Stand: 20.02.2017 00:00 Uhr

Schauspiel-Absolventen: Ein Leben ohne Glamour

von Heide Soltau
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Jördis Trauer hat ihre Schauspielausbildung an der Hamburger Theaterakademie absolviert.

Die Künstlerin Jördis Trauer steht am Ende ihrer Schauspielausbildung an der Theaterakademie in Hamburg. Für die zierliche 23-Jährige beginnt bald das Berufsleben. In den vergangenen Wochen war sie mit den Vorbereitungen beschäftigt: "Wenn man an die Schauspielschule fährt zum Vorsprechen, dann sind da erst mal 800 Mitbewerber. Davon sind vielleicht 70 Prozent Frauen", sagt die Absolventin. "Am Ende werden von den 800 Leuten aber nur acht genommen. Oft 50 Prozent Jungs und 50 Prozent Mädchen, aber auf dem Arbeitsmarkt sieht es später so aus, dass da mehr Männer gebraucht werden, aber es viele Frauen unbedingt machen wollen."

Schauspieler-"Kennenlernen" am Fließband

"An staatlichen Schulen gibt es die zentralen Vorsprechen, wo alle Studenten der staatlichen Schulen nach Neuss, Berlin und München fahren und dort in einem Sammelvorsprechen vorsprechen", erklärt Jördis Trauer, "oder es gibt die Möglichkeit, über schriftliche Bewerbungen oder über Kontakte, die entstanden sind, ein Vorsprechen zu bekommen."

Früher kamen Vertreter der Theater in die Schauspielschulen, um sich die Absolventen anzuschauen. Heute fehlt dafür meist die Zeit. Bei den zentralen Vorsprechen können sie mehr Kandidaten an einem Tag "sichten". Kennenlernen am Fließband könnte man es auch nennen. Für die jungen Darsteller bedeutet das viel Stress. Natürlich sei das ein Gefühl des Anbietens, des Beschautwerdens, und das fühle sich nicht nur gut an. Aber es gehört eben auch zu diesem Beruf dazu, sich zu präsentieren, meint die Absolventin.

Und nicht nur das. Sie müssen auch lernen, mit Ablehnungen und Enttäuschungen umzugehen. Die meisten träumen von großen renommierten Häusern in Berlin, München oder Hamburg zum Beispiel, aber schaffen es vielleicht nur nach Erlangen oder Wilhelmshaven. Jördis Trauer tritt ihr Erstengagement in Fürth an. "Sicher kann man da traurig sein, aber da ich auch die Stärken von kleinen Theatern schätze, ist das für mich nicht so entscheidend. Gute Arbeit kann man überall machen."

Spielpraxis an kleinen Theatern erwerben

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Sabina Dhein ist Direktorin der Hamburger Theaterakademie.

Kleine Theater bieten Anfängern die Möglichkeit, Spielpraxis zu erwerben und sich auszuprobieren, sagt Sabina Dhein, die Direktorin der Hamburger Theaterakademie. Sie kennt selbst die sogenannte Theaterprovinz aus ihrer Zeit als Intendantin des Markgrafentheaters in Erlangen: "In einem großen Haus muss ich mich wirklich mit Klein- und Kleinstrollen ins Herz des Ensembles empfehlen und es dauert Jahre, bis man dann wirklich mal eine große Haupt- und Titelrollen spielen kann, während man in einem mittleren Stadttheater ganz anders im Ensemble gefordert wird."

Der Arbeitsmarkt für Schauspieler ist schwierig und bleibt schwierig. Es gibt keine Sicherheit in dem Beruf. Aber eine gute Ausbildung ist zumindest ein Sprungbrett. "Wir bringen sie mit einem Bachelor zum Abschluss, der ist ein berufsvorbereitendes Studium, und wir übernehmen die Verantwortung, dass sie ein Engagement haben. Das ist zu 95 Prozent in den letzten Jahren gelungen", so Dhein.

Zuversichtlicher Blick aufs Berufsleben

Die staatlichen Schauspielschulen entlassen ihre Absolventen in der Regel nicht in die Arbeitslosigkeit, betont Sabina Dhein. Sie bekommen ein Erstengagement und können Erfahrungen sammeln. Von einer Ausbildung an einer privaten Schule rät sie eher ab. Jördis Trauer freut sich erst einmal auf ihre Arbeit in Fürth. Und danach werde es schon irgendwie weitergehen, sagt sie selbstbewusst. "Ich weiß nicht, ob ich den Job in 20 Jahren noch machen werde. Aber im Moment will ich das gern und habe Freude daran und will diesen Beruf ausüben - und übe ihn ja auch aus - und dann schaue ich erst mal. Aber ich weiß, dass ich ganz unterschiedliche Talente in unterschiedlichen Bereichen habe und darüber immer wieder Angebote bekomme."

Sie wird gut daran tun, sich auf ein bescheidenes Leben einzustellen, ohne Glamour. Die Mindestgage für junge Schauspieler beträgt 1.850 Euro. Brutto.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 20.02.2017 | 06:55 Uhr

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