Stand: 02.03.2016 13:21 Uhr

Große Horst-Janssen-Schau im Altonaer Museum

von Jens Büchsenmann

Er war einer der produktivsten und auch wildesten Künstler seiner Zeit: Horst Janssen. Er war an Hamburg gebunden und mit Hamburg verbunden wie wenige, hat kaum woanders gewohnt und gearbeitet als hier, erst in der Warburgstraße, dann, bis zu seinem Tod vor 20 Jahren, in einem Haus am Mühlenberger Weg in Blankenese. Seine impulsive Art ist längst Legende - unendlich die Anekdoten, die sich die, die ihn erlebt haben, immer noch erzählen.

Entscheidende Ergänzungen

Aber wie wirkt er auf ein jüngeres Publikum? Wie wirken seine meisterhaften Zeichnungen heute, seine Hunderte Selbstporträts? Das ist in der ersten großen Ausstellung zu erfahren, die seit 20 Jahren in Hamburg zu sehen ist. Im Altonaer Museum. Titel: "Der Horst Janssen Archipel - Eine multimediale Seh-Reise".

Die Ausstellung umfasst Hunderte Bilder, Zeichnungen, Plakate aus allen Phasen seines unermüdlichen Schaffens. Kuratorin Helene Roolf ist wohl die beste Janssen-Kennerin, sie kennt das Werk in allen Feinheiten und findet doch immer Neues, Spannendes: "Gucken Sie in die Vitrinen. Das ist für mich die entscheidende Ergänzung: Das scheinbar Beiläufige bei Janssen ist extrem aufgeladen und das ist typisch", rät sie.

Horst Janssen: Von Porträt bis Paranoia

Die Berechnung des künstlerischen Schaffens Horst Janssens

Ein solches mit Bedeutung hoch aufgeladenes Fundstück ist der kleine Zettel, auf den Vanessa Hirsch deutet. Für die stellvertretende Museumsdirektorin ein besonders spannendes Blatt in der typischen Schrift des Zeichners: "Horst Janssen berechnet die Zeit, die ihm noch bleibt, um künstlerisch arbeiten zu können. '720 Stunden pro Monat stehen zur Verfügung.' Und Janssen rechnet weiter, und auf dem kleinen Zettel, nicht lang vor seinem Tod gekritzelt, ein ganzes Künstlerleben in Zahlen. Im Endergebnis sind das 72.000 Stunden in zehn Jahren, die, wenn man sich Janssens Werk vor Augen führt, der Künstler restlos ausgenutzt haben muss."

Kleine Sensationen in der Ausstellung

Porträt

Horst Janssen: Hanseatischer Ausnahmekünstler

Er lebte exzessiv, galt als Frauenheld, Rauf- und Saufbold, saß wegen Mordverdachts in U-Haft - und war ein Vollblutzeichner. Am 31. August 1995 starb der Künstler und Autor Horst Janssen in Hamburg. mehr

"Zweifelsohne bin ich ein liebenswertes Kerlchen. Der Haken der Sache: Ich brauche keine Freunde und noch weniger Liebe", hören wir Janssen ausrufen in einem Film, den der Hamburger Fernsehproduzent Hinrich Lührs für die Ausstellung geschnitten hat - aus dem Rohmaterial des Filmemachers Peter Voss Andreae, der den im alten Kirchlager in München fand, in alten Filmdosen, die auch nicht wirklich beschriftet waren.

Weil die Tonspur vom Filmmaterial damals noch getrennt war, engagierte Hinrich Lührs eine Dolmetscherin für Gebärdensprache, um Bild und Ton zuzuordnen. Dieser Film gehört zu den vielen kleinen Sensationen dieser Ausstellung.

Janssen - ein sehr eigensinniger Künstler

"Für mich steht Janssen für Eigensinn", sagt Helene Roolf. "Es ist zwar dieser Eigensinn, der einen auch streckenweise irritiert. Man muss eigentlich ein intimer Kenner von bestimmten Sachen sein, um Sachen auch zu verstehen, sonst bleiben sie einem verschlossen."

Was nach zwei Stunden in dieser unbedingt sehenswerten Ausstellung nicht mehr passieren kann - selbst wenn man noch nie zuvor von Horst Janssen gehört hat.

Große Horst-Janssen-Schau im Altonaer Museum

Das Altonaer Museum präsentiert das Werk des Hamburger Künstlers Horst Janssen. "Der Horst Janssen Archipel" heißt die umfangreiche Schau mit Kunstwerken aus allen Phasen seines Schaffens.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Altonaer Museum
Museumstraße 23
22765  Hamburg
Telefon:
(040) 428 135 3582
E-Mail:
info@altonaermuseum.de
Preis:
7,50 Euro (ermäßigt 4,50 Euro), Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei, Führungen 2 Euro (zusätzlich zum Eintritt)
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr
Hinweis:
Statt eines Katalogs gibt es im Museumsshop eine Fülle von Büchern über ihn. Zeitgleich kommt bei Rowohlt die erste umfassende und kritische Biografie über Horst Janssen heraus. (Lesung und Buchpräsentation im Museum am 6. März 2016, 11 Uhr mit Autor Henning Albrecht).
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 02.03.2016 | 19:00 Uhr