Stand: 10.02.2016 00:01 Uhr

"Journalisten müssen sich der Kritik stellen"

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Claudia Spiewak ist NDR Hörfunk Chefredakteurin und Programmchefin von NDR Info.

Wie steht es um die Glaubwürdigkeit der Medien? Immer wieder fällt der Begriff "Lügenpresse" - Journalisten wird vorgeworfen, Tatsachen zu verschweigen oder Sachverhalte falsch darzustellen. Auf der anderen Seite verbreiten sich Falschmeldungen - wie die angebliche Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens - rasend schnell über die Sozialen Netzwerke. NDR Info hat über das Thema Wahrheit oder Meinungsmache - das heute Abend ab 21.05 Uhr auch Thema in der NDR Info Sendung Redezeit ist - mit der NDR Hörfunk Chefredakteurin und Programmchefin von NDR Info, Claudia Spiewak, gesprochen.

Stehen die Medien momentan stärker unter Beschuss als noch vor der Flüchtlingsdebatte?

Claudia Spiewak: Ich würde nicht sagen "unter Beschuss", aber wir Journalisten müssen uns in der Tat stärker als in der Vergangenheit auch mit Kritik auseinandersetzen. Meine Meinung dazu ist: Das ist gut so, denn eine Demokratie braucht kritische Bürgerinnen und Bürger - und das soll dann auch die Journalistinnen und Journalisten betreffen. Problematisch finde ich, dass ein Teil der Menschen die Glaubwürdigkeit einer ganzen Berufsgruppe infrage stellt und uns unterstellt, dass wir gezielt Lügen in die Welt setzen. Das finde ich erschreckend. Mit Blick auf den NDR und seine Programme gibt es eine positive Botschaft: Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 86 Prozent der Norddeutschen die NDR Programme für glaubwürdig halten.

In der NDR Debatte gibt es aber auch Hörerinnen und Hörer, die meinen, dass die Berichterstattung von NDR Info "von oben", also direkt von der Politik gesteuert sei. Was entgegnen Sie diesem Vorwurf?

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"Wir Journalisten haben auch Fehler gemacht"

Steckt der Journalismus wirklich in der Glaubwürdigkeitskrise - oder wird das nur durch eine unzufriedene Minderheit suggeriert? Der Journalist Georg Mascolo über die Vorwürfe. mehr

Spiewak: Dem entgegne ich, dass ich seit 35 Jahren im Norddeutschen Rundfunk arbeite, über zwei Jahrzehnte in Leitungspositionen. Mich hat noch kein Politiker angerufen und mich aufgefordert, Berichterstattung in eine bestimmte Richtung zu lenken. Und sollte das jemals geschehen, dann würde ich mich für das Gespräch freundlich bedanken und demjenigen sagen, dass er bei mir an der falschen Adresse ist. Also: Nein.

Und geben Sie der Redaktion Direktiven, wie sie zu berichten hat?

Spiewak: Ich sage meinen Kolleginnen und Kollegen, dass wir - um jetzt mal beim Thema Flüchtlinge zu bleiben - das ganze Bild zeigen müssen. Und zwar das Bild in all seinen Schattierungen, auch in den dunklen und dunkelgrauen Tönen. Das ist besorgniserregend, was wir in manchen Feldern sehen. Aber dazu gibt es aus meiner Sicht überhaupt keine Alternative, und um das leisten zu können, müssen wir recherchieren, müssen wir raus, müssen wir Fakten sammeln, müssen wir überprüfen, müssen wir auch Gerüchte als solche entlarven. Das ist journalistische Kernarbeit. Aber dafür sind wir da.

Nun gibt es viele Nachrichten, die zuerst bei Facebook oder Twitter auflaufen. Darunter sind auch viele falsche Meldungen. Wie können Sie auf NDR Info Falschmeldungen vermeiden?

Programm-Tipp

Wahrheit oder Meinungsmache? Die Rolle der Medien

10.02.2016 21:05 Uhr
NDR Info

Woher kommt das Misstrauen gegenüber den Medien? Welche Verantwortung haben Journalisten? Darüber haben in der Redezeit Stefan Niggemeier, Hendrik Brandt und Claudia Spiewak diskutiert. mehr

Spiewak: Wir schauen zunächst: Woher kommt diese erste Meldung? Wer ist die Quelle? Ist sie vertrauenswürdig? Gibt es eine zweite unabhängige Quelle? Das sind gute alte journalistische Handwerksregeln. Und zu alldem braucht man journalistischen Sachverstand und braucht man auch Zeit. Das heißt, wir nehmen uns die Zeit, Meldungen wirklich auch auf ihre Wahrhaftigkeit hin zu überprüfen und nehmen dabei in Kauf, dass wir dann möglicherweise nicht die Ersten oder Zweiten sind auf dem Markt, sondern vielleicht erst die Dritten - dafür dann aber mit einer geprüften Version.

