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Das Kirchenlexikon - M wie Maiandachten

Warum gibt es im Mai in den katholischen Kirchen neben den üblichen Gottesdiensten noch besondere Andachten? Sogenannte Maiandachten? Was ist das - eine Maiandacht?

Maiandachten sind ursprünglich Volksandachten zu Ehren der Mutter Jesu. Das heißt: Christen singen und beten gemeinsam, ohne einen Priester. Diese Maiandachten finden meist am Abend in der Kirche statt - vor einem mit Blumen geschmückten Marienbild.

Dabei werden Marienlieder gesungen, ebenso in der Volksfrömmigkeit beliebte Mariengebete gesprochen. In den Texten, die aus der Bibel gelesen werden, ist davon die Rede, wie Gott an Maria handelt. Es sind also keine Andachten, die in Maria eine göttliche Person sehen, es sind Andachten, die lediglich daran erinnern: Maria genießt vor allen Heiligen eine besondere Stellung.

Maria gilt in der katholischen Tradition als erste und schönste Blüte der Erlösung, als "Frühling des Heils". Die Mariensymbolik des Monats Mai ergibt sich aus dem farbenprächtigen Aufblühen der Natur in diesen Wochen. Maria, die Mutter Jesu, auch Gottesmutter genannt, wird in Andachten besonders verehrt, weil sie die erste Glaubende ist. Damit ist sie sozusagen das Urbild der Kirche. Ohne ihr Ja zu Gottes Plan wäre die Heilsgeschichte anders verlaufen. Doch Maria hat sich auf Gott eingelassen. Sie hat dem Engel geantwortet: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt hast."

Seit wann gibt es diese Andachten. Und: Werden die Maiandachten überall gefeiert oder ist das regional ganz unterschiedlich?

Erfunden wurden diese Andacht sozusagen von Gläubigen in Italien im 19. Jahrhundert. Sie setzte sich weltweit in der katholischen Kirche durch, entwickelte sich parallel zu den Marienwallfahrten nach Lourdes und Fatima.

Besondere Maiandachten gab es bereits im Mittelalter. Sie hatten die Aufgabe, überkommene heidnische Maifeiern zu verschristlichen. Erst seit dem 17. Jahrhundert entwickelt sich die Tradition, den Mai in besonderer Weise der Gottesmutter Maria zu weihen. Im 19. Jahrhundert erreicht diese Entwicklung ihren Höhepunkt.

Maiglöckchen-Blüten © picture-alliance/Hippocampus Bildarchiv/Frank Teigler Detailansicht des Bildes Maiglöckchen-Blüten (Convallaria majalis) Bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg war es in Deutschland sogar üblich, dass jede katholische Familie im Mai zu Hause einen Maialtar aufbaute. Dazu gehörte eine Marienfigur, oft mit Maiglöckchen geschmückt. Außerdem wurde zusätzlich zum Morgen-, Tisch- und Abendgebet ein "Gegrüßet seist du, Maria" gebetet, das wohl beliebteste Mariengebet, bekannt als "Ave Maria".

Heute ist die Tradition der Maiandachten noch in katholisch geprägten Gebieten lebendig: in Niedersachsen etwa im Eichsfeld, im Oldenburger Münsterland und im Emsland.

Autor: Andreas Brauns

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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