Stand: 17.11.2017 12:39 Uhr

"Nolde und die Brücke": Ausstellung in Kiel

von Andrea Ring

Nur 20 Monate gehörte Emil Nolde von 1906 bis 1907 zur expressionistischen Künstlergruppe Die Brücke. Doch die Zusammenarbeit der Maler war äußerst fruchtbar. Das zeigt jetzt eine neue Ausstellung der Kunsthalle zu Kiel. "Nolde und die Brücke" heißt sie und zeigt neben Bildern von Nolde Werke der frühen Brücke-Künstler.

"Nolde und die Brücke" in der Kunsthalle Kiel

Karl Schmidt-Rottluff war fasziniert von Noldes fast sprichwörtlich gewordenen "Farbstürmen". So hatte er 1906 den immerhin 17 Jahre älteren Malerkollegen in einem Brief bestürmt, sich ihrer jungen Künstlergruppe Die Brücke anzuschließen. Kurz darauf lud Noldes Frau Ada den Verfasser des Briefs zu den Noldes auf die Ostseeinsel Alsen ein.

Farbe wird zum Selbstwert

Es war ein Arbeitsaufenthalt, bei dem sich die beiden Künstler gegenseitig stark inspirierten, berichtet Kunsthallen-Kuratorin Annette Weisner: "Da passiert im Grunde das Entscheidende: Die Farbe wird plötzlich wirklich kräftig, weil sie selbstleuchtend pastos aufgetragen wird."

Anders als früher kommen die Farben ungemischt auf die Leinwand, sie bekommen einen Selbstwert, erklärt Weisner: "Und dann ist es auch gar nicht mehr wichtig, dass die Stirn eines Gesichts mal in einem leuchtenden Blau erstrahlt." Das ist zum Beispiel auf einem Gemälde von Nolde, das Karl Schmidt-Rottluff zeigt, zu sehen. Es wird auch auf den Ausstellungsplakaten gezeigt. "Man sieht richtig diesen dicken gelben, roten oder blauen Pinselstrich. Also der Malprozess selbst wird so sichtbar und macht die Bilder dadurch so unglaublich lebendig und sehr schön", schwärmt die Kuratorin.

Ungezwungen und experimentierfreudig

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Die Begründer Der Brücke Fritz Bleyl, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und eben Karl Schmidt-Rottluff und später Max Pechstein wollten den Ballast der Tradition abwerfen. Wenn man die Ölgemälde, Zeichnungen, Aquarelle und die für alle so wichtige Grafik betrachte, sagt Kunsthallendirektorin Anette Hüsch, "dann sieht man an sehr vielen Stellen, wie ungezwungen und wie ungeheuer experimentierfreudig sie gearbeitet haben. Und das ist der Kern des Ganzen: zu etwas Neuem aufbrechen, also eine Brücke in die Zukunft schlagen."

Knallbunte Steilküsten

Die Kunst von der Konvention zu lösen, war das Programm. Der Gegenstand trete hinter das Farbspiel zurück, erklärt Anette Hüsch. Zu sehen an Noldes Bild "Im Korn", an der knallbunten Steilküste von Schmidt-Rottluffs "Am Meer" ebenso wie schon auf dessen frühem Bild "Am Pleißebach". Aufgrund der getupften Farbflächen, könne man den eigentlichen Gegenstand erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennen.

Die Nolde-Ausstellungen im Überblick

Museumsberg Flensburg
"Nolde in Flensburg"
noch bis 30.12.2017
Nolde Stiftung Seebüll
"150 Jahre Emil Nolde - Meisterwerke"
1.3.-30.11.2017
Kunstmuseum in Tondern
"Henry Moore und die Nordische Landschaft von Emil Nolde"
30.4.-3.12.2017
Kunsthalle Kiel
"Nolde und die Brücke"
18.11.2017-2.4.2018
Museum Behnhaus Drägerhaus, Lübeck 
"Emil Nolde - Eine Retrospektive auf Papier"
7.7.2018-7.10.2018

An Max Pechsteins Akt "Liegendes Paar" vor beruhigtem, dunkelgrünen Hintergrund wird die unterschiedliche Entwicklung der Künstler nach der gemeinsamen Brücke-Zeit deutlich: "Im Brücke-Stil hat man später wenige klare Farbflächen, die dann auch noch schwarz konturiert werden. Bei Nolde geht es dagegen wirklich immer um diese verschiedenen Farbschichten, Farbtupfer und Farbstriche", erklärt Kuratorin Weisner.

Pinselführung schafft sommerliche Atmosphäre

Das wiederum zeichnet schon den frühen Nolde aus, mit dem die Ausstellung beginnt und der die Brücke-Maler so ungeheuer beeindruckt hat. Die Nolde-Stiftung Seebüll hat den "Feriengast" von 1904 ausgeliehen. Ein Mann mit einem Buch in sommerlicher Atmosphäre: Dieses Bild scheint durch den Farbauftrag und die Pinselführung förmlich sommerlich zu vibrieren. Also sie ist einerseits sehr lebendig und auf der anderen Seite sehr friedlich und ruhig. "Und diese Kombination finde ich ganz wunderbar!", schwärmt Kunsthallendirektorin Anette Hüsch.

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Nur 20 Monate gehörte der Maler Emil Nolde zur Künstlergruppe Die Brücke - eine fruchtbare Zusammenarbeit. Die neue Ausstellung in der Kieler Kunsthalle zeigt Werke aus dieser Zeit.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunsthalle zu Kiel
Düsternbrooker Weg 1
24105  Kiel
Telefon:
(0431) 88057-56
E-Mail:
buero@kunsthalle-kiel.de
Preis:
Eintritt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
Mittwoch: 10-20 Uhr
Montag: geschlossen

Öffnungszeiten während der Feiertage im Dezember:
Sonntag, 24.12.2017: geschlossen
Montag, 25.12.2017: 10- 8 Uhr
Dienstag, 26.12.2017: 10-18 Uhr
Sonntag, 31.12.2017: geschlossen
Montag, 01.01 2018: geschlossen
Besonderheit:
Ausstellungseröffnung am 17.11.2017 um 19 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 17.11.2017 | 19:00 Uhr

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