Das Interview - hier zum Nachhören - führte Stefan Schlag für NDR Info.

Ihre Meinung zur NDR Debatte

  • Dietlinde Wenk, Wackerow bei Greifswald

    Der Begriff Lügenpresse ist nicht schön und trifft sicher nicht auf alle bundesdeutschen Medien zu. Aber dieser Ausdruck ist auch nicht vom Himmel gefallen. Er benennt Unstimmigkeiten und Sachverhalte, die leider nicht völlig aus der Luft gegriffen sind. Beispiel: Gestern ein Gespräch mit Roger Willemsen aus dem Jahr 2009 gesehen. Es ging um den Krieg in Afghanistan. Roger Willemsen war mehrfach dort und hat auch mit Taliban gesprochen. Obwohl durch die Taliban viele Grausamkeiten geschahen, sind nicht alle einfach nur böse. Einige haben sogar Schulen für Mädchen gestattet - allerdings unter der Bedingung, dass die Lehrerin weiblich ist. Auf jeden Fall hat Herr Willemsen den Krieg des Westens verurteilt und die Lügen entlarvt, der Krieg würde zum Wohle der dortigen Menschen geführt.

  • Svend Jahnson, Itzehoe

    Die Einseitigkeit und Gleichheit der Berichterstattung ist für mich das Problem. Und ich verstehe es einfach nicht, wenn Redakteure beim Stern, Spiegel, Focus, Hannoversche Allgemeine, Pinneberger Tageblatt etc. alle bei ihren "unabhängigen" Recherchen zum gleichen Ergebnis kommen, also alle das Gleiche schreiben. Aber genau das ist der springende Punkt: Das Ergebnis ist fast überall nur noch eine Meinung. Die Gleiche. Mir ist das besonders beim Spiegel ab 2005 aufgefallen. Wo sind die Nachrichten? Ich lese da nur noch Kommentare. Also Meinungen. Einseitige.

  • Jürgen Dunker, Vechelde

    Was ich in meinem Leben selber und auch von anderen Menschen über die Menschen erfahre, die aus den Kriegsgebieten flüchten müssen, passt nicht mit dem Bild überein, das mir aus der Presse entgegenkommt. Hier Liebe, Mitgefühl, Hilfe, tiefste Dankbarkeit, dort Angstmache. Das passt für mich nicht zusammen. Für mich ist es die Berichterstattung und ihre Auswirkungen, die mir Angst macht, nicht die Flüchtlinge. [...] Es macht mich total wütend, wenn Politiker "Menschlichkeit" als "Problem" sehen. Und wenn JournalistInnen ihre objektive Berichterstattung mit persönlicher Wut färben. Es macht mir Angst, dass die Angstmache mit Flüchtlingen in den Medien so präsent ist und andere Themen dabei sehr kurz kommen: Was ist mit den rostigen Atomfässern in der Asse? Wieso kann VW in Amerika saubere Autos verkaufen und in Europa nicht? und, und, und

  • Michael Winter, Bochum

    Viele Journalisten und Printmedien berichten nicht mehr objektiv. Gerade in der Flüchtlingsdebatte sieht man es immer wieder. Meldungen werden mit Kommentaren vermischt und wie gewünscht in Szene gesetzt. Nur, die Bürger sind vielfach aufgeklärter und suchen verschiedene Quellen. Es gibt russische Propaganda, westliche Propaganda, östliche Propaganda. Die Wahrheit liegt oft dazwischen. Gerade wenn man auch ausländische Medien liest, findet man oft eine ganz andere Sichtweise. Es wird auch immer mehr nach Zensur in Form von Volksverhetzung geschrien. Aber auch solche Meinungen muss eine Demokratie aushalten. Egal ob es jedem passt oder nicht. Die Bürger sind mündig!

