Klassische Musik
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Justin Heinrich Knecht: Grande Symphonie, zwei Ouvertüre, Arien aus "Der Schulz im Dorf" und andere
Sarah Wegener, Sopran
Hofkapelle Stuttgart, Leitung: Frieder Bernius
Frieder Bernius hat eine feine Spürnase für Werke abseits des üblichen Repertoires, die dennoch so viel musikalischen Nährwert besitzen, dass eine Wiederentdeckung lohnt. Jetzt hat der Dirigent eine große Sinfonie von Justin Heinrich Knecht aufgenommen, ein Werk mit berühmtem Nachfolger.
Die "Grande Symphonie" ist eine frühe Form von Programmmusik, komponiert im Jahr 1782 von Justin Heinrich Knecht. Nachweislich hat auch Ludwig van Beethoven einige seiner Werke gekannt. Man liegt also nicht falsch, wenn man in Knechts Pastoral-Sinfonie einen Vorläufer von Beethovens gleichnamiger Sinfonie sieht. Unverkennbar die Parallelen in der Gewitter-Szene - bei Knecht steht sie bereits im dritten Satz.
Die Hofkapelle Stuttgart und Frieder Bernius beschönigen nichts. Da knallen die Pauken, peitschen die Geigen, funkeln die Trompeten - alles auf spielerisch hohem Niveau. Oft leiden vermeintlich mittelmäßige Werke bei ihrer Wiederentdeckung unter eher mittelmäßigen Interpretationen - hier nicht! Selbst wenn sich die Gewitterwolken wieder verziehen.
Neben dieser Sinfonie enthält diese Knecht-CD zwei Ouvertüren und vier Arien, drei davon aus der Oper "Der Schulz im Dorfe oder Der verliebte Herr Doctor" von 1788. Sarah Wegener singt diese Arien mit Strahlkraft, klarer Stimmgebung, höhensicher mit entsprechendem Sinn für Humor, wie ihre Farbwechsel zeigen.
Knechts Musik ist - so gesungen und gespielt - Klang-Rede und Lautmalerei im engeren Sinne. Da ziehen die Holzbläser (insbesondere die Flöte) ihre feinen lyrischen Bahnen, die Streicher sind fix und wendig, mal versöhnlich, mal angriffslustig.
Einziger Wehrmutstropfen dieser Aufnahme ist die Gesamtspielzeit. 48 Minuten sind ein bisschen arg dünn. Zumal hier die Ouvertüre zu Knechts "Die Äolsharfe" zu hören ist, die Bernius bereits im Rahmen einer Gesamteinspielung veröffentlicht hat. Eine Spürnase wie er hätte mühelos noch das ein oder andere passende Werk aufgetan.

Frieder Bernius