Stand: 04.08.2017 10:28 Uhr

Sabine Schulze verlässt ihren "Kasten"

von Daniel Kaiser

Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe verliert seine Direktorin. Sabine Schulze verlässt völlig überraschend das Haus. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda wollte ihren Vertrag verlängern. Doch die 62-Jährige lehnte ab. Ihr Vertrag endet im Sommer 2018.

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Sabine Schulze ist seit 2008 Leiterin des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg.

Selbst die Mitarbeiter haben nichts gewusst, und man schaut im Museum in viele traurige Gesichter. Doch Sabine Schulze wollte unbedingt den Eindruck vermeiden, sie klebe an ihrem Posten. "Das Haus steht glänzend da, und so möchte ich es übergeben", sagt die Museumsdirektorin. Jetzt solle eine neue Generation ihre eigenen Ideen für das Haus mit großem Potenzial entwickeln. "Ich bin in einem Alter, in dem man sagen kann, dass jetzt mal andere baggern sollen", lacht die 62-Jährige.

Tattoos und Turnschuhe

Sabine Schulze hat in den neun Jahren an der Spitze aus dem Museum für Kunst und Gewerbe am Hamburger Hauptbahnhof ein neues, modernes, spannendes Haus gemacht und von aller Trutschigkeit in den Sammlungen befreit. Sie hat den umfassenden Umbau begleitet und mit erfolgreichen, kreativen Ausstellungen über Tattoos, Turnschuhe, Computerspiele oder Udo Lindenberg auch viele junge Leute zum ersten Mal in ein Museum gelockt. "Wir sind besonders stolz darauf, dass wir Menschen erreicht haben, die mitten in Entscheidungsprozessen stecken, sich also in einem Alter befinden, in dem sie sich und andere formen, eine Familie gründen und an der Gesellschaft aktiv mitarbeiten."

Mehr Udo Lindenberg - weniger antike Töpferkunst

Ganz geräuschlos blieb es bei diesem mutigen, populären Programm aber nicht. "Bei der Udo-Lindenberg-Ausstellung hat es durchaus Kritik gegeben", erinnert sich Schulze.

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Bei der Udo-Lindenberg-Ausstellung waren 2012 seltene Sammlerstücke und ein Nachbau seiner Suite im Hotel Atlantik zu sehen.

Mancher habe sich nicht wohl gefühlt, als der Panik-Rocker in diese 'heiligen Hallen' einzog. "Wir sind aber ein Museum, das sich für Musik interessiert - und das heißt dann eben nicht nur, dass wir uns mit historischen Tasteninstrumenten beschäftigen wollen, sondern auch mit dem, was die Musik mit der Gesellschaft heute macht." Als Direktorin eines Museums für angewandte Kunst müsse man immer wieder neu betrachten, was der Gründungsauftrag des Hauses aktuell bedeute, sagt Schulze. "Es reicht nicht mehr zu zeigen, wie schön die damals in der Antike getöpfert oder im Mittelalter bronziert haben. Wir müssen neue Geschichten rund um Material und Kreativität erzählen."

Ein Gefühl für Timing

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Museum für Kunst und Gewerbe: Sabine Schulze geht

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Völlig überraschend hat die Direktorin das Verlängerungsangebot von Kultursenator Carsten Brosda nicht angenommen. Im Interview mit NDR 90,3 spricht die 62-Jährige über ihre Gründe.

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Schulze kam im Jahr 2008 als erfolgreiche Leiterin der Gemälde- und Skulpturensammlung vom Frankfurter Städl. Sie kam ohne Not, habe damals einfach im Gefühl gehabt, dass es Zeit für etwas Neues wäre. Auch jetzt wolle sie sich auf ihren Instinkt für den richtigen Zeitpunkt zum Abschied verlassen. Kultursenator Carsten Brosda bedauert Schulzes Rückzug. Die Kulturbehörde rechnet aber nicht mit Schwierigkeiten, den attraktiven Posten in dem gut bestellten Haus neu zu besetzen. Die Trennung werde ihr allerdings schwer fallen, räumt Schulze ein, denn ihr Leben sei schon sehr stark auf das Museum bezogen. "Mein Mann sagt immer: 'Du und Dein Kasten! Denk‘ doch nicht immer an den Kasten!'", lacht sie. "Ich muss mich wirklich noch einmal anderen Dingen zuwenden, denn die Welt ist bunt und schön. Da möchte ich auch noch was entdecken."

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