  • Michael Kraatz, Hamburg

    Hier die Antwort des NDR auf meine Anfrage, warum über die Silvestervorfälle nicht eher berichtet wurde: "Die Frage, ob die erschütternden Vorgänge der Silvesternacht auf den oben genannten Seiten (zur Flüchtlingsthematik, Anm.) etwas zu suchen hätten, ist für mich vergleichsweise schnell beantwortet: Nein! Niemand kann momentan verlässliche Aussagen über die mutmaßlichen Täter machen, auch die Ermittlungsbehörden nicht. Mit welchem Recht sollten wir also Flüchtlinge generell vorverurteilen und sie in Zusammenhang mit diesen abscheulichen Taten bringen? Die Erkenntnis, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Täter mit Migrationshintergrund handelt, besagt noch lange nicht, dass es sich um Flüchtlinge handelt. Nach jetzigem Stand ist es sehr gut möglich, dass diese Menschen bereits in zweiter oder dritter Generation in Deutschland leben. " Und der letzte Satz macht die Sache besser?

  • Markus Jakob, Neu Wiendorf

    [...] 77% halten den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und 71% halten das öffentlich-rechtliche Fernsehen für glaubwürdig. (WDR Umfrage Oktober 2015) Trotzdem gibt es den Vorwurf der " Lügenpresse"! Auch wenn dieser Vorwurf unzutreffend ist, stürzen sich sämtliche Medien auf dieses Thema. Sie haben Angst, Kunden und Einschaltquoten zu verlieren und somit natürlich auch ihre Existenz. Da hilft es nicht, zahnlose Dumpfbacken vor die Kamera zu zerren, um diesen Vorwurf zu entkräften. In diesen Fällen kennt jeder Journalist die niveaulose und ungebildete Antwort im Vorfeld und muss nicht als Bestätigung seiner Glaubwürdigkeit diese Interviews führen. Wer Glaubwürdigkeit will und nicht nur auf Schlagzeile setzt, muss Qualität liefern.

  • Frank Geib, Buxtehude (1/2)

    Schauen Sie doch einmal als erstes auf ihren eigenen Sender. Am Freitag, den 08.02.16, hörte ich zwischen 08:15 h und 09:45 NDR Info. Dort wurde wertneutral und ausgeglichen über folgenden Kommentar gemäß DPA-Meldung berichtet: "Bundespräsident Joachim Gauck hat sich dafür ausgesprochen, in der Flüchtlingspolitik auch über eine Begrenzung der nach Deutschland kommenden Asylbewerber nachzudenken. 'Begrenzungsstrategien' könnten beim Zuzug von Flüchtlingen 'moralisch und politisch geboten' sein, sagte Gauck am Freitag. Gerade in dem Bemühen, möglichst vielen zu helfen, könne es begründet sein, "dass man nicht allen hilft". Wenn in der Gesellschaft das Gefühl für Solidarität schwinde und "eine kollektive Identität sich entwickeln würde, die immer nur schreit 'Das Boot ist voll'", dann gebe es auch "ein moralisches Problem und nicht nur ein politisches", sagte Gauck in einem Interview mit dem WDR.

  • Frank Geib, Buxtehude (2/2)

    Danach schaltete ich auf NDR 90,3 um und deren Nachrichten über den gleichen Gauck Kommentar bekamen eine ganz andere Gewichtung, denn es wurde kaum etwas über dessen Aussage über "Begrenzungsstrategien" gesagt, sondern es wurde zu 90% in den Vordergrund der 90,3 Nachrichten gestellt, dass Gauck sich kritisch mit Hetze und Aktionen gegen Flüchtlinge auseinandersetzte, als ob dies seine Kernthese im Interview gewesen wäre. Deshalb darf sich der zuständige Nachrichtenredakteur von 90,3 nicht wundern, wenn ich ihm Manipulation seiner Nachrichtenmeldung vorwerfe, da nicht jeder Hörer von 90,3 vorher NDR Info gehört hat. Unsere Medien dürfen sich daher nicht über das Unbehagen des Großteils der deutschen Bevölkerung wundern, nicht objektiv durch die Medien informiert zu werden.

  • Sönke Franz, Hechthausen

    Ich denke, dass es das immer schon gegeben hat, dass die Presse eine Meinung vorgibt. Dies ist im Sinne unserer Demokratie. Als mündiger Bürger bildet man sich aus dieser und jener Meinung, je nachdem aus welcher Ecke, die eigene Meinung. Beispiel ist hier die Springer Presse mit Bild und Welt gegen TAZ und Vorwärts oder auch NDR und ARD Sender und auf der anderen Seite das ZDF. Leider können sich aber jetzt durch die sozialen Medien viele Verschwörer verbünden, die meinen es gäbe eine Art Staatsrundfunk. Vor allem im Osten hat man das Gefühl, viele würden denken sie würden jetzt einen Aufstand anzetteln wie 1989 und hätten dann wieder einen Kampf gegen die Revolution. Der Fehler an dem Denken ist aber, dass wir nicht mehr in einer Diktatur leben sondern in einer Demokratie. Und diese müssen wir schützen. Mit allem was wir haben. Und dann können andere noch so über "linken Mainstream" schwafeln. Das ist Demokratieverteidigung.

