Stand: 28.05.2015 20:43 Uhr

Ein Schiffswrack und seine Geschichte

von Peer-Axel Kroeske

Seeschlacht vor Fehmarn: Am 24. April 1715 trifft eine schwedische Flotte auf ein überlegenes dänisches Geschwader. Mit zwölf Lecks flüchtet das schwedische Kriegsschiff Hedvig Sofia in Richtung Kieler Förde. Die eigenen Leute versenken es dort, damit es dem Feind nicht in die Hände fällt.

Zeitsprung: 1970 stoßen Taucher am Leuchtturm Bülk auf Kanonenrohre und Munition und später auch auf das Wrack. Sensation: Es ist die Hedvig Sofia. Genau 300 Jahre nach der Schlacht widmen die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen auf Schloss Gottorf dem Schiff ab Freitag die große Sommer-Sonderausstellung "Von Degen, Segeln und Kanonen".

Ein Schloss in Schleswig und eine Prinzessin

Gegenstände, die Geschichte erzählen

Die Hedvig-Sofia-Ausstellung behandelt eigentlich zwei Themen: Das Schiff und die Prinzessin. Ob sie jemals an Bord war, weiß heute niemand mehr. An beiden lässt sich aber die Geschichte vom Niedergang Gottorfs erzählen. 1681, als die schwedische Prinzessin in Stockholm das Licht der Welt erblickt, ahnt das noch niemand, erzählt Uta Kuhl vom Kuratoren-Trio: "Wir sehen auch auf den Porträts, die sie als Mädchen zeigen, dass sie ein lebendiges, sehr hübsches Kind gewesen ist. Sie war wohl der Liebling ihrer Großmutter."

Auch ihr Bruder Karl und die angereiste Gottorfer Verwandtschaft sind zu sehen. Herzog Friedrich sucht die Nähe zu Schweden, um Dänemark auf Abstand zu halten. Hedvig Sofia heiratet ihn, und eben nicht den dänischen Prinzen. Sie wird wohl gar nicht gefragt. Dänemark und Schweden gehen auf Distanz. Es kommt zum 15 Jahre dauernden Großen Nordischen Krieg, in den alle Staaten rund um die Ostsee verwickelt sind.

"Das Ende ist dann, dass Schweden Stück für Stück in die Defensive gedrückt wird. Die neue Großmacht, das ist jetzt eben Russland", erklärt Kurator Joachim Krüger. Zum Ende dieses Krieges sinkt auch das Schiff, die Hedvig Sofia. Kanonenkugeln, ein Senkblei, ein alter Schuh - die Funde aus dem Wrack bilden das Zentrum der Ausstellung. Dazu Thomas Eisentraut: "Die spannendsten sind natürlich das Munitionsgeschoss, der Degen und die Legende um diesen Degen. Dann gibt es natürlich die kleinen Funde. Das sind Knöpfe, die Geschichten erzählen und eben auch Glas."

Das harte Leben auf einem Kriegsschiff

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"Unter Deck" war es ganz schön eng.

Ergänzend dazu Funde aus anderen Wracks. Man bekommt einen Eindruck vom harten Leben auf Kriegsschiffen jener Zeit. Welch ein Kontrast zum Leben am Hof! "Das ist unserer sogenannte Unterdeck-Installation. Auf einem Schiff damals war die Deckshöhe ungefähr 1,50 Meter. man lernt schnell, den Kopf einzuziehen", sagt Thomas Eisentraut.

Das müssen Besucher unter der Holzplatte auch. Und sie können in den Tagebuchnotizen eines Soldaten am Touchscreen blättern und lauschen. Ein großer 3D-Bildschirm erlaubt die Reise in ein Wrack vor Finnland, durch das sich Besucher selbst navigieren können, wenn sie vor dem Schirm die Arme bewegen.

Die Frage, ob Wracks generell gehoben werden sollten, ist unter den Forschern ein heißes Thema. Projektleiter Ralf Bleile vom Archäologischen Landesmuseum glaubt nicht, dass die "Hedvig Sofia" bald aus dem Wasser kommt: "Ich kann es mir nicht vorstellen. Zum einen ist ja von dem Frack selbst nur die Rumpfschale erhalten. Wichtig ist nur, dass es dort geschützt ist und dass wir auch aufpassen, dass ihm nichts passiert."

Schwedens Niederlage zieht Gottorf mit nach unten

Die Prinzessin erlebte den Untergang des nach ihr benannten Schiffes übrigens nicht mehr. Sie starb schon im Alter von 28 Jahren. "Ihr Sohn", so Uta Kuhl, "hatte die Kinderpocken. Er war schnell wieder gesund, während sie an der Krankheit verstarb. Das war eine Tragödie für den Stockholmer Hof".

Gottorf verliert nach den Niederlagen der Schweden an Einfluss. "Der große Umbau zu einem Hochbarocken Schloss, den wir heute am Südflügel sehen, hätte eine neue Blütezeit einleiten sollen mit dieser königlichen Prinzessin als Gottorfer Herzogin. Aber, das war eine kurze Blüte, auch weil der Herzog ja schon 1702 in diesem Krieg fiel."

Fazit der Ausstellung: Die Exponate wirken auf den ersten Blick begrenzt spektakulär. Doch wer sich mit der Vergangenheit von Gottorf beschäftigt, sieht sie mit ganz anderen Augen.

Ein Schiffswrack und seine Geschichte

Am 24. April 1715 sinkt das schwedische Kriegsschiff "Hedvig Sofia". Ab Freitag widmet das Schloss Gottorf dem Schiff eine Sonderausstellung - mit Fundstücken aus dem Wrack.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Schloss Gottorf, Reithalle

24837  Schleswig
Telefon:
(04621) 813 222
E-Mail:
info@schloss-gottorf.de
Preis:
9 Euro, ermäßigt 6 Euro
Öffnungszeiten:
täglich 10.00 bis 18.00 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 20.11.2014 | 17:03 Uhr