Stand: 09.08.2017 15:45 Uhr

Das Erbe des Kunstfälschers

von Lena Haamann

Sie hingen schon in der Hamburger Kunsthalle oder im Louvre in Paris - jetzt lagern sie hier, in einer Scheune in Burg in Dithmarschen. Hunderte Werke von Edgar Mrugalla, dem König der Kunstfälscher.

Die meisten Bilder will sein Sohn, Richard Mrugalla jetzt verkaufen, ein Jahr, nachdem sein Vater gestorben ist. Er hofft, dass die Kuratoren eines Hamburger Museums sich Bilder für eine Verkaufsausstellung aussuchen, zum Thema Fälscher.

Ein gemaltes Bild mit blauen Pferden.

Das Erbe eines Kunstfälschers

Schleswig-Holstein Magazin -

Noldes "Schlepper auf der Elbe" und Gauguins "Parau Api": In Dithmarschen lagern Tausende Kopien der Werke großer Künstler. Das Erbe eines verurteilten Kunstfälschers.

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Der größte Kunstskandal der Nachkriegszeit

Von August Macke bis Emil Nolde: Zwischen 150 und 10.000 Euro sollen die Kopien einbringen. Früher haben Edgar Mrugallas Bilder internationalen Kunsthändlern mal Millionen eingebracht. Rund 3.000 Werke hat er gefälscht und Ende der 80er-Jahre den größten Kunstskandal der Nachkriegszeit ausgelöst. Edgar Mrugalla flog auf und wurde verurteilt, zu drei Jahren Haft auf Bewährung. Richard Mrugalla war damals sieben Jahre alt. "Verstanden habe ich das nicht, aber ich wusste, dass er immer schöne Bilder malt", erinnert er sich.

Nachdem sein Vater aufgeflogen war, kopierte er nur noch legal, mit Kennzeichnung. Dabei hat Richard oft geholfen. Er weiß, wie man ein Gemälde mit Tee und Hitze in kurzer Zeit um ein paar hundert Jahre älter macht. "Ich bin mit der Kunst ganz früh in Berührung gekommen. Mein Vater hat die Sachen entworfen und ich habe es gedruckt", sagt er. 15 Jahre lang.

Auch Fälschung ist Handwerk

Richard ist heute selber Künstler. Werke zu kopieren kann er sich nicht vorstellen. Aber er bewundert die Arbeit seines Vaters, sagt er. Die Kuratoren auch: An die Hundert Bilder wollen sie in der Fabrik der Künste ausstellen. "Auch das ist ein tolles Handwerk, ein Bild so original nachzumalen, dass es auch dem Original entspricht und von Fachleuten oft gar nicht als Fälschung erkannt wird", sagt Kurator Horst Werner. "Das wollen wir zeigen, mit der ganzen umfangreichen Problematik. Was die Fälscher angerichtet haben, aber was sie auch in Bewegung gesetzt haben."

Richard Mrugalla ist sich sicher: Das wäre auch im Sinne seines Vaters gewesen. Einige Bilder will er aber für immer behalten, als Erinnerung.

Dieses Thema im Programm:

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Am 2. September 2011 wird der Prozess gegen Wolfgang Beltracchi eröffnet. 16 Millionen Euro verdiente er mit gefälschten Bildern. Er sagt, ihm sei es ums Malen gegangen. Audio (14:46 min)

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