  • Richard Petersen, Kiel

    Es gibt jede Menge sehr gut begründete Programmbeschwerden gegen ARD Aktuell, die bisher alle unter teils fadenscheinigen Gründen abgeschmettert wurden. Wie die Medien blindlings Meldungen von Agenturen übernehmen, kann man sehr schön in dem youtube-Video "Wie manipuliert bin ich? Teste dich! Dr.D.Ganser" sehen. Reuters beliefert übrigens auch ARD Aktuell...

  • Ursula Petersen, Tostedt

    Ich bin sehr besorgt, wie der Ton der Debatten sich verschärft (ein zu mildes Wort dafür) hat! Das ist keine politische Debatte mehr, sondern "Beleidigung": Das Wort "Lüge" benutzt man, wenn jemand <wissentlich> die Unwahrheit spricht. Die Presse, Funk und Fernsehen berichten und interviewen Menschen nach ihrem Wissen und aus ihren Überzeugungen heraus. Objektivität ist nur in wenigen Fällen möglich. Aber deshalb sprechen wir ja von Pressefreiheit und Vielfalt der Medien. Gerade im Rundfunk hat man auch Gelegenheit, Interviews mit unterschiedlichen Meinungsträgern zu hören. Das verallgemeinernde Schimpfwort "Lügenpresse", sollte genauso Tabu sein, wie persönliche Beleidigungen und Bedrohungen von Menschen in der Öffentlichkeit wie auch im Privaten. Ich < glaube> nicht an Pressemitteilungen, sondern ich bilde mir meine Meinung aus letzteren, wie auch den anderen Medien. UND ES IST GUT, DASS WIR DIESE FREIHEIT UND MÖGLICHKEIT in unserem Lande haben!!!

  • Juri Schewelew, Bremen

    Auf dem Weg zur Arbeit und zurück höre ich NDR Info, in meiner Mittagspause überfliege ich relevante Nachrichten im Web, abends recherchiere ich mehrsprachig etwas ausführlicher über einige aktuelle Themen. Offen und ehrlich wird selten gesprochen, besonders bei den so genannten Tabuthemen werden viele Informationen weggelassen oder zu schön geredet. Der Umgang mit Leser und Hörer erinnert mich an ängstliche Eltern, für welche sexuelle Aufklärung zu peinlich ist. Alle versuchen meine Meinung zu bilden bzw. zu beeinflussen, doch als viel schlimmer empfinde ich oberlehrerische Kommentare und Interviews für quasi unmündige Bürger. [...]Es gibt nach wie vor ehrliche Journalisten, auch bei den Leitmedien. Bloß meiner Meinung nach ist der Journalismus zu einem Risikoberuf geworden: Wer nicht wendig genug ist, bekommt keine Stelle. Sonst kann ich mir den politischen Einheitsbrei in den Mainstream-Medien nicht erklären.

  • Harald Hendus, Schwedeneck

    Ich selbst bekomme von NDR Info das, was ich von ihm erwarte; bin mit dem Sender recht zufrieden. Ich habe aber auch Menschen kennengelernt, die fühlen sich durch die Medien nicht so gut informiert. Sie sind oft traurig oder wütend: sie sind enttäuscht über ihre Lebensumstände und haben wenig Hoffnung auf Besserung in die Zukunft. Wenn diese Menschen Zeitung lesen, fernsehen oder Radio hören, dann würden sie sich dort gerne wiederfinden und spüren, dass sie gesehen und verstanden werden mit ihren Problemen. Wenn sie aber das Gefühl haben, dass sie mit ihren Problemen in den Medien gar nicht so vorkommen, wie es ihnen wichtig ist, oder dass das ‚Leben‘ dort ganz anders dargestellt wird, als sie es empfinden, dann kann ich mir vorstellen, dass sie sich irgend wann von jemandem, der von 'Lügenpresse' spricht, eher verstanden und angezogen fühlen.

