Stand: 20.02.2017 18:51 Uhr

Ein Leben für die Fotografie

von Anna Buch

Es gibt Berufe, die als "brotlose Künste" bezeichnet werden. Es ist oft nicht einfach, mit diesen Berufen so viel Geld zu verdienen, dass es sich gut leben lässt. Doch wer kreativ arbeitet, tut das selten fürs Geld allein. Anna Buch hat norddeutsche Fotografen getroffen, die sich als Künstler sehen, ihre Bilder aber auch an Redaktionen und Wirtschaftsunternehmen verkaufen. Der Spagat zwischen Kommerz und Kunst fällt keinem von ihnen leicht.

Fotografen mit Leidenschaft

Vom Schreibtisch kann Chris Lambertsen fast die Außenalster sehen. Seine Mansardenwohnung ist nicht groß. Dennoch sind die meisten seiner Kunstwerke nur einen Handgriff entfernt: Fotobände und Broschüren drängen sich dicht an dicht im Bücherregal, das die gesamte Wand einnimmt. An den Büchern lehnen Porträtfotos, Postkarten, weitere Broschüren. Unzählige Menschen blicken aus unzähligen Fotos in dem hellen Zimmer. An den Wänden hängen Stillleben von Blumen in Vasen. Die Blüten sind so gestochen scharf, dass man glaubt, sie riechen zu können. Chris Lambertsen ist 63 Jahre alt und Fotograf. Seit 44 Jahren ist das sein Beruf und seine liebste Art sich auszudrücken, erzählt er. Auf Föhr wuchs er mit Malern und Bildhauern auf und hatte schon als Kind Lust, künstlerisch zu arbeiten. "Ich konnte aber nicht zeichnen", erzählt er und lacht, "aber ich wollte etwas aussagen, etwas zeigen, dokumentarisch arbeiten. Dann wurde es eben die Fotografie."

Am Anfang stand die Innenarchitektur

Während seiner Ausbildung in Hamburg lernte er zuerst, Innenarchitektur zu fotografieren. Eigentlich habe ihn das gar nicht so interessiert, erzählt er. "Aber ich lernte das dann zu schätzen. Ich musste das Material herausarbeiten, genau sein. Das war pures Handwerk: eine runde Silberschale zu fotografieren ohne Technik und ohne Bildbearbeitung. Das fand ich irgendwann ziemlich spannend." Auch heute begeistern ihn noch Motive aus der Innenarchitektur. Die vielen Bilder von Blumenvasen im Arbeitszimmer zeugen davon: "Ich habe in den letzten Jahren vor allem für Zeitschriften in diesem Bereich gearbeitet. Das war ein Job, der die Miete gezahlt hat, aber der hat mir viel Spaß gemacht." Dass er am Ende mit der Fotografie seinen Lebensunterhalt verdienen konnte, empfindet er als "großes Geschenk."

Neue Aufträge - schlechte Bezahlung

Womit er kein oder nur wenig Geld verdiente, war ihm all die Jahre allerdings viel wichtiger: sein soziales Engagement. Er hat immer wieder als Fotograf mit der AIDS-Seelsorge, dem Hospiz Hamburg Leuchtfeuer oder Hamburg Pride zusammengearbeitet. Er fühle sich dadurch einfach besser, erzählt er. Begonnen hatte alles, als ein guter Freund an AIDS starb. Lambertsen wollte helfen: "Ich konnte das viele Jahre aber nur tun, weil ich mit anderen Aufträgen Geld verdient habe. Heute ist mir meine politische und künstlerische Arbeit wichtiger geworden - aber das liegt schlicht und einfach daran, dass ich nicht mehr viele Aufträge habe."

Einige alte Kunden hat er noch, aber es sei nicht leicht, sagt er. Bei neuen Aufträgen sei oft das Problem, dass die Bezahlung nicht mehr stimme: "Tagessätze, die ich vor 25 Jahren nur zähneknirschend angenommen habe, werden heute nicht mehr gezahlt. Das ist jetzt die Hälfte! Ich habe einfach keine Lust, für so wenig Geld mein Herzblut zu geben. Ich habe neulich 24 Cent für ein Bild bekommen - geht's noch?!"

Sehgewohnheiten haben sich verändert

Er erklärt sich das mit seinem Alter: "Das hat mit der Digitalisierung zu tun und damit meine ich nicht nur die Technik, sondern auch die Sehgewohnheiten. Fotografie ist Mode und die Auftraggeber werden eben jünger. Es ist verständlich, dass da auch jemand gebucht wird, dessen Sprache die Entscheider und Entscheiderinnen sprechen. Oder sie buchen überhaupt keinen Fotografen mehr und machen die Fotos mit dem Smartphone in der Teeküche selbst."

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Schlüssel zum Erfolg?

Frank Stöckel verurteilt, dass Fotos eines professionellen Fotografen oft nicht mehr wertgeschätzt werden. Er ist Vorstandssprecher des BFF, des Berufsverbands für Freie Fotografen und Filmgestalter. Die Mitglieder seines Verbands arbeiten im Bereich des Fotodesigns und machen Auftragsfotografie für verschiedene kommerzielle Kunden. Das können große Automobilunternehmen oder auch Kochzeitschriften sein. Er vertritt all jene Fotografen, deren Fotos über das reine Handwerk hinausgehen. Die Mitglieder seines Verbands fotografieren oft für die Werbebranche, aber gerade da macht ein eigener künstlerischer Stil den Unterschied. Seiner Meinung nach hat derjenige Erfolg, der unverwechselbar ist - und somit ein Selbstverständnis als Künstler mitbringt und sich von wirtschaftlichen Zwängen nicht unterkriegen lässt.

Stöckel sagt: "Fotografen sind für mich die, die gute Bilder machen. Die dürfen sich gar nicht fragen, womit sie nächstes Jahr ihr Geld verdienen. Sie müssen einfach Bilder machen wollen - Punkt." Am Ende setze sich doch das bessere Bild durch, sagt er. Stöckel erzählt aber auch von Sparzwängen in Unternehmen und einer immer härter werdenden Konkurrenz unter Fotografen: "Heute werden Tausende aus Ausbildungen entlassen und da fragt man sich natürlich: Wohin?"

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 24.02.2017 | 09:20 Uhr

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