Stand: 14.07.2017 15:10 Uhr

500 Abenteuer von Abrax, Brabax und Califax

von Axel Seitz

Wer hätte gedacht, dass Martin Luther 1517 bereits 478 Thesen gegen den Ablasshandel notiert hatte, bis ein Kobold namens Brabax ihm klar machte, es dürften nur so viele sein, wie auf ein Blatt passten. Es war auch nicht der Theologe, sondern dieser Kobold, der das Schriftstück an der Wittenberger Schlosskirche befestigte. So zumindest ist es nachzulesen im "Mosaik".

Wie die Abrafaxe entstehen

Über Kontinente und durch Jahrhunderte

Diesen Comic gibt es bereits seit Dezember 1955. Zunächst erlebten die Leser rund zwei Jahrzehnte lang die Abenteuer der "Digedags", seit 1976 sind Abrax, Brabax und Califax, kurz die "Abrafaxe", in der Welt und in verschiedenen Jahrhunderten unterwegs. Und jetzt feiert das Trio ein großes Jubiläum, denn es erscheint das 500. Mosaik mit den Abrafaxen.

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Die 500. Ausgabe des Mosaik beschäftigt sich mit einem historischen und doch aktuellen Thema: der Reformation.

In der aktuellen Serie treffen die drei Hauptfiguren in Mitteldeutschland unter anderem auf Martin Luther und Lucas Cranach rund um das Jahr 1517. Das Mosaik feiert gewissermaßen mit dem 500. Heft auch 500 Jahre Reformation. "Wir wollten aber keine Serie über Martin Luther machen, sondern erzählen, warum dieses Ereignis stattfinden konnte. Was ist alles passiert, wie waren die Einflüsse von außen. Und das alles wollten wir so umsetzen, dass es auch für Kinder und Jugendliche verständlich ist", erzählt Klaus Schleiter im Gespräch mit NDR 1 Radio MV. In seinem Verlag erscheint das Mosaik seit 1991, nachdem er das Heft damals von der Treuhand übernommen hatte.

Inzwischen ein gesamtdeutscher Comic

Rund 180 Mosaiks von den mittlerweile 500 mit den Abrafaxen erschienen in der DDR - nach der deutschen Einheit und dem Verlagswechsel ist der Großteil der Abrafaxe-Abenteuer im ehemaligen Westteil von Berlin entstanden und mit den Jahren wurde das Mosaik auch ein gesamtdeutscher Comic, denn inzwischen kommen rund 30 Prozent der Leser aus den ehemals alten Bundesländern. Klaus Schleiter kann gelassen vermelden: "Wir sind die Nummer eins unter den deutschen Comics. Während wir Monat für Monat knapp 70.000 Hefte verkaufen, sind es beispielsweise bei der 'Micky Maus' 45.000."

Links

Das Mosaik

Homepage des Mosaik der Abrafaxe extern

Abrafax-Wiki

Ständig wachsendes Lexikon zu allen Themen rund um das Mosaik und seine Hauptakteuren, den Digedags und den Abrafaxen. extern

Heute arbeiten an einem Heft gut 20 Texter, Zeichner und Layouter. Jörg Reuter gehört zur Mosaik-Truppe bereits seit 1980, inzwischen ist er künstlerischer Leiter und für ihn hat sich in der Vergangenheit nur wenig verändert: "Wir arbeiten am Anfang genau noch so wie vor Jahrzehnten, in dem wir eine Story entwickeln, Skizzen machen und mit Pinsel und Tusche zeichnen. Wenn aber die Zeichnung fertig ist, dann sind wir im 21. Jahrhundert, scannen alles im Computer ein und dort wird das Heft koloriert. Dadurch sehen alle Seiten von der Farbe her gleich aus."

Jeder Zeichner hat beim Arbeiten auch genau seine Figuren. So kümmert sich in der aktuellen Reformationsserie Niels Bülow um Martin Luther, Andreas Pasda zeichnet Lucas Cranach und Thomas Schiewer ist für die Abrafaxe zuständig: "Die drei zeichne ich schon seit Dezember 2000, damals war es auch ein Jubiläumsheft - das 300. Und ich habe schon den Ehrgeiz, die Abrafaxe möglichst auf allen Seiten zu zeichnen. Aber manchmal, da schaffe ich es doch nicht, auch wegen Urlaub oder aus Krankheitsgründen. Dann müssen mir die Kollegen schon mal helfen." Allerdings fällt es den Leser dann auch sofort auf, dass die Zeichnungen doch etwas vom "Original" abweichen.

