Star-Bariton Quasthoff hört auf
Der Sänger hat gesundheitliche Probleme. mehr
Thomas Quasthoff, Bariton
Freiburger Barockorchester
Vorgestellt von Dieter Kranz
Bassbariton Thomas Quasthoff singt italienische Arien von Josef Haydn.
Der Bariton Thomas Quasthoff hat schon die verschiedensten Repertoirebereiche für sich erobert: Von Bach-Kantaten bis zu Richard-Strauss-Liedern, über die "Winterreise" und deutsche Opern-Arien von Lortzing bis Wagner hat er schon alles Mögliche auf CD vorgelegt. Sogar einen Ausflug in die Welt des Jazz hat er gewagt. Aber er ist immer wieder für eine Überraschung gut. Auf seiner neuen CD beschäftigt er sich mit Opernarien von Joseph Haydn. Man vermutet natürlich, dass die Produktionsfirma bei der Vorbereitung des Haydn-Jahres 2009 die Nase vorn haben möchte und das wäre durchaus ein ehrenwertes Motiv, aber das allein kann es wohl nicht gewesen sein, wenn sich ein Thomas Quasthoff dafür stark macht.
Ganz sicher hat es Quasthoff gereizt, wieder einmal mit dem Freiburger Barockorchester zusammenzuarbeiten - nicht zuletzt auch, weil der Dirigent Gottfried von der Goltz die konzeptionellen Absichten des Sängers kräftig unterstützte.
"Diese Arien geben mir die Möglichkeit mit meiner Stimme sehr farbenreich umzugehen", sagt der Bariton. "In den Arien ging es mir darum, die Palette der Ausdruckmöglichkeiten der Haydn-Musik gut darzustellen." Das ist Quasthoff auf tatsächlich eindrucksvolle Weise gelungen. So reich die Auswahl an Aufnahmen der Sinfonien und Oratorien des Meisters ist, Opern-Gesamtaufnahmen findet man eher selten. Und eine vergleichbare Sammlung der Opern-Arien fehlte bisher gänzlich. Sie wurden unterschätzt, wie sich nun zeigt. Was Quasthoff bietet, sind echte Neuentdeckungen. Er hebt durch deutliche Akzente die Vielfarbigkeit der Haydnschen Ausdruckskunst heraus. Zwei nebeneinander gestellte Arien aus "Orlando Paladino" zeigen die Kontraste: Der auftrumpfend polternden Rodomonte-Arie folgt die empfindungstiefe Arie des Idreno.
Quasthoff hat schon viele musikalische Seitensprünge unternommen. Was fehlt eigentlich noch? "Rock und Rap fehlen noch, aber das wird jetzt auch nicht mehr kommen", scherzt er, "ganz sicher nicht." Bei Quasthoffs Vielseitigkeit ist es höchstens verwunderlich, dass er noch keine CD mit Operette-Schlagern herausgebracht hat. "Mich hat noch nie jemand gefragt", so Quasthoff. "Ich glaube, die Leute und Plattenfirmen scheuen sich noch ein wenig, dieses Genre zu bedienen, weil sie denken, es wird nicht gekauft. Das ist heute das, was zählt. Man berechnet mittlerweile sogar voraus, ob sich eine CD bezahlt macht, oder nicht. Ich habe nicht das Sagen. Das müssen Plattenfirmen entscheiden. Ich würd es gerne machen: Den Zigeunerbaron fänd ich ganz schön. Buffo zu singen, wäre schon ein interessanter Aspekt."

Thomas Quasthoff