Klassische Musik
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Orchestre des Champs-Elysées
Leitung: Philippe Herreweghe
Vorgestellt von Christoph Vratz
Philippe Herreweghe bringt mit dieser wundervollen Aufnahme Mozarts Stern wieder zum leuchten.
Die ominöse Trias – Mozarts letzte Sinfonien: Waren sie als zusammenhängende Werke konzipiert? Wollte er mit seinen drei letzten Sinfonien in einen Wettbewerb mit Joseph Haydn treten, ihn gar überbieten, nachdem Mozarts eigener Stern nicht mehr so golden leuchtete? Ist es Zufall, dass einzelne Motive aus der ersten dieser drei Sinfonien im Finale der letzten wieder auftauchen?
Mozart hat der Nachwelt mit diesen drei Werken ein Bündel an Fragen hinterlassen. Philippe Herreweghe hat diese Sinfonien nun mit dem Orchestre des Champs-Elysées aufgenommen.
Wie weit liegen Mozart und Beethoven auseinander? Temperamentsmäßig sicher meilenweit. Und musikalisch? In der Sinfonie Nr. 41 von Mozart gibt es drei knurrige Schläge. Dazu die fast drohende Pauke, gefolgt von einem zaghaften Echo. Kontraste à la Beethoven, nur dass sie von Mozart stammen, genauer: vom Beginn seiner letzten Sinfonie. C-Dur – die Tonart fürs Majestätische, fürs Feierliche. Aber ist das feierlich? Nur wenige Takte klingt alles so fahl, so vorsichtig, so ängstlich.
Mozart ist eben extrem vielseitig und daher untergründig. Mal aufbrausend, mal nett, mal verschmitzt, mal euphorisch. Mozart ist großes Theater, selbst wenn er "nur" für Orchester schreibt. Das macht es für Dirigenten umso schwieriger, denn seine Sinfonien klingen oft wie bessere Unterhaltungsmusik. Sind sie aber nicht. Philippe Herreweghe und das Orchestre des Champs-Elysées beweisen das eindrucksvoll. Etwa im Finale der "Jupiter"-Sinfonie: Diese Durchhörbarkeit! Selbst im Tumult sind die Holzbläser, vor allem die Flöte, noch gut zu erkennen. Herreweghe ist kein Verzärtler, er raut diese Musik auf, wo sie es verträgt. Da darf denn auch das Blech funkeln und bollern.
Da greifen die einzelnen Rädchen nicht rein mechanisch ineinander – im Gegenteil: selbst in den eisigen Momenten, die diese Musik sehr wohl kennt, findet Herreweghe die richtigen Farben und einen Hauch von Wärme.
Geist und Witz, Melancholie und Spritzigkeit, Exzentrik und Behaglichkeit – alles hat dieser Herreweghesche Mozart zu bieten, auch wenn die Musik noch so schlicht klingt. Dann atmet sie einfach.
Den Menuetten gönnt Herreweghe die nötige Grazie, den langsamen Sätzen verleiht er Ruhe, Würde und innere Zweifel, die Ecksätze setzt er einfach in eine Postkutsche: Und ab geht’s! Eine wirkliche wundervolle Aufnahme!

Philippe Herreweghe (Ltg.), Orchestre des Champs-Elysées