Klassische Musik
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Tschaikowsky-Bearbeitungen von Pabst, Pletnev, Rosenblatt sowie Werke von Strawinsky und Khatchaturian
Nikolai Tokarew, Klavier
Ein junger Pianist mit Persönlichkeit: Nikolai Tokarew
"Seit Horowitz und Glenn Gould die Klavierwelt erschütterten, hat es kein solches Talent gegeben", schrieb die "Süddeutsche Zeitung" über Nikolai Tokarew und adelte den Pianisten damit als eines der größten Talente unserer Zeit. Der 29-jährige Russe ist vor allem im romantischen Repertoire zu Hause. Auf seiner aktuellen CD spielt er Werke von russischen Komponisten - und taucht sie dabei in ein neues Licht.
Da ist die Welt noch in Ordnung: Die kleinen Schwäne aus Tschaikowskys "Schwanensee" ziehen friedlich ihre Bahnen. Aber nach und nach ziehen immer dunklere Wolken auf - und der Tanz der eleganten Tiere gerät gehörig aus dem Tritt.
Der Komponist Alexander Rosenblatt hat Tschakowskys Ballettmusik ordentlich durchgeschüttelt und verfremdet - ein politischer Kommentar zu den Ereignissen von 1991, wie der Booklet-Tetx verrät: Während des damaligen Putschversuchs in Moskau verweigerte das Fernsehen die aktuellen Bilder von Panzern auf den Straßen und versuchte, seine Zuschauer mit Ballettszenen von possierlich tanzenden Schwänen zu beruhigen. Rosenblatts Tschaikowsky-Bearbeitung kommentiert das mit böser Ironie.
Tokarew hat also nicht einfach ein Album mit den schönsten russischen Schmachtfetzen aufgenommen. Sein Ausflug in die musikalische Märchenwelt sucht auch die dunklen Seiten der Macht - das zeigt schon der Titel "Black Swan Fantasy", also etwa "Fantasie über den schwarzen Schwan". Das Programm beginnt mit drei Bearbeitungen der berühmten Ballettmusiken von Tschaikowsky, und auch in der Klaviersuite über den "Nussknacker" erleben wir unheimliche Momente. Wie im chinesischen Tanz, dessen fröhliche Melodie von einem düsteren Pochen grundiert ist.
Der Pianist zeichnet die verschiedenen Szenen mit einer Fülle von Farben. Seine Palette umfasst einerseits Klänge von orchestraler Kraft, andererseits huschen Tokarews Finger ganz filigran über die Tasten, wenn er die Zuckerfee porträtiert.
Technisch ist der junge Russe ohnehin über alle Zweifel erhaben. Beeindruckend, wie zielsicher er sich durch die rasend schnellen Akkordkaskaden und wilden Sprünge in der "Dornröschen"-Fantasie von Paul Pabst hindurchwühlt. Auch die vertrackten Rhythmen in Strawinskys "Petruschka" hat er souverän im Griff.
Tokarew lässt die Hände nicht nur atemberaubend schnell über das Instrument jagen, sein Klang hat außerdem wirklich Charakter und Biss - davon profitiert auch der berühmte Säbeltanz von Khatchaturian.
Die hochvirtuose Zugabe ist der Schlusspunkt einer markanten CD mit Ecken und Kanten. Hier spricht ein junger Pianist mit Persönlichkeit.

Nikolai Tokarew