Stand: 19.04.2017 15:17 Uhr

"Machete Project" zeigt Klingen aus aller Welt

von Thomas Jähn

Teil einer jeden Reise ist die Suche nach einem passenden Souvenir - als Erinnerungsstück, als Mitbringsel, als kleine Urlaubstrophäe. Die Fotografin und Illustratorin Vanessa Ahlsborn hat da eine ganz besondere Vorliebe: Macheten. 2006 kaufte sie auf einem Trip durch Madagaskar ihr erstes Messer von einem Bauern.

Mittlerweile sind es fast 100 Klingen aus 16 verschiedenen Ländern, die sie auf ihren Reisen zusammengetragen hat. Daraus entstanden ist die Ausstellung "The Machete Project" in der Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität - und die zeigt nicht nur die scharfen Klingen, sondern auch die Geschichten dahinter.

Macheten: Werkzeug mit Waffenaspekt

Der 20-jährige Henshaw kniet inmitten eines Haufens von gelblich-rot leuchtenden Früchten der Ölpalme, die er gerade geerntet hat. Oberkörperfrei, eine dunkle Hose, Schweißtropfen auf der Stirn. In der Hand hält er sein Werkzeug - eine Machete, so lang wie sein Unterarm. Der Griff ist mit einem schwarzen Lederband umwickelt, die Klinge rostig, geprägt vom täglichen Einsatz auf der Ölpalmplantage in der nigerianischen Hafenstadt Calabar. "Die Ausstellung führt uns in vorindustrielle Gesellschaften. In die Lebenswelt von Menschen, die ihren Alltag noch mit Messern bestreiten können", erklärt Bibliotheksdirektor Jan-Jasper Fast. "Nicht so, wie es bei uns heute der Fall ist: Wir bestellen das Brot beim Bäcker schon geschnitten, der Aufschnitt kommt aus der Verpackung. Und hier sehen wir Personen, die tatsächlich im Tagesgeschäft, im Alltagsleben nicht ohne Messer auskommen."

Macheten erzählen Geschichten der Vorbesitzer

Die siebenjährige Basia aus Afghanistan hält wie selbstverständlich eine Machete in der Hand.

Bibliotheksdirektor Jan-Jasper Fast geht entlang der großformatigen Bilder von Fotografin Vanessa Ahlsborn. Seit mehr als zehn Jahren sammelt sie auf ihren Reisen Macheten aus aller Welt - und die Geschichten ihrer Vorbesitzer. "Dieses Foto hat uns besonders fasziniert", sagt Fast. "Das Bild der kleinen Basia, sieben Jahre alt, aus Afghanistan stammend. Hier überlegen Eltern, ob sie ihren Kindern überhaupt Messer schenken. Und wenn, dann werden es Sicherheitsmesser mit stumpfen Klingen. Hier sehen wir ein Mädchen, das hat eine Waffe in der Hand beziehungsweise ein Werkzeug, dass eine Länge von ungefähr zwanzig Zentimetern hat und mit dem sie völlig selbstverständlich umgeht."

Werkzeug mit Waffenaspekt

Zum Teil zeugen die Macheten von traditioneller Handwerkskunst, sind aufwendig geschmiedet und verziert, teils sind sie aus einfachsten Materialien grob zusammengebaut. Die Klingen sind ganz verschieden: leicht gekrümmt oder sichelförmig, lang und dünn oder breit und massiv. Die Machete - ein durchaus skurriles Sammlerobjekt mit eher martialischem Charakter. "Ja, die Machete ist ein Werkzeug mit Waffenaspekt", sagt Fast. "In unser Gedächtnis haben sich ja die Bilder aus Ruanda eingebrannt, wo Täter dort das Werkzeug gegriffen haben, was ihnen am naheliegendsten war. Bei den Bauerkriegen hatten wir ein ähnliches Phänomen: Vor 500 Jahren haben unsere Bauern zur Schweizer Gertel gegriffen - sie wurde dann zur Kriegsgertel."

Auch in Europa noch im Gebrauch

Doch für viele Menschen auf der Welt ist die Machete vor allem eines: ein Universalwerkzeug für alle möglichen Arbeiten. Sie dient als Küchenmesser und Dosenöffner, als Schere, Beil, als Spaten oder sogar als Nagelknipser - wie für einen Elefantenpfleger aus Sri Lanka, der damit die Zehennägel der Tiere behandelt. "Bei uns in Deutschland findet die Machete noch in der Fortwirtschaft Anwendung", erklärt Fast. "Wir nennen sie Hippe oder Schweizer Gertel. Dort werden dann die Äste gebogen und durchschlagen. Zum Entasten findet die Machete in Europa durchaus noch ihren Gebrauch."

Das eindrucksvolle "Machete Project" zeigt Menschen, die ihren Alltag mit der Klinge bestreiten: Bäuerinnen aus Nigeria, Fischer aus Nicaragua, Hindupriester aus Nepal. Jede Gesellschaft und Kultur interpretiert ihre Form dabei anders, passt sie den jeweiligen Bedürfnissen an. Und jede Machete erzählt eine ganz eigene, packende, in Metall gekratzte Geschichte.

"Machete Project" zeigt Klingen aus aller Welt

Die Ausstellung "The Machete Project" in der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität zeigt Klingen aus aller Welt, aber erzählt auch bewegende und spannende Geschichten dazu.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Bibliothek Helmut-Schmidt-Universität (Universität der Bundeswehr)
Holstenhofweg 85
22043   Hamburg
Preis:
Eintritt frei
Öffnungszeiten:
Mo. bis Do.: 9-16 Uhr, Fr.: 9-14 Uhr (an Feiertagen geschlossen)
Sonnabend, 24.06.2017: 10-16 Uhr ("open campus")
Hinweis:
Sie erreichen den Veranstaltungsort mit den Buslinien E62, 10, 261, 263 und der Schnellbuslinie 35 (Haltestelle "Universität der Bundeswehr").
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 19.04.2017 | 19:00 Uhr

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