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Franz Schubert: Wandererfantasie
Matthias Kirschnereit, Klavier
Auf seiner neuen CD "Wandererfantasie" spielt Matthias Kirschnereit Werke von Franz Schubert.
Matthias Kirschnereit ist ein Pianist, der ohne viel Show und Glamour seinen Weg geht, Erfolge einheimst, rund zwei Dutzend CDs veröffentlicht hat und seit über 15 Jahren an der Rostocker Musikhochschule lehrt. Als er 2009 einen Echo Klassik-Preis für seine Ersteinspielung eines rekonstruierten Mendelssohn-Klavierkonzerts gewann, gab es vielleicht so etwas wie Starrummel, doch Kirschnereit scheint unbeirrbar und besonnen seinen Weg weiterzugehen. Nun erscheint seine neue CD "Wandererfantasie" mit Werken von Franz Schubert.
"Franz Schubert ist ein Komponist, der mich von Anfang an berührt, direkt ins Herz, direkt ins Mark getroffen hat", schwärmt Kirschnereit. "Dessen Musik mir immer sehr viel gegeben hat, in dessen Welten ich mich immer sehr wohl gefühlt habe, in denen ich träumen konnte, in denen ich ein Energiefeld gesehen habe und auch sehr viel Energie bekommen habe."
Das Scherzo in B-Dur war das erste Schubert-Stück, das Kirschnereit als Jugendlicher spielte; später im Studium entdeckte er die sehr viel umfangreicheren und vielschichtigeren Sonaten von Schubert. "Ich finde, Schuberts Musik kommt so ungefiltert herüber", meint Kirschnereit. "Bei Beethoven merke ich ganz genau, wie es gemacht ist. Ich spüre die Kraft des Handwerks und des Ringens um das Handwerk. Und Schubert ist so ein Schlafwandler, ein Nachtwandler, dass man gar nicht genau weiß, wie kommt er jetzt vom ersten zum zweiten Punkt, wie bin ich eigentlich durch die Durchführung hindurchgekommen. Es passieren so wunderliche Dinge. Für mich ist das wirklich eine Seelenreise."
Das gilt vor allem für die längeren Stücke, die Wandererfantasie oder die a-Moll Sonate. Mal ist sein Ton klar und transparent, mal zögerlich und eher dumpf, bevor sich der Nebel wieder lichtet.
Kirschnereit berührt, weil er diese abrupten Stimmungswechsel zwischen Freude und Leid, zwischen Hell und Dunkel mit dem richtigen Timing gestaltet. Selbst für den Hauch einer Stimmungsänderung in Schuberts Musik findet er eine eigene Klangfarbe.
"Er steigt so tief und so ehrlich und so offen in sich hinab und hat diese Kraft, für mich fast die Kraft eines Mediums, das irgendwie magisch gelenkt wird", so Kirschnereit. "Und es ist Musik, die so rein ist und aus einer so tiefen Quelle kommt, dass man sich vielleicht ab einer bestimmten Lebensphase noch lieber oder noch intensiver damit beschäftigt. Denn diese Musik verzichtet auf jegliches Beiwerk, auf jegliches Showgehabe, auf jegliche Effekthascherei. Diese Musik ist so, weil sie so sein muss. Schubert konnte nicht anders."
Und auch Kirschnereit konnte nicht anders - das ist es nun einmal, was auch seine Schubert-Aufnahmen besonders seelenvoll macht: unmittelbar und ungekünstelt.

Matthias Kirschnereit