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Giuseppe Verdi: Ouvertüren und Zwischenspiele
Filarmonica della Scala
Leitung: Riccardo Chailly
Vorgestellt von Christoph Vratz
Riccardo Chailly ist eine dramaturgisch spannende Verdi-Einspielung gelungen.
2013 wird das Verdi- und Wagner-Jahr. Klar, dass Verlage und Plattenfirmen bereits längst mit ihren Veröffentlichungen in den Startlöchern sitzen. Die Ersten wagen sich bereits aus der Deckung. So hat Riccardo Chailly mit dem Orchester der Mailänder Scala eine CD mit Vor- und Zwischenspielen aus Verdis Opern vorgelegt - und dabei nicht nur auf die bekannten Werke gesetzt.
Giuseppe Verdi bekam im Laufe seines Lebens ein immer besseres Gespür für die Behandlung des Orchesters. Das beweist schon die Tatsache, dass er einige frühe Opern später einer Bearbeitung unterzog. Die Musik des jungen Verdi wirkt dagegen etwas unbeholfen, auch im Vergleich mit seinen Vorgängern, insbesondere mit Rossini.
In seinen ersten Opern, zu denen auch "Giovanna d'Arco" zählt, klingen die Streicher oft wie eine Riesengitarre - vor allem wenn sie Holzbläser begleiten - und das Blech wie eine enthemmte Kapelle, wie in "Alzira".
Erst der "Rigoletto" bildet eine Art Wendepunkt. Das Orchester dient Verdi nicht mehr nur als instrumentale Begleitung, sondern es verschmilzt zunehmend mit der Handlung. Psychologie findet ab sofort nicht mehr nur auf der Bühne statt, sondern auch darunter, im Orchestergraben, statt.
Chailly und die Filarmonica della Scala haben Vor- und Zwischenspiele aus zehn Verdi-Opern aufgenommen, darunter Bekanntes wie "La Traviata" oder "Aida", und Werke, die nur selten auf einer Bühne zu erleben sind. Etwa "Il corsaro".
Vor allem den Solostellen widmet Chailly seine ganze Aufmerksamkeit. Etwa wenn er (in dieser Ouvertüre) die Klarinette ihre Melodie hauchen und die zupfenden Streicher herrlich dezent begleiten lässt. Er setzt auf geballte Kontraste. Wegen der eher moderaten Tempi wirken die umso kraftvoller.
Chailly und dem Mailänder Orchester ist eine dramaturgisch spannende und musikalisch ausgefeilte Verdi-Einspielung gelungen. Möge das Verdi-Jahr 2013 sich daran orientieren. Einheits-Alben braucht es nicht.

Riccardo Chailly