Glossar

Radiokirche bei NDR 1 Niedersachsen

L / M / N

  1. A
  2. B
  3. C / D / E / F
  4. G
  5. H
  6. I / J
  7. K
  8. L / M / N
  9. O / P / Q
  10. R
  11. S
  12. T
  13. U / V / W
  14. Z

Das Kirchenlexikon - M wie Messdienerinnen

Zurück zur Übersicht L / M / N

Seit wann gibt es in der katholischen Kirche eigentlich Messdienerinnen, also Mädchen, die mit am Altar stehen?

Jahrhundertelang galt der Ministrantendienst als eine Vorstufe zum Priesteramt. Darum durften nur Jungen mit am Altar stehen. Seit dem Mittelalter wurden sie in besonderen Chorschulen auf ihren Dienst in der Liturgie, - in der Messe -, vorbereitet. Diese "Chorknaben" galten als potentieller Priesternachwuchs. Sie allein durften neben dem Priester den Altarraum betreten.

Entstanden ist der Ministrantendienst im 8. Jahrhundert. Damals gab es eine Fülle von Priestern, die einmal am Tag eine Heilige Messe feierten. Darum auch die vielen Seitenaltäre in den großen Kirchen: Dort feierte jeder Priester für sich eine "Privatmesse".

Papst Leo IV. verfügte schließlich: Niemand darf die Messe allein feiern. Wenigstens ein weiterer Priester oder ein einfacher Christ muss daran teilnehmen und Texte aus der Bibel lesen, mit dem Priester singen und die Antworten zu den Gebeten sprechen - alles in lateinischer Sprache. Die Ministranten waren so etwas wie Stellvertreter oder Ersatz für die fehlende Gemeinde.

Bis 1947 war man in der katholischen Kirche der Ansicht: Ministranten stehen knapp unter den geweihten Priestern und weit über den einfachen Christen. Ein Lehrschreiben von Papst Pius XII. korrigierte diese Sichtweise. Nun konnte jeder getaufte Katholik den Dienst übernehmen. Weibliche Ministranten waren allerdings verboten. Daran änderte sich auch nichts nach dem 2. Vatikanischen Konzil. Trotzdem wurde in manchen Gemeinden oder in Schulen experimentiert: Jungen und Mädchen standen gemeinsam am Altar.

Als 1983 das neue kirchliche Gesetzbuch erschien, sorgte eine Aussage für Verwirrung: bestimmte Dienste im Gottesdienst standen allen Laien offen, also allen nicht geweihten Frauen und Männern. Das war der Durchbruch für Ministrantinnen.

Immer wieder wurde in der Kirche um die Auslegung des Gesetzestextes gestritten. So entschloss sich Papst Johannes Paul II. 1992 dazu, den Text eindeutig zugunsten der Frauen zu interpretieren: Seitdem liegt die Entscheidung, ob es Ministrantinnen gibt oder nicht beim zuständigen Bischof.

Das offizielle Verbot, Mädchen und Frauen als Ministrantinnen zuzulassen, wurde erst 1994 aufgehoben. Dies wurde heftig kritisiert von konservativen Katholiken. Doch Gemeinden, in denen nur Jungen dienen, sind in Deutschland heute eine absolute Ausnahme. Es gibt jedoch auch Länder, in denen nach wie vor nur Jungen ministrieren.

Autor: Andreas Brauns

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/kirche_im_ndr/messdienerinnen100.html