  • Lucino Leßmann, Hude

    Vorweg: Ich glaube den seriöse Medien, dazu gehören die öffentlich rechtlichen und die großen Printmedien außer Bild. Das Problem der Medien ist, dass es zu viele Medien gibt und jeder versucht so viel wie möglich an Information zu liefern. Dann kommt es dazu, dass viele auch noch so belanglose Meldungen hervorgehoben werden. Dazu kommt: Auf der fast schon zwangsweisen Suche nach neuen Nachrichten, werden die Medien zu oft von professionellen Medienunternehmen mit Informationen gefüttert. Die nur ihre Ziele verfolgen. Der Leser kann dann oft nicht immer erkennen ist es ein Information oder eine kommerzielle geleitete Information. Zu allerletzt kommt noch das immerwährende wiederholen und diskutieren von Themen mit fast den gleichen Teilnehmern. Das führt dann bei vielen dazu, dass sie nicht mehr bereit sind Informationen aufzunehmen und stattdessen sich mit vorgefestigten Meinungen einigeln.

  • Kerstin Neumann, Hannover (1/2)

    Wenn ich mich über Berichte zum Thema Flüchtlingspolitik, Pegida-Demonstrationen und die Vorkommnisse in der Silvester-Nacht u. A. in Köln z. B. bei Tagesschau.de informiere, lese ich auch oft die vielen Kommentare der User dort. Meist bin ich erschüttert über die Meinungen vieler Kommentatoren, die tatsächlich der Ansicht sind, die öffentlichen Medien dienen einer 'höheren', nicht näher genannten 'Macht', genauso wie dieses unsere Politiker tun. Sie schreiben von "die da oben" und der "Lügenpresse". Sicher liegt es auch an den sog. neuen Medien wie z. B. Twitter und Facebook, wo jeder seine ungefilterte Meinung, Theorie und Kritik zum Besten geben kann, dass solche Ansichten plötzlich salonfähig geworden sind.

  • Kerstin Neumann, Hannover (2/2)

    Lange Zeit war ich der Meinung, dass für Menschen, die sich sonst kaum für objektive Berichterstattungen interessieren, sehr wohl Halbwahrheiten und Verschwörungstheorien interessant sind. Sie kommen so mit ihren Ängsten leichter klar, dachte ich. Außerdem ist es wohl viel spannender, als die einfache, langweilige Wahrheit. Aber seit dem vermeintlichen 'toten Flüchtling' vor dem Lageso in Berlin, weiß ich, dass ohne jegliche Überprüfung auf Wahrheitsgehalt, Behauptungen einfach viele Male 'geteilt' werden, egal von wem. Sowas ist für mich einfach unfassbar!

  • Andreas Cebulla, Ganderkesee

    Es wird immer wieder berichtet, dass diejenigen, die sich im Netz oder auch über Facebook informieren in einer Art Filterblase gefangen wären. Speziell bei Facebook würde der Algorithmus dafür sorgen, dass man zunehmend nur die Informationen zur Kenntnis bekäme, die dem eigenen Meinungsbild entsprechen. Aber mal auf die etablierten Medien geschaut erkennt man doch auch, dass sich dieses als ebenfalls nichts anderes als eine Filterblase entpuppt. Die Medienmacher mögen überzeugt sein, sie würde die Welt so abbilden wie sie sei, das ist aber in ihrer Komplexität nicht möglich. In den Redaktionen, egal ob Print, Radio oder TV wird ausgewählt und zusammengestellt. Die gern herausgestellte Objektivität oder auch Überparteilichkeit ist oft genug nur ein Lippenbekenntnis.

  • P. Maass, Winsen

    Ich beobachte eine sehr starke, ideologische Färbung der Berichterstattung über das Thema Flüchtlinge. [...] Warum wird nicht die Kriminalitätstatistik verbreitet? Warum wird so extrem zurückhaltend über Taten von Zuwanderern und auch Flüchtlingen berichtet und wenn, dann immer nur mit dem Zusatz, dass ja so viele sich ruhig verhielten? Es sollten mehr Polizisten zu Wort kommen, allerdings jene, die täglich zigfach zu Unruhen in Unterkünften gerufen werden und zu hören bekommen, dass weibliche Beamte nicht akzeptiert würden und nicht solche aus der Gewerkschaftsebene, welche ebenso ideologisch motiviert sind.

