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Das Kirchenlexikon - N wie Nächstenliebe

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Ich mache mir Gedanken über die Nächstenliebe. In unserer Gesellschaft gibt es  so ein Ich-Denken, wir lassen anderen zu wenig Hilfe zukommen. Ich würde gerne fragen: Wie könnten wir Nächstenliebe wieder mehr praktizieren?

Mit dieser Frage treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Denn über die mangelnde Nächstenliebe in unserer Gesellschaft gibt es schon wissenschaftliche Untersuchungen - und zum Bespiel dieses spannende Experiment:

In den USA wurden Theologiestudenten eingeladen, sie sollten einen Vortrag halten über den "Barmherzigen Samariter". Eine große Ehre! Auf dem Weg zum Vortragssaal sahen sie einen Verletzten am Straßenrand. Die Studenten, die in Zeitnot waren, schauten sich einmal kurz um und gingen schnell weiter. Diejenigen, die mehr Zeit hatten, kümmerten sich um den Mann. Was sie natürlich nicht wussten: Der Verletzte war ein Schauspieler und die jungen Theologen waren Teil eines sozialpsychologischen Experiments.

Das Ergebnis der Untersuchung: Heute spielt die Zeit eine unglaublich wichtige Rolle. Sie ist manchmal wichtiger als alle Werte. Wer keine Zeit hat, vergisst seine besten Vorsätze. Das wurde durch andere Untersuchungen bestätigt: In einer Stadt mit einem schnellen Lebenstempo wie New York wird weniger geholfen als in einer Stadt, in der es gemächlicher zugeht.

Was ich erstaunlich finde: Genau dieselbe Geschichte hat Jesus schon vor 2000 Jahren erzählt. Fast jeder kennt sein berühmtes Gleichnis vom Barmherzigen Samariter. Stell Dir vor, sagt Jesus, ein Mann fällt unter die Räuber, er liegt verletzt am Boden. Da kommen zwei Theologen, sie gehen vorbei, sie haben's eilig. Aber ein Samariter, ein Ausländer, der bleibt stehen und hilft. Das ist Nächstenliebe!

Nun sagen Sie: In unserer Gesellschaft wird so wenig Nächstenliebe praktiziert. Das war früher leider nicht anders. Um so wichtiger ist, dass wir uns bewusst machen, was uns eigentlich antreibt! Heute stehen wir oft so sehr unter Zeitdruck, dass wenig Zeit für andere und für Nächstliebe bleibt. Da bleiben manche Werte auf der Strecke.

Nun könnten wir jetzt klagen über die lieblose Gesellschaft. Aber Jesus tut das nicht. Er sagte nicht: Tja, da kann man nichts machen, so sind die Leute eben! Jesus erzählt vom Barmherzigen Samariter, schaut seinem Zuhörer dabei in die Augen und sagt: Gehe hin und tue ebenso! Ist das eine Antwort auf Ihre Frage?

Autor: Jan von Lingen

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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