NDR Kultur - Hören und Genießen
Das Kulturprogramm für Deutschlands Norden im Radio. mehr
Vorgestellt von Christoph Vratz
Die Aufnahme ist die erste Einspielung von Smetanas Oper in tschechischer Sprache seit über 30 Jahren.
Seine Opern geraten immer mal wieder in dem Ruf des romantisierten Biedermeier: Friedrich Smetana als der tschechische Albert Lortzing. Gemeint sind das volkstümliche Kolorit und die zugegebenermaßen nicht immer brillanten Libretti. Zu Smetanas bekanntesten Opern zählt "Die verkaufte Braut", sein zweites Bühnenwerk, uraufgeführt im Jahr 1866. Jetzt ist das Werk in einer Neueinspielung mit überwiegend muttersprachlichen Sängerbesetzung erschienen.
Die alte Kempe-Einspielung von 1962 mit Pilar Lorengar und Fritz Wunderlich gilt als die wohl beste Aufnahme der "Verkauften Braut". Doch Puristen haben diese Produktion immer abgelehnt. Denn es wird in deutscher Sprache gesungen. Das ist bei der Neueinspielung unter Jiří Bělohlávek anders. Er bleibt bei der Originalsprache.
Die Wahl der Sprache ist nicht nebensächlich. Smetana hat sich, trotz einiger Unebenheiten im Libretto, den Sprachrhythmus musikalisch zunutze gemacht. So fließt die Musik besser als in der deutschen Übersetzung. Die jedoch hat man im beigefügten Booklet erst gar nicht abgedruckt - ein Mangel, zumal sich dort neben dem Originaltext auch Übersetzungen ins Englische und Französische finden. Bei einem Label wie Harmonia Mundi ist das bislang eine Ausnahme. Hoffentlich bleibt es eine.
Im Zentrum der Oper stehen die beiden komischen Figuren Kecal und Vašek alias Wenzel, Bass und Tenor, sowie - als dramaturgisches Gegengewicht - das Liebespaar Jeník und Mařenka, die wir als Hans und Marie kennen. Diese Bauerntochter soll eigentlich mit dem reichen Vašek verkuppelt werden - doch der findet seine Berufung schließlich ganz woanders: als Tanzbär im Wanderzirkus der Tänzerin Esmeralda.
Neben dem sehr präsenten Chor der BBC Singers hat Bělohlávek ein insgesamt stimmiges, wenn auch nicht überragendes Ensemble zusammengestellt - mit Dana Burešová (als Mařenka), Tomáš Juhás (als ihrem Angebeteten), mit Jozef Benci (als Heiratsvermittler Kecal) und Gustáv Beláček (als Vašek) in den Hauptrollen. Es wird mal lyrisch, mal buffonesk gesungen, aber nie gewollt komisch. Gut so!
In Bestform präsentiert sich das BBC Symphony Orchestra schon vom ersten Takt an. Auch in den Zwischenspielen agiert das Orchester schwungvoll und leicht, mit Pfiff und Agilität.
Die Gefahr dieser Oper liegt darin, das dem Orchester ein zu lautes Mitspracherecht eingeräumt wird und die Sänger gegen die Musiker im Graben ankämpfen müssen. Das ist hier glücklicherweise nicht der Fall. Auch in diesem Punkt hat Bělohlávek Wunderbares geleistet.
Als vor rund acht Jahren die Aufnahme der "Verkauften Braut" erschien, wurde in englischer Sprache gesungen, davor gab es vor allem deutschsprachige Produktionen. Die letzte in tschechischer Sprache liegt mehr als 30 Jahre zurück. Orchestral wirkt sie, verglichen mit dieser Neueinspielung, eher angestaubt. Sängerisch bleibt die Wunderlich-Aufnahme erste Wahl.

diverse Interpreten