Stand: 29.08.2017 00:00 Uhr

Klare Grenzen setzen statt zu oft Nein sagen

von Thomas Samboll
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Die Eltern als Freunde der Kinder - das funktioniert leider nicht immer.

Eigentlich müsste sie doch ein Traum sein, die Kindheit heutzutage: Mama und Papa lesen einem jeden Wunsch von den Lippen ab, sind aufgeschlossen, liberal und eher gute Kumpel als strenge Erzieher.

Und doch scheint etwas grundsätzlich schiefzulaufen. Das vermeintliche Glück der kleinen Prinzen und Prinzessinnen - es ist wohl doch nur ein Märchen. Denn tatsächlich wachsen da eine ganze Menge kleiner Egomanen heran, weil es vielen Eltern offenbar immer schwerer fällt, Grenzen zu setzen und klare Ansagen zu machen. Warum ist das so? Das ist Thema der NDR Debatte.

Zu häufiges Neinsagen schadet

Ob es ihm schwerfällt, auch mal Nein zu sagen, wenn sein Sohn Konrad mit Duplo-Bausteinen schmeißt? Der in Hamburg lebende Amerikaner Jason van Dyke muss lachen: "Nein!", sagt er. Allerdings sagt er auch nicht immer Nein, wenn Konrad die Bauklötze als Wurfgeschosse benutzt. Das kann man ja schnell wieder aufräumen, sagt Jason van Dyke großzügig, und manchmal hat er auch einfach keine Zeit, seinen Zweijährigen im Zaum zu halten. Schließlich müsse er sich auch um das Abendessen kümmern.

Ist das jetzt inkonsequent? Oder auch mal notwendig, damit man mit seinem Haushalt zu Potte kommt? Oder Bequemlichkeit, wie sie manche Kritiker heutigen Eltern unterstellen? Jason van Dyke hat noch einen spannenden Gedanken: Wenn er ganz viel Nein sagen würde, dann würde Konrad viel weniger lernen. Stattdessen komme es doch viel mehr darauf an, Kinder zu loben und zu bestärken.

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Grenzen setzen fällt schwer

Es geht also offenbar darum, im richtigen Moment Nein zu sagen. Das findet auch Heike Gebhardt, die Mutter von Katja und Sebastian. Mit Sand zu werfen, das gehe zum Beispiel nicht, meint sie. Das sehen aber offenbar nicht alle Eltern heutzutage so. So manchen falle es ganz schön schwer, klare Grenzen zu setzen.

Heike Gebhardt hat das zum Beispiel bei anderen Müttern und Vätern im Cafe erlebt: bei Eltern, die "Arabica-Kaffee trinken und ihre Kinder drei-, vier-, fünfsprachig aufziehen. Und wenn es dann aber hart auf hart kommt und die Kinder die ganze Auslage beim Café ausräumen, dann reißt denen irgendwann auch die Hutschnur und dann flippen sie aus."

Manchmal siegt die Bequemlichkeit

"Pseudo-liberal" nennt Heike Gebhardt diese Art von Erziehung. Man könnte auch sagen: planlos. Statt den Leitwolf zu geben, wird endlos diskutiert. Und im schlimmsten Fall wird das Verhalten der Kinder ignoriert. "Ich glaube, dass es auch viele Konstellationen, zum Beispiel in Patchwork-Familien, gibt, wo man nicht so eine klare Linie hat, sondern eher nachgibt. Das geht los mit Zähneputzen und Frühstücken. Ich glaube, es ist heutzutage schwer, die ganz grundlegenden Sachen zu beherzigen."

Das mit den klaren Regeln und Grenzen gelingt ihr allerdings auch nicht immer, schmunzelt Heike Gebhardt. Fernsehen ist zum Beispiel immer wieder ein heikles Thema für Eltern mit Kindern. Manchmal, gibt sie zu, siege da die eigene Bequemlichkeit: "Die Kinder vor den Fernseher setzen, dann hat man selber Ruhe."

Perfekt sollen Eltern aber sicher auch nicht sein, sondern einfach authentisch, klar und geradeaus. Doch genau das fällt vielen Mamas und Papas heute so schwer.

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