Stand: 10.11.2017 11:17 Uhr

Schatzkammer öffnet zu Ehren verfolgte Geistlicher

von Katrin Bohlmann

Vor 74 Jahren wurden in Lübeck der evangelische Pastor Stellbrink und die drei katholische Kapläne Prassek, Lange und Müller von den Nationalsozialisten hingerichtet. Die vier Theologen hatten Widerstand gegen den NS-Terror geleistet. Ihnen zu Ehren öffnen die katholische und die protestantische Kirche in Lübeck eine Schatzkammer in der Gedenkstätte Lübecker Märtyrer.

Die Schatzkammer der Lübecker Märtyrer

Persönliche Dinge geben Einblicke in ihr Leben

Jochen Proske von der Erzbischöflichen Stiftung Lübecker Märtyrer öffnet die Eisentür zur Schatzkammer. Die Besucher blicken auf Glasvitrinen mit  persönlichen Dingen der vier Widerstandskämpfer. Am anderen Ende des Raums zieht schnell eine große, schwere Tür das Interesse auf sich. Es ist eine Zellentür aus dem Lübecker Burgtorgefängnis. Hinter ihr saßen monatelang zwei der vier Geistlichen - Eduard Müller und Johannes Prassek. "In dieser Schatzkammer lagert kein Gold und kein Silber", sagt Propst Christoph Giering.

Stattdessen sind hier Erinnerungen an die vier Lübecker Märtyrer gesammelt: "Das sind für uns große Schätze, weil sie uns die Möglichkeit geben, ein Einblick zu bekommen in das, was die vier gedacht haben, was sie bewegt hat, was sie begeistert hat", sagt Gierig. 

Reiselustig und Hobby-Fotograf

Briefe, Bilder und Börsen sind zu sehen. Die ökumenische Schatzkammer zeigt persönliche Dinge der Lübecker Geistlichen: So sei der katholische Kaplan Eduard Müller reiselustig gewesen und habe gerne fotografiert, berichtet Kurator Jochen Proske. In seinen selbstgestalteten Reisetagebüchern habe er alles genau aufgeschrieben und dazu Fotos eingeklebt. Für Proske ist das ein Zeichen von Freiheit und Weltoffenheit in einer Zeit, als Freiheit und Weltoffenheit nicht sonderlich weit verbreitet waren.

Eine Rechnung für die Hinrichtungskosten

Weitere Informationen

Die Lübecker Märtyrer: "Wir sind wie Brüder"

Papst Benedikt hat sie als "Leuchtmarken" bezeichnet: Drei Priester und ein Pfarrer überwanden ihre Konfessionen, um Hitler zu widerstehen. Am 25. Juni 2011 wurden sie selig gesprochen. mehr

Sein katholischer Kollege Johannes Prassek sei ein charismatischer, lebenslustiger Mensch gewesen, erzählt Proske. Weil er stets zu Scherzen aufgelegt war, sei er während seiner Priesterausbildung ermahnt worden: "Er hatte recht abstehende Ohren und wenn eine Vorlesung langweilig war, hat er angefangen, mit den Ohren zu wackeln, so dass der ganze Hörsaal gelacht hat", so Proske. "Das war ein bisschen zu unangepasst, aber genau diese Unangepasstheit hat ihn dann auf dem Weg vorangetrieben, weswegen wir uns heute noch an ihn erinnern."

Prassek begeisterte sich auch für Musik und Lyrik. So zeigt die Schau Flöte, Gedichtband und Schellackplatte des Geistlichen. Die Exponate sind aus dem Nachlass der Lübecker Märtyrer. Alle vier hatten früh ihr Testament gemacht, da sie wussten, dass sie bald hingerichtet werden. Ihre Familien und Freunde haben die persönlichen Dinge aufbewahrt und nun in die Schatzkammer gebracht. Ein besonders eindrucksvolles Dokument: die Rechnung für die Hinrichtungskosten von Pastor Stellbrink. Seine Witwe hatte sie nach seinem Tod erhalten.

Freundschaft über Konfessionsgrenzen hinweg

Karl Friedrich Stellbrink, Johannes Prassek, Eduard Müller, Hermann Lange: Sie waren Freunde, über die Konfessionsgrenze hinweg. "Die vier Lübecker Märtyrer stehen auch 74 Jahre nach ihrer Hinrichtung immer noch für Menschenliebe und Gerechtigkeit", sagt Pastorin Constanze Oldendorf von der evangelischen Lutherkirche: "Wir müssen daraus lernen - gerade in der heutigen Zeit. Wir müssen Haltung zeigen. Wir müssen aufstehen. Das ist unsere Aufgabe, und das ist auch eine geistliche Aufgabe."

Die Ausstellung - die Schatzkammer in der Gedenkstätte der Herz Jesukirche in Lübeck - ist für jeden offen und kostenlos zu besichtigen.

Schatzkammer öffnet zu Ehren verfolgte Geistlicher

Wegen Widerstands gegen den NS-Terror wurden vor 74 Jahren der Pastor Stellbrink und die Kapläne Prassek, Lange und Müller hingerichtet. Eine Ausstellung in Lübeck gibt Einsichten in ihr Leben.

Datum:
Ort:
Propsteikirche Herz Jesu in Lübeck
Parade 4
23552  Lübeck
Telefon:
(0451) 70 98 779
Preis:
Der Eintritt ist frei.
Öffnungszeiten:
Mo bis Fr 10 bis 18 Uhr
Sa 10 bis 16 Uhr
So 18 bis 18 Uhr
Besonderheit:
Dauerausstellung
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 10.11.2017 | 20:00 Uhr

Mehr Kultur

59:52

Bettina Tietjen - die Talklady im Porträt

25.11.2017 00:10 Uhr
NDR Fernsehen
01:28

Werke von Hans Fuglsang in Flensburg

24.11.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
00:59

Hakenkreuz auf Sportplatz-Gelände zerschlagen

24.11.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal