Stand: 25.02.2016 11:36 Uhr

Kunsthalle Marcel Duchamp eröffnet in Wolfsburg

Eine Kunsthalle, die so klein ist, dass man sie nicht betreten kann, und in die man aber trotzdem auch um vier Uhr morgens reinschauen könnte - das ist die Kunsthalle Marcel Duchamp, die auf dem Platz vor dem Kunstmuseum feierlich eröffnet wurde. Alle dort gezeigten Kunstwerke drehen sich um Schokolade, Erotik und/oder um Marcel Duchamp. Der französisch-amerikanische Maler und Objektkünstler lebte von 1887 bis 1968 und war Mitbegründer der Konzeptkunst, Wegbegleiter des Dadaismus und Surrealismus.

Meisterwerke in Miniaturausgabe

Nicht hineingehen - hineinsehen!

Mit einem kräftigen Ruck wird ein schwarzes Tuch von einem Kasten gezogen - wie bei einem Zaubertrick: et voilà! Die neue Kunsthalle im Miniaturformat ist eröffnet. Sie ist gerade mal einen Viertelkubikmeter groß - in etwa so wie ein Schuhkarton. Kaum vorstellbar, dass dort eine ganze Ausstellung mit Bildern und Skulpturen hineinpassen soll. Doch das geht - denn man soll auch gar nicht hineingehen, sondern nur hineinsehen, sagt Ralf Beil. Er ist der Direktor des Wolfsburger Kunstmuseums, vor dem die Mini-Kunsthalle jetzt steht: "Das ist so faszinierend, wenn Sie da reingucken. Es ist wie ein großes Museum, es ist 24 Stunden geöffnet und gibt ihnen Meisterwerke von Beuys, Duchamps, Ed Ruscha. Wirklich hochkarätige Werke, die Sie kaum in anderen Museen so versammelt finden."

Schlange stehen vor dem Guckkasten

Die Kunsthalle Marcel Duchamp ist also eigentlich ein Guckkasten. Es gibt fünf kleine Fenster, durch die der Betrachter hindurchschauen kann. Schon kurz nach der Eröffnung stehen die ersten neugierigen Besucher Schlange, um einen Blick in die Ausstellung werfen.

"Ja, man sieht die Kunsthalle von innen. Selbst die Lampen an der Decke - gefällt mir gut" meint eine Frau begeistert. Ein Mann findet es sehr unterhaltsam: "Ich finde die Idee toll, ein kleines Highlight für die Fußgänger, die vorbeigehen" und eine andere Frau lacht: "Na ja, die Tapete ist sehr interessant gestaltet, sagen wir mal ganz intim."

Kunstwerke rund um Erotik und Schokolade

Bei einem Rundgang um die Kunsthalle herum und weiteren neugierigen Blicken durch diverse Gucklöcher kann man insgesamt zehn Kunstwerke auf zwei Etagen entdecken. Alles dreht sich um Erotik und Schokolade, sagt der Künstler Stefan Banz aus der Schweiz. Er hatte die Idee für die Mini-Kunsthalle und die Ausstellung darin, und hat beides auch selbst umgesetzt. "Wenn Sie jetzt hier reinschauen", erklärt er, "dann sehen Sie zuerst die Tapete von Robert Gobler mit männlichen und weiblichen Geschlechtsteilen, eine Metapher für den Geschlechtsakt, wenn Sie so wollen."

Die Kunsthalle ist wie eine Puppenstube. In der Mitte des Raumes steht ein kleiner Tisch mit einem Schachbrett, einem Teller und Besteck. Auf dem Teller liegt eine nackte Frau - so als würde sie nur darauf warten, vernascht zu werden. Genauso wie die Schokoladenkugelpyramide daneben. Sie sieht richtig lecker aus wirkt überhaupt nicht klein, sondern sogar überdimensional groß im Gegensatz zum Puppenstubentischchen.

Appetit auf große Kunst machen

"Von Sonja Alhäuser sind diese Schokopralinen - die eine Originalarbeit ist, sie hat diese Pralinen vergrößert, damit die Skulptur ungefähr einen Meter fünfzig hoch wird. Und wir haben sie jetzt wieder verkleinert. Aber sie sind nicht aus Schokolade, sondern aus Holz", sagt Banz. Schade! Es ist also doch keine Kunst zum Vernaschen. Aber zumindest soll sie Appetit auf mehr machen - auf große Kunst, sagt Banz. Ein Appetizer also.

Muss Kunst groß sein, um zu wirken?

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Dabei stellt sich dem Betrachter nach einem Rundgang mit den Augen durch die kleine Halle die Frage: Muss Kunst eigentlich groß sein, um bedeutend zu sein? Nein - findet jedenfalls Ralf Beil vom Kunstmuseum Wolfsburg: "In der Kunst geht es immer um Proportionen - das ist etwas ganz Wesentliches, es geht um das Kleine und das Große, und es ist mir ganz wichtig zu sagen, dass das Kleine genauso wichtig ist, genauso stark ist und eben genauso intensiv sein kann."

Die Ausstellung in der kleinsten Kunsthalle der Welt heißt übrigens "La Broyeuse de chocolat". Übersetzt heißt das "Die Schokoladenreibe". Es ist auch der Titel eines Ölgemäldes von Marcel Duchamps, der wie er selbst sagte, tatsächlich durch eine Schokoladen-Reibemaschine inspiriert wurde, die er im Schaufenster einer Konditorei gesehen hatte.

Kunsthalle Marcel Duchamp eröffnet in Wolfsburg

Meisterwerke von Beuys, Duchamp und Roth sind ab jetzt dauerhaft in der Kunsthalle Marcel Duchamp in Wolfsburg zu sehen. Das vermutlich kleinste Kunstmuseum der Welt ist rund um die Uhr geöffnet.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ort:
Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
38440  Wolfsburg
Telefon:
(05361) 26 69 20
E-Mail:
info@kunstmuseum-wolfsburg.de
Preis:
8 Euro, ermäßigt 5 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag 11.00 - 18.00 Uhr
Montag geschlossen

24.12. geschlossen
25.12. und 26.12. 11.00 - 18.00 Uhr geöffnet
28.12. 11.00 - 18.00 Uhr geöffnet
31.12.2015 und 1.1.2016 geschlossen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 25.02.2016 | 19:03 Uhr