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Radiokirche bei NDR 1 Niedersachsen

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Ist es typisch katholisch, wenn von allen Heiligen vor allem Maria verehrt wird? Sie scheint ja manchmal wichtiger zu sein als Gott selbst. Immer nur Maria, Maria, Maria. Warum ist das so?

Maria ist die Königin der Herzen - keine wird in der katholischen und der orthodoxen Frömmigkeit so verehrt wie sie: Die Gottesmutter, die Königin des Himmels, die Mutter der Kirche, die allmächtige Schutzpatronin. An der Art der Marienverehrung scheiden sich die Geister, doch Andachten und Gebete zu Maria sind bis heute weit verbreitet. Sie ergänzt, was dem strengen Vatergott der Kirche fehlt: Mütterlichkeit. Und: Wo Gott zürnt, wird sie als Mutter Verständnis zeigen - so die Hoffnung. Maria, das ist die große Fürsprecherin - ihre Vorbilder sind die göttlichen Muttergestalten der Antike.

Die Bibel hat nur wenig Interesse an der Mutter Jesu. Die Tradition unterstellt ihr einen bedingungslosen Gehorsam. Doch Maria ist keine Jasagerin. Als ihr der Engel verkündet, was Gott mit ihr vorhat, da antwortet sie mit einem Einwand: "Wie soll das geschehen?" Erst nachdem der Engel sich erklärt hat, stimmt sie Gottes Plan zu.

Später in der Kirche wird Maria verehrt, vergöttert. Sie, die Gottesgebärerin, scheint für viele Christen wichtiger als der, den sie geboren hat. Es entwickelt sich ein blühender Kranz von Legenden um ihre Familie, ihre Kindheit und ihr weiteres Leben nach dem Tod Jesu. Die Marienverehrung blüht.

Im 17. Jahrhundert entwickelt sich ein schwärmerischer Madonnenkult im Volksglauben. Die Amtskirche schreitet ein - verbietet einige Schriften über Maria. Doch in Liedern finden sich noch heute Marienbilder aus längst vergangener Zeit.

Einen erneuten Marienboom gibt es zu Beginn des 19. und 20. Jahrhunderts: Von Erscheinungen der Madonna ist die Rede - u.a. in Lourdes und Fatima. 1950 verkündet Papst Pius XII. in einem Lehrsatz die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Das erhebt sie in der katholischen Tradition endgültig über alle Heiligen. 

Eine umfassende Darstellung des Madonnenkultes bietet das Buch "Marienverehrung" von Josef Imbach. Der Schweizer Theologe und Ordensmann analysiert auch Marienlieder und Bilder. Und er versucht bestimmte Arten der Marienverehrung psychologisch zu deuten: So geht er der Frage nach, warum auf der einen Seite manche in der katholischen Kirche Maria als allerreinste Jungfrau preisen, anderen Frauen aber aus dem Weg gehen. 

Autor: Andreas Brauns

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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