NDR Kultur - Hören und Genießen
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Richard Wagner: Opernarien
Klaus Florian Vogt, Tenor; Camilla Nylund, Sopran
Bamberger Symphoniker
Leitung: Jonathan Nott
Vorgestellt von Dagmar Penzlin
Klaus Florian Vogts Wagner-Gesang wird auf seinem neuen Album zum sinnlichen Genuss.
Auch Weltstars fangen irgendwann mal in der Provinz an. So gab Klaus Florian Vogt vor einem guten Jahrzehnt sein Debüt als "Lohengrin" in Erfurt. Heute ist der gebürtige Holsteiner einer der gefragtesten Wagner-Tenöre weltweit. Ob in Bayreuth, Wien oder New York - die Menschen pilgern in Scharen zu seinen Auftritten. Zum 200. Geburtstag seines Leib-und-Magen-Komponisten legt Vogt natürlich ein Wagner-Album vor - unsere CD der Woche.
Lohengrin erkennt sein Scheitern und muss sich von der geliebten Elsa verabschieden. Wie Vogt diesen Moment gestaltet - ganz schlicht, innig und mit einem wohldosierten Quäntchen Melancholie in der Stimme -, das macht seine Qualitäten als Wagner-Tenor aus. Ganz natürlich ergibt sich der Ausdruck: Vogt singt so selbstverständlich, so mühelos, dass man beim Zuhören an das selten Erreichte denkt, nämlich an "kunstlose Kunst".
Vogt legt mit seinem neuen Album einen beeindruckenden Querschnitt durch sein breites Wagner-Repertoire vor: Paraderollen wie Lohengrin, Walther von Stolzing und Parsifal stehen neben Kostproben aus Partien, die den Sänger noch weiter ins Heldentenor-Fach führen, Siegmund, Siegfried und Tristan.
Besonders im Duett mit Camilla Nylund als Isolde wird deutlich, wie Vogts Stimme weiter an Rundung und Tiefe gewonnen hat. So wird Wagner-Gesang zum sinnlichen Genuss, wenn die Stimmen und das Orchester so perfekt harmonieren wie auf dieser Aufnahme.
Was zur Basis seiner Gesangskunst gehört, das demonstriert Vogt in Nummern aus Frühwerken von Wagner: Er meistert Verzierungen elegant, und man versteht jedes Wort.
Am Ende stehen Ausschnitte aus dem ersten Akt der "Walküre". Die Bamberger Symphoniker mit Jonathan Nott am Pult musizieren auch hier beredt, farbig und zugleich üppig im Klang.
Dieses Album wird Wagner-Fans begeistern und könnte für Wagner-Neulinge schnell zur Einstiegsdroge werden. Ein ganz großer Wurf - bravo!

Klaus Florian Vogt