Stand: 14.03.2016 13:02 Uhr

Ramona Seyfarth: Aus Politik wird Kunst

von Susann Moll
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Die Künstlerin Ramona Seyfarth stammt aus Mecklenburg-Vorpommern.

Sie ist im kleinen Dorf Breesen in der Nähe von Neubrandenburg aufgewachsen und hat als Jugendliche ihre Leidenschaft für die Kunst entdeckt. Während andere zur Disko gingen, hat sie lieber Kunstbücher gewälzt und ihre ersten Porträts gezeichnet. Heute - etwa 20 Jahre später - ist sie die Preisträgerin des ersten Kunstpreises für Nachwuchskünstler in Mecklenburg-Vorpommern.

Ein Gespür für Themen haben

Ein kleiner Block mit weißen Notizzetteln liegt vor Ramona Seyfarth. Ein Blättchen nach dem anderen reißt sie ab und faltet es zu einer kleinen Friedenstaube. Die Vögel sind für ihr neues Projekt. Weil die Flüchtlingssituation die Künstlerin sehr beschäftigt, widmet sie ihre Arbeit erneut diesem Thema. Es ist ihr Gespür für Themen der Gegenwart und deren Umsetzung, weswegen sie den Nachwuchspreis verdient hat, begründet die Jury.

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Kleine weiße Papierschiffchen sollen die Flüchtlingssituation symbolisieren.

"Oft ist das bei mir wirklich ein ganz naives Gefühl Dingen gegenüber, die in der Welt passieren und damit auch mit mir etwas machen. Und diese Dinge bewege ich im Kopf und überlege ziemlich lange, ob ich nicht ein Bild finden kann, dass sowohl diesem Gefühl nahe kommt, aber auch etwas aussagt zu dieser Situation. Ich nehme schon eine gewisse Haltung oder einen Standpunkt dem Thema gegenüber ein, in der Form die dann dieses Bild annehmen soll", erklärt die Künstlerin.

Mit Kunst Grenzen überwinden

Die Jury des Kunstpreises verweist besonders auf ihre Installation names "The Edge", zu Deutsch "Die Schwelle". Auch hier verarbeitet Ramona Seyfarth das Schicksal der Flüchtlinge, die die gefährliche Überfahrt übers Meer riskieren. Zu sehen sind 50.000 Papierboote auf knapp acht mal vier Metern angeordnet in Form des Mittelmeers. "Statt Boote dort hinzuschicken oder Fischerbooten zu erlauben, Menschen zu retten, haben Deutschland und die EU beschlossen, praktisch die, die die Boote zerstören, zu stärken. Und da habe ich gedacht ,naja, wenn wir aber so viele Boote produzieren und dahin bringen würden, dann könnten wir naiverweise ein Art sicheren Landgang schaffen, wo man von einem Boot zum nächsten klettert - und dann gäbe es keine verschiedenen Kontinente mehr", beschreibt Seyfarth ihr Kunstwerk.

Gelernt hat Ramona Seyfarth einst den Beruf der Glasmacherin und im Anschluss auch Kunst mit dem Schwerpunkt Glas in der Nähe von Koblenz studiert. Sie arbeitet heute aber nach der freien Kunst: "Das bedeutet, dass ich je nach Inhalt auch überlege neu, welches Material ist zu verwenden irgendwie. Und insofern beschränke ich mich da nicht auf ein Medium oder auf eine Art. Ich eigne mir immer das neue Medium soweit an, dass ich in der Lage bin das selbst umzusetzen - egal ob das Trickfilm ist oder Fotografie. Aber ich mach es immer nur soweit, wie ich das für dieses gezielte Projekt brauche."

Als Künstler in MV arbeiten

Während des Studiums hat die 35-Jährige ihre Frau Rico kennengelernt. Beide stammen aus der Region um Neubrandenburg, kannten sich aber bis dahin nicht. Für den Entschluss, nach der Uni wieder in ihre Heimat zurückzukehren und hier als freie Künstler zu wirken, wurden die beiden Frauen oft belächelt. "Dann sind wir aber gekommen und haben einfach angefangen. Ich glaube wir sind jetzt zweieinhalb Jahren da und haben zusammen an fast 30 Ausstellungen teilgenommen. Das spricht nicht dafür, dass es keine Öffentlichkeit für Kunst gibt", meint sie.

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In ihre Heimat Mecklenburg-Vorpommern ist die Künstlerin nach ihrem Studium auch zurückgekehrt.

Die Einnahmen durch Ausstellungen reichen jedoch nicht, um alle Rechnungen zu bezahlen. Ramona Seyfarth gibt viele Kunstkurse und hält immer Ausschau nach Projekten und Einnahmequellen. Die 5.000 Euro, mit denen der Nachwuchskunstpreis dotiert ist, geben ihr für eine gewisse Zeit die finanzielle Freiheit sich um ihre eigene Werke zu kümmern.

Einige Stücke von Ramona Seyfarth werden im September in der Ausstellung "Hier und Jetzt - Junge Kunst in MV" auf Schloss Plüschow zu sehen sein. Neben der Neubrandenburgerin präsentieren dort sechs weitere ausgewählte Künstler ihre Werke.

Kunstpreis MV

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.03.2016 | 19:02 Uhr