssen in den nächsten Monaten sehr tapfer sein, wenn sie in der Hamburger Innenstadt unterwegs sind. Eine Riesen-Spinne - mehr als neun Meter hoch - "bewacht" noch bis zum Sommer den Eingang zur Kunsthalle. Arachnophobiker können aber beruhigt sein, denn es handelt sich "nur" um ein weltweit bekanntes Kunstwerk: die Skulptur "Maman" (Mutter) der Künstlerin Louise Bourgeois.
Das Werk, das 1999 in New York erstmals gezeigt wurde, soll auf die Bourgeois-Ausstellung "Passage dangereux" aufmerksam machen, die am 10. Februar eröffnet wurde und bis zum 17. Juni dieses Jahres im Hubertus-Wald-Forum der Kunsthalle zu sehen ist. Bourgeois, eine französisch-amerikanische Bildhauerin, war im Mai 2010 im Alter von 98 Jahren gestorben. Sie hätte am 25. Dezember 2011 ihren 100. Geburtstag gefeiert. Die Spinne "Maman" ist erstmals in Deutschland im Rahmen einer Schau der Künstlerin zu sehen.
Reise durch die Erinnerung in der Kunsthalle
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"Passage dangereux" - gefährliche Reise, so der Titel der Schau und zugleich ein Roter Faden im Spätwerk der Künstlerin.
Die raumgreifende und titelgebende Installation "Passage dangereux" gleicht einem Dachboden der Erinnerungen aus scheinbar ungeordneten Gegenständen.
Die Ausstellung versammelt Skulpturen, Gemälde und Installationen der Künstlerin.
Die Arbeit "untitled" vereint Gegensätzliches - eine Mobilé ähnliche Installation aus derben Rinderknochen und zarter Unterwäsche.
"Cell XXII" lautet der Titel einer weiteren kontrastierenden Montage: schwere Knochen bevölkern eine Volière - einem Heim der flatternden Leichtigkeit.
Die textile Skulptur "Untitled, 2002" erinnert an afrikanische Masken.
Noch einmal "Passage dangereux" - im Käfig der Erinnerungen genügen Protesen als Metapher für den Kampf der Geschlechter.
"Maman", die 9 Meter hohe Arbeit aus Bronze, Stahl und Marmor draußen ist Teil der Ausstellung "Louise Bourgeois - Passage dangereux".
"Maman", die 9 Meter hohe Arbeit aus Bronze, Stahl und Marmor draußen ist Teil der Ausstellung "Louise Bourgeois - Passage dangereux".
"Ihr Ruhm kam erst spät - aber dann geballt"
Dr. Brigitte Kölle ist Kuratorin der Bourgeois-Ausstellung.
Bourgeois war bereits 88 Jahre alt, als sie ihr wohl bekanntestes Werk schuf. "Ihr Ruhm kam erst spät - aber dann geballt", sagte Dr. Brigitte Kölle, Kuratorin der Ausstellung, die sich auf das Spätwerk von Bourgeois konzentriert. Neben "Maman" zeigt die Kunsthalle Skulpturen, Rauminstallationen, Radierungen, Arbeiten aus Stoff und Tapisserien der letzten 15 Lebensjahre der Bildhauerin, darunter die Werkserie "Passage dangereux" (1997) und die Radierungsserie "À l'infini" (2008). Einige der ausgestellten Werke sind zum ersten Mal überhaupt öffentlich zu sehen.
Eine Hommage an ihre Mutter
Louise Bourgeois gilt als eine der bedeutendsten Künstlerinnen unserer Zeit.
"Maman" ist die größte Skulptur aus einer ganzen Spinnen-Serie von Bourgeois. "Sie bewunderte ihre Mutter", sagte Kölle. Das Werk sei eine Ode an Joséphine Bourgeois, die in Paris als Restauratorin von Tapisserien tätig war. "Das unermüdliche Wiederherstellen und Restaurieren von Gewebe, das auch Spinnen eigen ist, wird zugleich zu einem Symbol für das unendliche, sich wiederholende und erneuernde Leben im Allgemeinen." Spinnen tauchen deshalb immer wieder im Werk von Bourgeois auf.