  • Stefan Schulz, Uelzen

    Ich glaube nur noch meinem gesunden Menschenverstand und der sagt mir, dass die deutschen Medien nur noch der aktuellen Kamera und dem schwarzen Kanal gleichen. Es gibt nur noch den bösen Chinesen, Russen oder Iraner! Klar, das sind alles Verbrecher aber wir sind kein Deut besser und das ist mein Problem. Wie soll ich meinem Kind erklären, dass wenn zwei das Gleiche machen nicht dieselbe Strafe folgt. Der Westen (insbes. die USA) darf jedes Land angreifen, ohne das auch nur eine Sanktion von uns folgt. [...] In Ägypten darf eine demokratisch gewählte Regierung gestürzt werden, ohne auch nur eine Folge für die nachfolgende Militärregierung. In der Ukraine werden Nazis verniedlicht und als kleine Randerscheinung runtergeschrieben. Mal eine Frage an unsere Qualitätsjournalisten: Was wäre gewesen, wenn all das von den Chinesen, Russen oder Iranern vollzogen wäre?

  • Friedrich Walter, Lüneburg

    Eine pauschale Verurteilung der Presse teile ich nicht, aber es gibt Medien, die offenbar ein Sendungsbewusstsein haben und der Ansicht sind, man müsse den Informations-Konsumenten eine Gehirnwäsche verpassen, damit sie nicht aus dem Ruder liefen. Führend sind dabei die öffentlich rechtlichen Fernsehsender, die z.B. in Kommentaren bei jeder Gelegenheit, d.h. Kritik an Immigranten, Muslimen oder Israel, die Nazi/Rassisten/Antisemiten-Keule schwingen. Die Medien sollten im eigenen Interesse die Meinungsfreiheit verteidigen, stattdessen haben sie wirkliche Meinungsfreiheit unterdrückt, in dem jeder Andersdenkende öffentlich an den Pranger gestellt wurde.[...] Ich sage "wurde", weil ich den Eindruck habe, dass es sich gerade etwas zum Besseren wendet. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • Burkhard Diekert, Hamburg

    Der Begriff "Lügenpresse" - Ursprung: rerchtsextrem - hier außen vor - ist m.E. für den öffentlich-rechtlichen Rundfunkbereich äußerst übertrieben. Aber Kurzmeldungen/Tabuisierungen auch bei sehr wichtigen Themen kommen z u o f t vor. Die Tabuisierungen werden allerdings meistens durch seltene Essays gemildert. Nur ein Beispiel: Seit 1972 mit dem Bericht an den Club von Rom wissen wir, dass Wirtschaftswachstum nur noch in den Entwicklungs-und Schwellenländern stattfinden darf, wenn wir unsere Lebensgrundlagen erhalten wollen und dass wir in den entwickelten Ländern diese Wirtschaftsform beenden müssen. [...] Fast alle Politiker ignorieren diese fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisse - wahrscheinlich auch wegen der kurzen Wahlperioden. Es ist absolut notwendig, dass die Medien nicht Teile der für die nächsten Generationen wichtigen Themen vernachlässigen.

  • Horst N., Hemmingen

    Der Umgang mit der Wahrheit wird exemplarisch am Fall Akif Pirincci deutlich. Hier wurde von einer breiten Pressemehrheit getäuscht und gelogen wissentlich der Tatsache, dass Herr Pirincci auch nicht einmal ansatzweise einen Menschen ins KZ stecken wollte, er hatte dies schlicht und einfach nicht gesagt. Es geschehen täglich so viele Lügen, Täuschungen und Zensur, dies würde Bände füllen und man schämt sich für diese verkommen Presse stellvertretend.

  • Holger-W. Jordan, Tangendorf

    Natürlich gibt es keine "Lügenpresse", aber auch keine "Wahrheitspresse". In vielen Fällen wissen die Journalisten wohl selbst nicht, was richtig oder falsch ist. Vieles reimt sich bei genauerer Betrachtung einfach nicht zusammen, das dürfte auch so manchem Chefredakteur klar sein. Was mir persönlich auffällt, daß es bei manchen Themen einheitlich großes Geschrei gibt, bei anderen - gleichwohl wichtigen Themen man sich aber ausschweigt bzw. es bei Kurzkommentaren am Rande beläßt. Beispiel TTIP: Bei der Art und Weise, wie derzeit unsere Bundestagsabgeordneten, die ja doch Volksvertreter sein sollten, bei der Einsicht von Teilen der Vertragsunterlagen zum TTIP vorgeführt werden, müßten doch alle freiheitlichen Medien aufschreien. Warum passiert das nicht??? Warum werden für die Demokratie derart essentielle Themen nur privaten Bürgerinitiativen überlassen?

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 10.02.2016 | 06:54 Uhr