Stand: 13.07.2015 09:38 Uhr

Natur-Idylle im Hochglanzformat

von Ocke Bandixen
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Schön, schöner am Schönsten: Immer mehr Magazine preisen eine idealisierte Natur als heilsamen Ort für gestresste Städter.

Gestresst? In Hektik? iPhone-müde? Aber da gibt es doch etwas, nicht in der Apotheke, sondern im Zeitschriftenregal. Eine andere Welt - grüner, bunter, besser, aus Papier: die "Landlust", "Landidee", "Liebes Land", Zeitschriften für ein gutes Gefühl. Auf 130 Hochglanzseiten vermitteln sie eine Mischung aus Bullerbü und Heimatfilm. Da seien schöne Gärten drin und man könne sich schöne Anregungen holen, wie im letzten Jahr Vorschläge für Picknick-Rezepte - so erzählten es begeisterte Leserinnen bei einer Umfrage von NDR Info.

Idylle mit hoher Auflage

Dieses Land ist nur schön, heimelig, gemütlich, idyllisch, also frei von Problemen. Lärm, Gestank, Mücken kommen nicht vor. Kein Ärztemangel, kein Höfesterben, keine Langeweile. Auch kein schlechtes Wetter. Es gibt ja so viele schöne Dinge auf dem Land.  

Die "Landlust" hat inzwischen eine Auflage von einer Million. Sie gehört zu den zehn meistverkauften deutschen Zeitschriften. Deshalb schossen seit "Landlust"-Gründung im Jahr 2006 Nachahmer-Magazine wie Pilze aus dem feuchten Waldboden. "Landzauber", "Landgang", "Landkind", "Landleben", "Landfrau", "Landfee", "Landapotheke", "Mein schönes Land" - kaum eine Wortkombination ist noch frei. Ihnen allen gemeinsam ist: Sie wenden sich vor allem an Städter, die ahnen, dass da noch mehr ist oder war - draußen, früher, auf jeden Fall woanders.

Einfach mal raus - vor die Stadt

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Die neueste Variante heißt "Walden", ein Magazin für das kurze Naturabenteuer zwischendurch. Am Wochenende, am See oder im Wald. Ganz ohne Heimattümelei, sagt Harald Willenbrock, einer der Macher: "Wandern, das bedeutete früher: Knickerbocker, Karohemd und ein Stock mit Plaketten dran. Jetzt sind plötzlich coole Leute unterwegs." Und das eben nicht nur in der Kalahari, sondern direkt vor der Haustür, vor den Toren der Stadt. "Draußen wartet unglaublich viel auf einen. Es ist nicht teuer, nicht aufwändig, man muss nur mal den Hintern hochkriegen und wieder mal losgehen", meint Willenbrock.

Kanubauen statt Marmelade-Einkochen, Schnitzen statt Filzen - Natur wird in "Walden" nicht idealisiert, aber schon gepriesen als heilsamer Ort für verkopfte Städter.

Ein Ende der Natur-Land-Magazin-Erfolgswelle ist nicht abzusehen. Die Sehnsucht endet schließlich auch nie. Oder, wie es eine leidenschaftliche Leserin formuliert: "Natur ist auf jeden Fall das, was mich immer glücklich macht."

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NDR Info | 16.07.2015 | 11:55 Uhr

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