Stand: 06.09.2017 11:15 Uhr

"Man kann mit Marx noch viel anfangen"

von Jens Büchsenmann

"Das Kapital“ von Karl Marx: eines der berühmtesten Bücher der Welt überhaupt, fast so oft gedruckt wie die Bibel, und in ebenso viele Sprachen übersetzt. Im September 1867 wurde das Buch in Hamburg verlegt - also vor genau 150 Jahren. Anlass für das Museum der Arbeit in Hamburg-Barmbek, eine umfangreiche Ausstellung zu machen. Sie läuft noch bis 4. März 2018.

Ausstellung verlangt Denkarbeit

Diese Ausstellung macht Arbeit - das sollte man vorher wissen. Geistige Arbeit, nicht körperliche. Körperlich ist es sehr bequem: Man kann überall sitzen, sogar Liegestühle gibt es, ein Raum lädt regelrecht zum Chillen ein mit Kopfhörern. Aber es bleibt Arbeit - Denkarbeit. "Das Thema ist einfach komplex und schwierig. Man kann es nicht ganz simpel darstellen", sagt die Direktorin des Museums der Arbeit, Rita Müller. Denn: "Das Kapital" ist zwar eines der meistverkauften, aber auch eines der wenigen wirklich zu Ende gelesenen Bücher.

Finden wir es gut, dass alles Ware ist?

"Mir war es wichtig, das Thema in kleine Portionen zu zerhacken", erklärt der aus Berlin stammende Kurator der Ausstellung, Joachim Bauer. "Deshalb haben wir jetzt Kapitel, die nennen sich ''Das Kapital' schreiben', 'veröffentlichen', 'lesen', 'begreifen', 'diskutieren'. Ich glaube, damit kann man dann schon was anfangen." Die  Ausstellung beginnt mit einem Supermarkt voller Konservendosen, auf denen alles Mögliche steht: Brot, Fleisch, Wasser, Bier - aber auch Gesundheit, Wohnraum, Zeit, Träume. "Die Frage, die wir hier in den Raum stellen wollen, ist: Was sind alles Waren? Was kann alles zur Ware werden? Finden wir es eigentlich gut, dass alles Ware ist? Zum Beispiel Wohnraum - oder Gesundheit", sagt Bauer.

Handsigniertes Exemplar im Wert von 1,5 Millionen Euro

Weitere Informationen

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In "Karl Marx in Hamburg" rekonstruiert Jürgen Bönig die Entstehung von "Das Kapital". Er zeigt 17 Orte in der Hansestadt, die Karl Marx zwischen 1845 und 1874 besuchte. mehr

Ware als Fetisch - eines der berühmten Kapitel in dem Buch, an dem Karl Marx sein Leben lang gearbeitet hat. In der Ausstellung liegt eine handsignierte Erstausgabe. "Das, was unser Exemplar auszeichnet, was es so besonders und wertvoll - und damit auch so attraktiv für diese Ausstellung macht, ist der Umstand, dass es von Karl Marx eigenhändig gewidmet und unterschieben ist. Es ist eines von nur vier bekannten Widmungsexemplaren", sagt Hugo Wetscherek, Antiquar aus Wien. "Diese hat Marx unmittelbar nach Erscheinen des Buches seinen engsten Freunden und Mitstreitern gewidmet." Wetscherek packt das Buch vorsichtig aus und blättert darin. 1,5 Millionen Euro ist es wert. Ein Buch, von dem sein Verfasser vor 150 Jahren nicht einmal seine Familie ernähren konnte.

"Man kann mit dem alten Marx noch eine Menge anfangen"

"Die Gesellschaft ist nicht mehr die gleiche wie vor 150 Jahren", sagt Kurator Bauer. "Deshalb muss man manches neu durchdenken, man muss es übersetzen, man muss es auf die Gegenwart anwenden. Aber wenn man das klug und aufmerksam tut, dann kann man mit dem alten Marx noch eine Menge anfangen." Wie anfangs bereits erwähnt: Die Ausstellung ist Arbeit - aber die Mühe lohnt sich.

"Das Kapital" von Karl Marx - damals und heute

"Man kann mit Marx noch viel anfangen"

Vor 150 Jahren wurde "Das Kapital" von Karl Marx in Hamburg verlegt. Auch heute könne man mit Marx noch eine Menge anfangen, so der Kurator einer Ausstellung zum Thema im Museum der Arbeit.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museum der Arbeit Hamburg
Wiesendamm 3
22305   Hamburg
Preis:
8,50 € bis 5 € (ermäßigt)
Öffnungszeiten:
Montag: 13 - 21 Uhr
Dienstag - Samstag: 10 - 17 Uhr
Sonntag und Feiertage: 10 - 18 Uhr
Am 1. Mai, 24. und 25. Dezember, Silvester und Neujahr geschlossen, an allen weiteren Feiertragen von 10 - 18 Uhr geöffnet.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 05.09.2017 | 19:00 Uhr

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