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Franz Schubert: Die Forelle, Moritzburg Festival
Es gibt Ohrwürmer, die wird man einfach nicht wieder los. Auch Komponisten kann es passieren, dass ihnen eine Melodie nicht mehr aus dem Kopf geht. Dann schreibt man eben - vielleicht auch um den Ohrwurm endgültig los zu werden - ein paar Variationen darüber. Franz Schubert, zum Beispiel, hat es so gemacht und aus neuerer Zeit der Cellist Jan Vogler. Seine aktuelle CD enthält zum einen Schuberts Variationen über ein berühmtes Lied, zum anderen aber auch ganz eigene neue Variationen darüber.
Das Lied von der Forelle - Franz Schubert hat es als vierten Satz in sein bekanntes Klavierquintett eingebaut. Fünf Variationen folgen nun, in denen das Thema immer wieder in verschiedenen Schattierungen und Instrumentierungen zu hören ist. „Forellenvariationen" sind die anderen Stücke auf der CD des Cellisten Jan Vogler überschrieben. Zusammen mit befreundeten Musikern, die regelmäßig bei seinem Moritzburg-Festival in der Nähe von Dresden zu hören sind, hat er dieses Thema zum Ausgangspunkt neuer Variationen genommen. So klingt beispielsweise das Forellen-Thema auf Norwegisch:
Lars-Anders Tomter, Viola, und Erik Sollid, Hardangerfiedel, haben in ihrer gemeinsam geschriebenen Variation die Forelle auf eine norwegische Bauernhochzeit eingeladen. Spontane Einfälle, volkstümlicher Tonfall und eine scheinbar unbändige Lust am Improvisieren zeichnen dieses Stück aus. Man kann sich so richtig vorstellen, wie während der Festivaltage auf Schloss Moritzburg ein solches Stück quasi aus dem Stehgreif entstanden ist. Etwas kunstvoller, aber dennoch mit obligatorischem Augenzwinkern: „Hors d'Ouvre“, ein musikalischer Appetithappen des Kanadiers Matthew Whittall.
Forelle à la moderne: der Pianist Antti Siirala verklärt und vergeistigt Schuberts Forellen-Thema in freitonaler Weise. Es entsteht ein wechselvolles Spiel mit den Motivbausteinen des Liedes. Fehlt nur noch die Jazz-Version: „Forelle Blue“ ist die mit jeder Menge Blue Notes gespickte letzte Version des Liedes, komponiert und gespielt vom Geiger Benjamin Schmid und dem Akkordeonisten Stian Carstensen. Und wenn hier jede Menge Assoziationen an Tango und Ragtime aufkommen - das ist sicher so gewollt.
Forellenvariationen - vor lauter spontanem und buntem Treiben gerät leicht das Hauptwerk ins Abseits: Schuberts Forellenquintett A-dur mit seinem berühmten Variationssatz. Denn hier geben sich die beteiligten Musiker ganz seriös: transparent ist das Klangbild, sehr gut abgestimmt das Zusammenspiel, und bewusst moderat sind die Tempi gewählt. Der Cellist Jan Vogler hat mit seinen Musikern vom Moritzburg Festival eine CD für echte Feinschmecker herausgebracht. Garantiert gut durchgegart und grätenfrei.

Jan Jan Vogler - Forellenvariationenogler