Klassische Musik
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Georg Friedrich Händel: Concerti grossi op. 3, Concerto doppio
Simone Toni, Oboe
Laurent Le Chenadec, Fagott
Silete Venti! ensemble
Leitung: Corrado Rovaris
Vor gut fünf Jahren hat ein findiger italienischer Musikwissenschaftler ein Manuskript in einer Bibliothek entdeckt: "Germanico", eine bis dato völlig unbekannte Oper von Georg Friedrich Händel lag plötzlich vor ihm. Vor einem halben Jahr erschien dann der bisher unbekannte Händel auf CD. Mittlerweile ist ein weiteres mutmaßliches Händel-Stück in einer Bibliothek in Kiew aufgetaucht, diesmal ein Doppelkonzert für Oboe und Fagott - möglicherweise aus der Musiksammlung Friedrichs des Großen. Ein italienisches Spezialensemble hat nun dieses Stück zusammen mit Händels Concerti grossi opus 3 eingespielt.
Silete venti! - Schweigt, ihr Winde! -, so nennt sich das Mailänder Barockensemble, das seinem eigenen Namen bewusst nicht ganz gerecht wird. Alles andere als ruhig geht es im zweiten Satz des Doppelkonzerts für Oboe und Fagott zu. Con sforza - mit Energie - prescht das Orchester unter Leitung von Corrado Rovaris voran. Beinahe drohen die Solisten Simone Toni und Laurent Le Chenadec im Orchester-Getöse unterzugehen. Darum erst einmal: Silete!
Samtig-weich artikulieren die Streicher, und dennoch gehen auch hier die fein ausgespielten Figurationen des Fagottisten Le Chenadec fast unter. Man hat das Gefühl, hier werde zu stark kollegial gedacht: Oboe und Fagott als gleichberechtigte Partner des Orchesters, weniger als Solisten. Dementsprechend haben sie auch in den ebenfalls auf der CD eingespielten Concerti grossi opus 3 immer wieder Probleme sich im Wettstreit mit dem Tutti durchzusetzen.
Besonders stark geraten die Sätze, wo das Ensemble Silete Venti! ohne Solisten aufspielen darf. Das sind zum Beispiel die klangprächtigen Sätze, die Händel im Stil einer französischen Ouvertüre geschrieben hat. Fein staffeln die italienischen Musiker die Dynamik, gestenreich wird musiziert, das Tempo ist moderat und passend gewählt, um den musikalischen Fluss immer wieder ein wenig zu stauen und dann wieder munter drauf los sprudeln zu lassen.
Mit großer Klangpracht und auf hohem technischen Niveau musiziert das Ensemble Silete Venti!. Dennoch fehlen vielen Sätzen ein paar rhythmische und dynamische Akzente, die den Hörer aufmerken lassen. Es fehlt das Temperament, mit dem gerade viele italienische Barockensembles an vergleichbare Musik herangehen. Trotzdem ist es eine empfehlenswerte Aufnahme, vor allem wegen des hörenswerten Doppelkonzertes - unabhängig davon, ob es nun wirklich von Händel stammt oder nicht.

Silete Venti!