Stand: 20.07.2017 14:39 Uhr

Das Alphabet aus 22 Perspektiven

von Kerry Rügemer

Ein Buchstabenzirkus, ein Baumalphabet und im Meer versenkte Buchstaben - in der Ausstellung "Art and Alphabet" in der Hamburger Kunsthalle geht es um Buchstaben. 22 Künstler aus 15 Ländern zeigen in Bildern, Rauminstallationen, Filmen und Skulpturen die unterschiedlichsten Alphabete und Schriftsysteme.

Die letzte große Ausstellung der Kunsthalle vor der Sommerpause erstreckt sich über zwei Etagen in der Galerie der Gegenwart.

Ideen zum Thema Alphabet

"A S D F G": Die Stimme des Musikers Blixa Bargeld spricht die immer gleich bleibende Buchstabenfolge in Endlosschleife. Ein Plakat mit ebendiesen Lettern hängt in dem kleinen Raum an der Wand. Diese Buchstabenfolge entspricht der Hauptzeile auf jeder Schreibmaschinentastatur.

Künstler Ignacio Uriarte hat selbst noch auf einer Schreibmaschine geschrieben. Computer und die Schreibmaschine hätten doch eine sehr ähnliche Architektur, meint er: "Wenn man eine Reiseschreibmaschine mit einem Computer vergleicht, ist der Aufbau fast identisch. Die Anordnung der Tasten auf der Schreibmaschine hat ja rein mechanische Gründe: Die Buchstaben wurden so gelegt, dass die, die man am häufigsten benutzt, am weitesten auseinander liegen damit sie sich nicht verheddern. Und dass wir diesen Aspekt ins digitale Zeitalter gerettet haben, ist abstrus - also dass heute noch Handys oder Laptops nach diesem Prinzip funktionieren".

Die irische Künstlerin Katie Holten hat ein Baumalphabet filigran gezeichnet: Jedem Buchstaben ist ein Baum zugeordnet. Mit diesen Baumlettern hat sie ganze Texte geschrieben - die Seiten sehen aus wie dicht bepflanzte Wälder. John Baldessari unternimmt in einem Video den geduldigen Versuch, einer kümmerlich wirkenden Yuccapalme das Alphabet beizubringen: Er zeigt der Pflanze eine Tafel mit einem Buchstaben und spricht diesen dann auch vor.

Das Verhältnis von Schrift und Bild

Die große Ausstellung bietet viele, sehr unterschiedliche Ideen und Arbeiten zum Thema Alphabet: "Es geht um das Wechselverhältnis von Schrift und Bild, nämlich das Nicht-Zuschreiben-Können, ob etwas ein Text ist oder etwas ein Bild ist", erklärt Kuratorin Brigitte Kölle. Mit diesem Motiv stieß sie auf große Begeisterung bei den Künstlern. Sie alle haben sich dem Thema sehr unterschiedlich genähert: mal mit Plakaten, mit arabischen Schriftzeichen, die auf große, farbenprächtige Stofffahnen genäht sind - oder mit Lebensmitteln wie die Künstlerin Rivane Neuenschwander: 26 abstrakte, wie weiße Jalousien wirkende Bilder hängen in einem Raum. Sie sind aus pulverisierten Lebensmitteln und Gewürzen hergestellt - zum Beispiel ist das D mit Dill entstanden.

Alle Sinne ansprechen

Im Raum befindet sich auch ein Kasten mit einer Riechorgel: Darin kann man an den einzelnen Gewürzen schnuppern. Diese in vielen Räumen zu findenden Kästen sind einer inklusiven Vermittlung geschuldet, erzählt Wybke Wiechell, die Leiterin Bildung und Vermittlung in der Kunsthalle: "Uns ist ganz wichtig bei diesen Fühl-, Riech-, Seh- und Tastkästen, dass sie sinnlich und ansprechend für alle sind, dass sie für jede Familie beispielsweise genauso ansprechend und attraktiv sind wie für diejenigen, die eine Einschränkung in jedweder Form haben."

Befreiung aus Stereotypen

Eine enorm spannende Ausstellung, die überraschend und manchmal auch sehr unterhaltend ist: So spielt Martha Rosler in einem Video das Alphabet anhand von Küchenapparaturen durch: Dabei werden die typischen Bewegungen der Künstlerin mit diesen Utensilien immer aggressiver. Da wird die Pfanne auf den Tisch gekloppt, eine Schüssel hektisch in Richtung Kamera gehalten. Das am Ende mit einem Messer in die Luft geschriebene "Z" erinnert an Zorros Rache und wird damit zum Zeichen der Befreiung von stereotypen Rollenmustern als Haus- und Ehefrau.

Das Alphabet aus 22 Perspektiven

In der Ausstellung "Art and Alphabet" in der Hamburger Kunsthalle geht es um Buchstaben. 22 Künstler zeigen in Bildern, Installationen und Filmen Alphabete und Schriftsysteme.

Datum:
Ende:
Ort:
Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall (am Hauptbahnhof)
20095  Hamburg
Telefon:
(040) 428 131 200
E-Mail:
info@hamburger-kunsthalle.de
Preis:
12 Euro, am Wochenende und feiertags 14 Euro, donnerstags 18 bis 21 Uhr 8 Euro, ermäßigt 6/7 Euro, Kinder und Jugendliche frei
Öffnungszeiten:
Di bis So: 10 - 18 Uhr
Do: 10 - 21 Uhr, vor Feiertagen 10 - 18 Uhr
montags geschlossen
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 20.07.2017 | 19:30 Uhr

Mehr Kultur

10:48
23:54

IKARIA 6: Der erste Stein (1/5)

22.10.2017 15:00 Uhr
NDR Kultur
55:28

Jazz Konzert: Out of Land

21.10.2017 22:05 Uhr
NDR Info