Stand: 20.02.2017 00:00 Uhr

Aleen Solari: Künstlerin mit Nebenjobs

von Joachim Hagen
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Die Künstlerin Aleen Solari zeigt ihre erste Installation in der Hamburger Kunsthalle.

Die Karriere von Aleen Solari startet gerade durch. Die zierliche Frau mit dem bunten Tattoo auf dem rechten Unterarm hat ihre erste Installation in der Hamburger Kunsthalle. Ein Riesenerfolg für die 36-Jährige. Erst vor einem Jahr hat sie ihren Abschluss an der Kunsthochschule gemacht. Aber sich darauf verlassen, dass sie von ihrer Kunst leben kann, das würde sie nie, sagt sie.  

Kellnerin und Fan-Betreuerin

Eigentlich habe sie daher immer nebenbei gearbeitet - in einem Café gejobbt und bis zum letzten Sommer bei der Fan-Betreuung von St. Pauli. Ihre jetzige Situation empfindet Aleen Solari daher als große Ausnahme. Sie bekommt ein Künstler-Stipendium von 800 Euro im Monat.

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Solaris Installation "Robyn" ist in der Ausstellung "Warten" zu sehen.

Aleen Solari ist eine von vielen. Das Klischee vom brotlosen Künstler passt vielleicht nicht mehr, aber Leben von der Kunst, das schaffen nur die wenigsten. Das Durchschnittseinkommen eines selbstständigen Künstlers in Deutschland liegt bei 1.300 Euro im Monat, so die Berechnung der Künstlersozialkasse, bei der die meisten selbstständigen Künstler versichert sind. Im Spartenvergleich sind Musiker mit 1.100 Euro im Monat am schlechtesten dran. Etwas besser als dem Durchschnitt geht es Schriftstellern und Publizisten mit 1.600 Euro. Schauspieler und darstellende Künstler liegen im Mittelfeld.

Gibt es zu viele Künstler?

Woran liegt das? Warum wird Kunst so schlecht bezahlt? Immerhin haben die meisten Künstler und Künstlerinnen einen Studienabschluss. Gibt es zu viele Künstler? Werden zu viele ausgebildet? Oder ist es der Kunstmarkt, der jungen Künstlern keine Chance gibt?

Aleen Solari gibt zu, dass diese Fragen für sie nie eine Rolle gespielt haben. Für sie habe schon früh festgestanden: Sie will Kunst machen und nichts anderes. "Schon in der Schule habe ich gemerkt, dass es gewisse Dinge gibt, die ich kann und andere dafür um so weniger. Und das waren immer eher die künstlerischen, die mir lagen", sagt sie. Irgendwann habe sie dann gemerkt: "Das ist das, was ich machen musste."

Geduld oder Glück: Künstlerwege zum Erfolg

Ärmer, aber glücklicher?

Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung verdienen Künstler zwar weniger als viele andere, aber dafür sind sie glücklicher. Wenn der normale Büroarbeiter sich schon ab dem Mittagessen auf den Feierabend freut, sind Künstler umso zufriedener, je länger sie arbeiten können. Das liegt, so das Ergebnis der Studie, daran, dass Künstler meist selbst entscheiden können, was sie machen. Und wie sie ihr Ziel erreichen wollen.

Der Präsident der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, Martin Köttering, hält schon die Frage für falsch, ob Künstler genug verdienen. Er kenne keinen Künstler, dem es ums Geld gehe. Anerkennung - das sei für Künstler wichtig. Anerkennung sei schließlich eine Form von Aufmerksamkeit: "Damit merken die Künstler, dass ihre schöpferischen Leistungen in die Gesellschaft hineinschwappen, um dort dann wieder Entwicklungen anzustoßen.

Wenn man also Martin Köttering glauben will, dann geht es Künstlern gar nicht so sehr darum, ob sie von ihrer Kunst leben können, sondern dass sie für ihre Kunst leben können.   

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 20.02.2017 | 06:55 Uhr

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