Jedes Heft ein Unikat

Nun haben Abrax, Brabax und Califax in mehr als vier Jahrzehnten ihr Aussehen schon etwas verändert, doch sie bleiben natürlich eine Erfindung von Lona Rietschel. Sie zeichnete bereits unter Johannes Hegenbarth seit Anfang der 60er-Jahre die Digedags und nach dem Ende der Zusammenarbeit von Hegenbarth und des damaligen Verlags "Junge Welt" 1975 brauchte das Mosaik neue Helden.

Porträt

Der Vater der Digedags ist tot

2014 starb der Schöpfer der legendären DDR-Comic-Zeitschrift "Mosaik", Hannes Hegen, im Alter von 89 Jahren in Berlin. 1955 hauchte er Dig, Dag und Digedag das Leben ein (Meldung vom 13.11.2014). mehr

"Die Figuren durften keinen Bart haben und nicht altern, es mussten also wieder Kobolde sein", erinnert sich Lona Rietschel im NDR Gespräch. Ihr letztes Titelbild entwarf die heute 83-jährige Lona Rietschel im Dezember 2000 für das damals 300. Mosaik. 200 Hefte später feiern die Abrafaxe nun ein weiteres großes Jubiläum, das auch für die Leser besonders werden soll. " Wir nummerieren alle Hefte durch", sagt der künstlerische Leiter Jörg Reuter, "so dass jeder Leser sein spezielles Heft hat". Auf dem Titelblatt leuchtet groß die 500 und auf der nächsten Seite kann jeder erfahren, ob er das 500. Mosaik beispielsweise mit der Nummer 2, 200 oder 20.000 hat. So wird jedes Heft zu einem Unikat.

Im Inneren der Jubiläumsausgabe versammeln sich auf einer Doppelseite zudem zahlreiche Begleiter der Abrafaxe aus mehr als vier Jahrzehnten. Und die Macher von heute haben hier mit der Zeichnerin Lona Rietschel und dem im Juli 2016 verstorbenen Autor Lothar Dräger zwei äußerst wichtige Künstler verewigt, die mit dafür verantwortlich waren, dass im Januar 1976 eine deutsche Comic-Geschichte ihren Anfang nahm, deren Ende noch lange nicht in Sicht ist.

Wie es nach der aktuellen Reformationsserie, die vermutlich im kommenden Frühjahr ihren Abschluss findet, weiter gehen wird, darauf antwortet Verlagschef Klaus Schleiter lächelnd: "Wir wissen, wo es hingeht, wir erzählen es aber nicht!"

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 17.07.2017 | 19:00 Uhr

Audio

03:58

"Mosaik", die Geschichte (Teil 1)

Zunächst erlebten die Leser rund zwei Jahrzehnte lang die Abenteuer der "Digedags". Seit 1976 sind es die "Abrafaxe", die inzwischen mehrere Generationen von Lesern begleitet und begeistert haben. Audio (03:58 min)

03:55

"Mosaik", die Macher (Teil 2)

Seit 1991 erscheint das Mosaik im Verlag von Klaus Schleiter. Mit am längsten beim Mosaik dabei ist Jörg Reuter - nämlich seit 1980, inzwischen als künstlerischer Leiter verantwortlich für jedes einzelne Heft. Audio (03:55 min)

02:59

"Mosaik", das Jubiläumsheft (Teil 4)

Seit mittlerweile mehr als einem Vierteljahrhundert ist das Mosaik nun ein gesamtdeutsches Comic. Jetzt erscheint das 500. Heft. Audio (02:59 min)

03:51

"Mosaik", die Reformationsserie (Teil 3)

500 Jahre Reformation - 500 Mosaik-Ausgaben. Irgendwie passt es da doch nahezu perfekt, dass die drei Haupthelden des Mosaiks - die Abrafaxe - auf Martin Luther treffen. Audio (03:51 min)

03:52

"Mosaik", das Jubiläum und was danach folgt (Teil 5)

21.07.2017 19:00 Uhr
NDR Kultur

Über das nächste Abenteuer wurden schon längst beraten und die Zeichner müssen sich bald umstellen und dann statt Lucas Cranach anderen Figuren ein Gesicht geben. Audio (03:52 min)

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Ausstellung zeigt die "Welt der Gifte"

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Geiger Weilerstein gibt Meisterkurse in Lübeck

26.07.2017 19:30 Uhr
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Ferienprogramm für Kinder: Ab ins Museum

26.07.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal