Stand: 22.06.2015 10:53 Uhr

Symbolisches Gräberfeld vor dem Parlament

von Oliver Kranz
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"Borders kill" steht auf Styroporgrabsteinen von Demonstranten.

Die Auflagen der Polizei waren eindeutig: kein Bagger, keine Schaufeln, keine echten Toten. Fahrzeuge und Särge, die bei der Demonstration mitgeführt werden sollten, wurden kontrolliert. Schließlich hatte die Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit über den Ablauf der Aktion nur vage Angaben gemacht. Ihrem Aufruf zum Marsch der Entschlossenen folgten nach Polizeiangaben 5.500 Demonstranten. Nach Einschätzung der Beteiligten waren es sehr viel mehr.

Laute Demonstration statt stiller Trauer

Viele politische Gruppen, die sich auch sonst für Flüchtlingsrechte stark machen, waren gekommen und so wurde das, was das Zentrum für Politische Schönheit als Trauerzug geplant hatte, eine ziemlich laute Demonstration. Bauzäune, die die Menschenmenge vom Reichstagsgebäude fernhalten sollten, wurden umgestoßen, sodass die Demonstranten ungehindert auf die große Wiese strömen und vor dem Parlament ein symbolisches Gräberfeld anlegen konnten - mit Holzkreuzen, Erdhügeln und vielen frischen Blumen.

Wunsch nach anderer Flüchtlingspolitik

Für die Künstlergruppe ein Riesenerfolg. Auch in anderen deutschen Städten sind in den letzten Tagen symbolische Gräber entstanden und die Botschaft ist klar: Viele Deutsche wünschen sich eine andere Flüchtlingspolitik. Europa muss sich öffnen, wenn nicht mehr so viele Menschen im Mittelmeer ertrinken sollen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 22.06.2015 | 19:20 Uhr