Stand: 18.12.2016 00:00 Uhr

Die Geschichte des Schenkens

von Claudia Sarre

Weihnachten steht vor der Tür - und damit auch die Frage, was man Freunden und Familie zum Fest besorgen soll. Soll man etwas Nützliches schenken oder lieber etwas, das man sich selbst nie kaufen würde? Was soll man schenken? Diese Frage bereitet Millionen Menschen in diesen Tagen Kopfzerbrechen.

Gold, Myrrhe und Amazongutscheine

Das Ritual des Schenkens - also der Austausch von Gaben - ist so alt wie die Menschheit. In der Steinzeit teilten die Jäger ihre Beute mit ihrer Gruppe, im Jahre 0 brachten die Heiligen Drei Könige kostbare Gaben für das Jesuskind - und heute legen wir unsere bei Amazon bestellten Geschenke unter den Tannenbaum.

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Schon die Heiligen Drei Könige brachten Geschenke mit zur Krippe.

Schenken sei eigentlich ein Tauschhandel, der Ausdruck einer Friedensbekundung, erklärt der Soziologe Wolfgang Gabbert von der Universität Hannover. Oder: das Zeigen von Wertschätzung, Anerkennung und Liebe, um eine Beziehung zu erhalten oder zu stärken. Eine strategische Handlung also - mit einer Absicht und auch mit einer gewissen Erwartungshaltung, so Gabbert: "Mit der Aushändigung des Geschenks geht es ja darum, dass ich eine laufende Verbundenheit herstellen will. Damit ist die Verbindung nicht beendet, sondern im Grunde ist in der Gabe oder dem Geschenk angelegt, dass irgendwann auch mal etwas zurückkommt. Dass die Beziehung fortbesteht."

Bloß nichts weiterverschenken!

Und deswegen ist Schenken auch so schwierig. Denn diese Form des gesellschaftlichen Miteinanders unterliegt vielen - unausgesprochenen - Regeln. Keinesfalls verschenkt man etwas Gebrauchtes, man macht die Preisschilder ab und man verpackt das Geschenk so, dass es "was  hermacht"!  Außerdem gelte, dass man Geschenke annimmt und dass man Geschenke nicht weiterverschenkt, meint Wolfgang Gabbert: "Wenn ich eine Blumenvase zu Weihnachten bekomme und derjenige, der sie mir geschenkt hat, sieht diese dann bei einem anderen Bekannten, dem ich die geschenkt habe, dann würde das unsere Beziehung etwas belasten."

Einfach mal nichts schenken?

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Auch wenn einem das Geschenk nicht gefällt: Dankbarkeit wird trotzdem erwartet.

Das Minimum, was ein Schenker erwarten darf ist Dankbarkeit. Undankbarkeit oder gar Unmut zu äußern gehört zu den Tabus. Optimal für den Beziehungserhalt ist ein Gegengeschenk, aber nicht zu teuer! Aber auch kein Ramsch. Eine Ausnahme dieser Regel: Bei Kindern gibt es diesen Zwang zur Gegenseitigkeit nicht.

Die Liste der Regeln ist endlos. Um diesem Stress aus dem Weg zu gehen, gibt es in vielen Familien die Abmachung: "Wir schenken uns nichts." Oder man vereinbart auch beim Schenken feste Rituale, die niemand hinterfragt oder kritisiert, weil auch das einfach zum Schenken dazugehört.

Dieses Thema im Programm:

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