Stand: 09.02.2016 14:00 Uhr

Schwedisches Design im Völkerkundemuseum

von Melanie von Bismarck

Schwedisches Design hat sich weltweit durchgesetzt. Dank des allseits bekannten schwedischen Möbelhauses. Jeder hat's, man weiß, die Schweden haben Formbewusstsein. Das ist modern, irgendwie zeitlos und stört nicht. Aber schwedisches Design ist eben nicht nur IKEA. Sehr individuell und überraschend ist modernes schwedisches Kunsthandwerk, das zeigt jetzt eine Ausstellung im Völkerkundemuseum. Dort macht gerade die Wanderausstellung "Utvalt" Station, eine Auswahl des besten südschwedischen Kunsthandwerks.

Schwedisches Kunsthandwerk

Inspiriert vom Barock

Glasbläser Jonas Rooth schraubt bunte Glasteile zu einem prächtigen Kronleuchter zusammen. Kerzenhalter in gelb und grün, 20 geschwungene Arme in leuchtendem Orange, rote Vasen, in die er zarte Glasblumen steckt. Schon als Kind habe er sich für Schlösser begeistert, sagt Jonas Rooth. "Wie komplex barocke Objekte konstruiert sind, das hat mich schon damals schwer beeindruckt", sagt er. In der Zeit des Barock und des Rokkoko hätte er selbst gerne gelebt, um bewundernd vor den glanzvollen Kunstwerken zu stehen.

Objekte stammen alle aus Südschweden

Trotz aller barocker Anklänge - sein Kronleuchter spricht eine moderne Sprache. Die frischen Farben kommen aus der Schwedischen Volkskunst. Die 24 Objekte in der Ausstellung stammen von den besten Kunsthandwerkern Südschwedens. Verspielt oder streng - sie alle stammen aus der derselben Region: aus Skåne - oder auf Deutsch Schonen, der Heimat von Kommissar Kurt Wallander.

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Im Inneren des Bootes "Pinta" von Ola Andersson und Luka Jelusic gibt es verschiedene Möglichkeiten zum Spielen.

Ingrid Bärndal, die durch die Ausstellung führt, schüttelt sich. Wallander-Krimis sind ihr zu brutal. Die gebürtige Schwedin ist selber Goldschmiedin und Industriedesignerin und erzählt Einzelheiten zu den Exponaten. Es sind Keramik- und Textilarbeiten, Silberschmuck - und ein traumhaft elegant und einladend geformtes Kinderboot. Was alle 24 Stücke ausmacht, sei diese Einfachheit, erläutert Bärndal. "Aber es ist auch die Materialverbundenheit, also das Gefühl für das Material und was man aus diesem Material machen kann."

Textilien, Dekorationen und Möbel

Aus recycelten schonischen Textilien, Kupfer und anderen Materialien formten zwei Künstlerinnen eine Schmuckschatulle. Bewacht wird der Schmuck von zwei Löwen, den Symbolen Südschwedens. Die Löwen wiederum sind aus eingefärbtem Maulbeerpapier, haben Mähnen aus Ziegenhaar. Die Künstlerin Elin Jantzke hat sich der traditionellen schonischen Wollstickerei verschrieben - in zeitgemäßer Form, versteht sich.

Die Sitzbank von Per Brandstedt ist aus einem geschwärztem Eichenstamm herausgeschnitten. Ein Möbelstück, das lebt. "Durch dieses massive Material der Eiche wird das 15 Jahre dauern, bis es trocken ist", sagt Bärndal. "Und während diesen 15 Jahre wird es immer mehr Risse geben. Das kann man jetzt schon bisschen sehen: Diese ganz kleinen hellen Risse werden immer größer werden. Im Kontrast zu der schwarzen Eiche, wirkt das dann sehr beeindruckend."

Kurios ist ein Wandobjekt, das an eine Klobrille, aber auch an ein menschliches Organ wie Herz mit seinen Gefäßen erinnert. Es stammt von Thomas Olsson, einem ehemaligen Klempner. Er besuchte nach einem Burnout Kunstschulen und widmet sich nun dem Badezimmer. Für ihn ein genauso intimer und geheimnisvoller Ort wie das Innere unseres Körpers.

Schwedisches Design im Völkerkundemuseum

Individuell und überraschend sind die Objekte, die das Völkerkundemuseum in Hamburg in der Ausstellung "Utvalt" zeigt. Zu sehen ist eine Auswahl des besten südschwedischen Kunsthandwerks.

Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Völkerkunde Hamburg
Rothenbaumchaussee 64
20148   Hamburg
Telefon:
040 - 42 88 790
Preis:
8,50 Euro / Ermäßigt 4,-- Euro
Öffnungszeiten:
Di. bis So. 10 - 18 Uhr
Do. bis 21 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 09.02.2016 | 19:00 Uhr