Ai Weiwei lässt in Venedig Stühle fliegen
Die Kunstreise durch die Länderpavillons auf der 55. Biennale in Venedig geht von Ägypten über Japan, Mexiko und Deutschland bis nach Zypern. Aber ist es noch zeitgemäß über Kunst in nationalen Einheiten zu sprechen? Der deutsche Pavillon verabschiedet sich in diesem Jahr gleich doppelt von der Kunst innerhalb der Ländergrenzen. Auf Initiative der Auswärtigen Ämter haben Frankreich und Deutschland in diesem Jahr die Pavillons getauscht.
Susanne Gaensheimer, Direktorin des Museums für moderne Kunst in Frankfurt und Kuratorin des deutschen Beitrages sieht den deutschen Pavillon als ein offenes Konzept. Deutschland ist für sie keine abgeschlossene Einheit, sondern Teil eines weltweiten Netzwerkes. Das Resultat: Gaensheimer hat vier internationale Künstler aus unterschiedlichen Ländern eingeladen.
Besuch im deutschen Pavillon
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Susanne Gaensheimer kuratierte bereits den deutschen Pavillon auf der Biennale 2011. Ursprünglich war dafür Christof Schlingensief vorgesehen, der im August 2010 verstarb. Seine Witwe Aino Laberenz und Susanne Gaensheimer übernehmen die Einrichtung des Pavillons und erhalten den Goldenen Löwen der Biennale.
In diesem Jahr zieht der deutsche Beitrag nach Frankreich. In Sichtweite befindet sich der deutsche Pavillon, in dem der albanische Künstler Anri Sala eine Filminstallation mit Musik von Maurice Ravel präsentiert.
Der chinesische Künstler Aiweiwei ist Teil des deutschen Beitrages. Seine Installation "Bang" ist das Zentrum der Ausstellung - der Künstler selber ist bei der Eröffnung nicht dabei. Bisher hat er keine Ausreisegenehmigung bekommen.
Seine Installation aus 886 antiken chinesischen Holzschemeln steht für die Vergänglichkeit des Traditionellen.
Scheinbar schwerelos schwebt der Schemelstrang durch den Raum und wirkt ...
... wie ein verbindendes Element zwischen den ausstellenden Künstlern. Rechts im Bild sind die Fotografien von Santu Mofokeng zu sehen.
Der südafrikanische Künstler beschäftigt sich in seiner Arbeit ebenfalls mit Traditionen. Er begibt sich auf die Spuren der kulturellen Identität schwarzer Südafrikaner.
Historische Fotografien reicher Familien gehören ebenso dazu ...
... wie die Auseinandersetzung mit spirituellen Rückzugsräumen.
Der in Deutschland geborene Franzose Romuald Karmakar stellt seine Filmarbeiten auf der Biennale aus.
Seine Filme haben oft politische Perspektiven. Auch in Venedig werden politische Arbeiten von ihm zu sehen sein. Für einen seiner Filme hat Karmakar die Hasspredigten des Hamburger Immans Mohammed Fazazi ins Deutsche übersetzen und von einem Schauspieler vortragen lassen. Ein weiterer Film entstand während einer Kundgebung der NPD in Berlin.
Dayanita Singh bringt Arbeiten aus dem indischen Alltag nach Venedig.
In projizierten Schwarz-Weiß-Fotografien erzählt sie von vergessenen Akten ...
.. und fast vergessenen Menschen.
Geladene Gäste und Journalisten dürfen dem deutsch-französischen Pavillon schon vorab einen Besuch abstatten. Nun freuen sich Kuratorin und Künstler auf viele Besucher - und geben die Hoffnung nicht auf, dass auch Ai Weiwei noch nach Venedig kommen darf.
Geladene Gäste und Journalisten dürfen dem deutsch-französischen Pavillon schon vorab einen Besuch abstatten. Nun freuen sich Kuratorin und Künstler auf viele Besucher - und geben die Hoffnung nicht auf, dass auch Ai Weiwei noch nach Venedig kommen darf.