Stand: 26.10.2017 16:42 Uhr

Unendlicher Kunstgenuss in Wolfsburg

von Janek Wiechers

Das Werden und Vergehen, die ewigen Kreisläufe, das Sich-Drehen, die Wiederholung: Wie sehr der Loop von Anfang an Kulturgeschichte und Kunstschaffen prägt und noch immer bestimmt, das versucht die überbordende Ausstellung "Never ending stories" im Kunstmuseum Wolfsburg zu belegen. Die Schau mit Hunderten Werken Dutzender Künstler verfolgt keinen geringeren Anspruch als einen exemplarischen Überblick zu verschaffen, wie sehr schon immer das repetitive Element Kunst dominiert - von der Antike bis heute.

Die Ausstellung "Never ending stories"

"Never ending stories" - niemals endende Geschichten. Museumsdirektor Ralf Beil erklärt den Titel der Ausstellung folgendermaßen: "Weil jede Form immer schon mit Inhalt verbunden ist. Und das eben seit Anbeginn in der Kulturgeschichte. Das heißt der Loop ist immer schon auch eine inhaltliche Aussage. Mir geht es darum, dass der Loop nicht einfach nur als eine technische Formalität gesehen wird, sondern, dass damit gearbeitet wird. Sie werden in der Ausstellung sehen, wie Künstler das umsetzen."

Endlosschleifen in Architektur, Literatur und Kunst

Als ein sehr frühes Beispiel zeigt die Wolfsburger Schau das frühantike Symbol des "Ouroboros". Die sprichwörtliche Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt ist auf einer altägyptischen Schale zu sehen. Sie ist ein Symbol für den Kreislauf des Lebens. Davon ausgehend nähert sich die Ausstellung in insgesamt 14 Kapiteln dem Phänomen der Endlosschleife: unter anderem in der Architektur, der Literatur, der Musik, der bildenden Kunst und im Film.

Aus der Frühzeit des Films sind sich permanent wiederholende, kurze Clips zu sehen: ein Kuss zwischen Mann und Frau oder gewichthebende Männer in Endlosschleife. "Diese Filme wurden damals wirklich im Loop gezeigt", erklärt Beil. "Es ist tatsächlich tollerweise so, dass der Film, der eigentlich im linearen Gedächtnis ist, eine Erzählung im eigentlichen Sinne, als Loop begonnen hat."

Verstörendes Gefängnis Duschkabine

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Gregor Schneider lässt die Besucher durch 21 baugleiche Badezimmer schreiten.

Physisch erlebbar wird die endlose Wiederholung in einer faszinierenden Arbeit des Künstlers Gregor Schneider. Die Besucher schreiten durch 21 immer gleiche Räume - exakte Kopien eines unwirtlichen, fensterlosen Badezimmers mit Duschkabine. Tür um Tür gelangt man in den immer gleichen Raum. Das Durchschreiten wird so zum verstörenden Loop, der Fragen aufwirft, ob das, was wir wahrnehmen, wirklich echt ist.

Gregor Schneider erklärt seine Arbeit so: "Unser Gehirn ist ein Rekonstruktionsapparat. Da gibt es unterschiedliche Strategien, um Zugang zur Wirklichkeit zu finden. In diesem Fall ist es, Dinge begreifbar zu machen, also auch Wirklichkeit. Wir Menschen sind endlich. Daher kommt die Faszination für das Unendliche."

Donna Summer und verspiegelte Wände

Das Unendliche in der Architektur und in der Musik wird auch sehr direkt körperlich erfahrbar in einem überdimensionierten Spiegelsaal. Decke und Wände sind komplett reflektierend, so dass sich die Besucher ins Unendliche gespiegelt unzählbar vervielfacht wahrnehmen. Parallel dazu läuft Donna Summer's Song "I Feel Love" in Endlosschleife. Summers Lied war eines der ersten, in dem Loops zentral eingesetzt wurden, erklärt Museumsdirektor Beil: "Das ist der Vorreiter für House und Techno und vieles mehr. Es geht eben nicht nur um mentale Loops und geistige Rotationen, sondern es geht eben auch um körperliche Erfahrungen."

"Never endig stories" ist eine Ausstellung, für die die Besucher viel Zeit mitbringen sollten. Es gibt viel zu entdecken und zu reflektieren.

Unendlicher Kunstgenuss in Wolfsburg

Wiederholungen, wiederkehrende Szenen und "Loops" gibt es in der Werbung, in der Musik oder im Alltag. Eine Ausstellung in Wolfsburg widmet sich dem Thema in der Kunst.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
38440  Wolfsburg
Telefon:
(0 53 61) 2 66 90
E-Mail:
info@kunstmuseum-wolfsburg.de
Preis:
Eintritt 10 Euro/ ermäßigt 5 Euro (ganzes Haus), öffentliche Führung: + 3 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 11 bis 18 Uhr
Besonderheit:
Eröffnung am 28.10.2017, 19 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

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