Der Aufbau der Bourgeois-Spinne "Maman"
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Skurriles Bild vor der Hamburger Kunsthalle: Riesige Spinnen-Beine werden von Kränen durch die Luft gehievt. Grund: Die Skulptur "Maman" von Louise Bourgeois wird aufgebaut.
Zwei Kräne heben die acht Beine der Spinne aus einem 40-Fuß-Container heraus, in dem die Skulptur transportiert wird. Er ist oben offen und während der Fahrt nur mit einer Plane abgedeckt.
Das Kunstwerk ist insgesamt elf Tonnen schwer und besteht aus Bronze, Edelstahl und Marmor.
Die Beine zusammenhalten soll ein Körper hoch oben in der Mitte, unter dem ein aus Draht gefertigter Beutel befestigt ist.
Ein entscheidender Schritt ist das Aufstellen
des Kopfes an zwei Beinen, nach und nach folgen dann die restlichen sechs Beine.
Ein Spezialteam mit zwei Experten aus New York ist für das Aufstellen der 9,27 Meter hohen und 8,91 Meter breiten Spinne verantwortlich.
Die Beine bestehen jeweils aus zwei Teilen - jedes davon mehr als vier Meter lang. Mit vier Schrauben werden die Beine am Körper befestigt.
Das Wetter hat es leider nicht gut mit dem Spezialteam gemeint, denn es regnet den ganzen Tag. Zur Abwechslung schneit es zwischendurch - das erschwert die Aufbauarbeiten.
Nach Einbruch der Dunkelheit werden Scheinwerfer aufgestellt, damit die Aufbauarbeiten fortgesetzt werden können. Die Spinne ist mittlerweile zu erkennen.
Fast einen ganzen Tag hat es gedauert - jetzt ist das Werk vollbracht: Die Spinne steht - und blickt auf die Außenalster.
Auch die Binnenalster hat "Maman" fest im Blick.
Die Spinne macht auf die Bourgeois-Schau "Passage dangereux" aufmerksam, die vom 10. Februar bis 17. Juni 2012 in Hamburg zu sehen ist.
Im Korpus der Spinne befinden sich zehn etwa 20 Zentimeter große Marmor-Eier.
Die Skulptur mitten in der Hamburger Innenstadt entwickelt sich sofort zum Publikumsmagneten.
"Maman" ist die größte Skulptur aus einer ganzen Spinnen-Serie von Bourgeois. Sie war bereits 88 Jahre alt, als sie ihr wohl bekanntestes Werk schuf.
"Maman" ist die größte Skulptur aus einer ganzen Spinnen-Serie von Bourgeois. Sie war bereits 88 Jahre alt, als sie ihr wohl bekanntestes Werk schuf.
Spezialisten aus New York für Aufbau angereist
Das elf Tonnen schwere achtbeinige Kunstwerk aus Bronze, Stahl und Marmor wurde am 23. Januar mithilfe von zwei Kränen auf dem Außenplateau der Kunsthalle aufgestellt. Das Team um zwei extra aus New York angereiste Spezialisten war einen ganzen Tag lang mit dem Aufbau der 9,27 Meter hohen und 8,91 Meter breiten Spinne beschäftigt.
Die Skulptur kam aus der Schweiz in die Hansestadt. Dort war sie in Genf, Zürich, Bern und Basel zu sehen. Zu bewundern war sie zudem unter anderem auch schon in London, Paris, St. Petersburg, Bilbao, Kopenhagen und Hongkong. In Deutschland war "Maman" bisher nur einmal - 2004 im Schlosspark Wendlinghausen im nordrhein-westfälischen Dörentrup - zu Gast. Im Juni wird sie nach der Schau in Hamburg wieder zurück nach New York gebracht.