Stand: 16.06.2017 15:46 Uhr

Hafenmuseum: Standortentscheidung dauert noch

Hunderttausende Besucher pro Jahr soll es anlocken, das Deutsche Hafenmuseum in Hamburg. Die Eröffnung ist zwischen 2023 und 2025 geplant, der Bund beteiligt sich mit 120 Millionen Euro.

Für den SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs steht fest: Das Museum wird am Standort des jetzigen Hafenmuseums auf dem Kleinen Grasbrook entstehen. Doch die Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen, sagt Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda im Gespräch mit NDR 90,3.

Dr. Carsten Brosda, Senator der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg © NDR Fotograf: Thomas Jähn

Sommergespräch mit Kultursenator Carsten Brosda

NDR 90,3 - Treffpunkt Hamburg -

Seit Januar 2017 ist Carsten Brosda Senator für Kultur und Medien. Was tut er für die Kulturentwicklung, was sind seine persönlichen Ziele? Der Senator im Sommergespräch.

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Warum ist es so schwierig, sich auf einen Standort für das Hafenmuseum festzulegen?

Carsten Brosda: Weil wir ein Standort suchen, der natürlich einen Bezug zum Hafen hat. Insofern sollte er im Hafengebiet oder in der Nähe des Hafengebietes liegen, und da wissen alle, die schon einmal versucht haben, im Hafen etwas anderes als Hafennutzung unterzubringen, dass das nicht vollständig trivial ist. Auch deshalb nicht, weil wir dort ein Museum schaffen wollen, dass ja mehrere 100.000 Besucher pro Jahr anziehen können soll und den entsprechenden Verkehr abwickeln muss.

Dann muss das Museum auch im Hinblick auf die Erreichbarkeit funktionieren. Und es braucht einen Liegeplatz für ein nicht gerade ganz kleines Schiff: die Peking. Da reicht mir ja nicht ein kleiner Bootssteg, wo ich das vertäue, sondern da brauche ich ein bisschen mehr, um das hinzubekommen, so dass wir da uns vorgenommen haben, gemeinsam mit der Stiftung Historische Museen Hamburg einerseits und auch mit der Hamburg Port Authority andererseits zu gucken, welche Optionen wir haben und die so zu bewerten, dass wir dann eine feste Grundlage für eine vernünftige Entscheidung haben, die wir dann vorschlagen werden.

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Insgesamt erhält Hamburg 120 Millionen Euro für die Restaurierung der Viermastbark "Peking" sowie für den Aufbau eines großen Hafenmuseums. Der Großsegler soll künftig zu diesem Museum gehören.

Es gibt unterschiedliche Vorstellungen: manche, die sagen, es kann nur da sein, andere die sagen, es darf auf gar keinen Fall dort sein. Da will ich mich jetzt nicht einmischen. Wir sind in einer Standortpotenzialanalyse, die noch läuft. Es liegen erste Zwischenergebnisse vor, die aber noch nicht so waren, dass man sagen kann, da oder da geht es lang. Da waren noch zu viele Fragen offen. Die werden jetzt geklärt und dann werden wir in die Diskussion einsteigen. Aber ich glaube, bis wir endgültig wissen, wo das Museum hinkommt, werden wir dieses Jahr schon noch brauchen. Wir werden sicherlich vorher sagen, da können wir es uns vorstellen. Aber dann glaube ich nicht, dass alle sofort sagen werden: Ja klar, wir haben nie eine andere Idee gehabt. Dann wird man das diskutieren und dann ist das auch gut so.

Warum brauchen wir das Hafenmuseum überhaupt? Wir haben ein maritimes Museum. Das könnte durchaus mehr Besucher vertragen.

Brosda: Das Maritime Museum funktioniert ganz wunderbar. Die Idee des Hafenmuseums ist es aber nicht, die Geschichte der Seefahrt zu erzählen, sondern es geht darum, von der Landseite darauf zu gucken, was Welthandel mit Regionen macht und was Welthandel andererseits auch mit ganzen Nationen macht und wie Welthandel funktioniert. Das ist schon etwas anderes.

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Im jetzigen Hafenmuseum am Kleinen Grasbrook gibt es eine Anlegestelle, die auch für größere Schiffe geeignet ist. Doch das ist nur einer von mehreren Standortfaktoren.

Das Besondere des Hafenmuseums ist, dass es uns dort hoffentlich gelingt, nicht nur den historischen Blick auf den alten Hafen zu erzeugen, der nach Kakao und Pfeffer und Kaffee riecht. Dieser Blick ist wesentlich, weil diese Emotionalität in der Stadt immer noch greifbar ist. Aber der Blick muss auch über die Zeit des Stückguts hinausgehen ins Jetzt, in die Containerschifffahrt, in die Zukunft und er muss darstellen, dass Hafen etwas hoch Vitales und Lebendiges und Zukunftsorientiertes ist und am Ende immer noch das ökonomische Herz unserer Stadt. Und auch das muss dieses Museum erlebbar machen - was übrigens auch wieder Rückschlüsse darauf ziehen lassen kann, wie denn so ein Standort aussehen muss. Er muss auch diese Facette von Hafen deutlich zum Ausdruck bringen und darf nicht nur eine Musealisierung des Gewesenen sein.

Das Gespräch führte Catarina Felixmüller, NDR 90,3.

Teil 1 des Sommergesprächs auf NDR 90,3
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Treffpunkt Hamburg | 14.06.2017 | 21:00 Uhr

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