Glossar
Wie kann ich mit den schlechten Entscheidungen im Leben besser leben?
Mit dem Leben ist das manchmal wie mit einem Bahnhof. Zahlreiche Gleise führen von hier aus in alle Richtungen. Immer wenn ein Zug losfährt, werden Weichen gestellt, damit der Zug sein Ziel erreicht.
So ähnlich stelle ich mir das Leben eines jungen Menschen vor. Am Anfang ist noch alles offen. Wer sind meine Freunde? Was will ich einmal werden? Wo will ich wohnen, wie meine Zeit verbringen? Junge Menschen müssen viele Entscheidungen treffen, viele Weichen stellen.
Wenn wir älter werden, ändert sich das. Beruf, Haus, Wohnort, vielleicht Familie - vieles hat sich geklärt. Nach dem Berufsende sagen ältere Menschen darum manchmal, sie fühlten sich wie auf dem "Abstellgleis". Da ist schon etwas Wahres dran: Je älter wir werden, desto weniger Weichen können wir noch stellen. Und dann drehen wir uns manchmal um, schauen wehmütig zurück und denken: Ach, hätte ich in meinem Leben manches anders gemacht!
Und nun fragen Sie: Wie kann ich auch mit schlechten Lebensentscheidungen gut leben? Zunächst indem Sie sie akzeptieren: Das Leben funktioniert eben nicht nach Fahrplan. Es steckt voller Rätsel und Überraschungen. Und dazu gehört, dass wir Entscheidungen treffen müssen, manchmal sehr schnell und aus dem Bauch heraus. Was ist richtig und was falsch? So ganz genau wissen das nie. Wir sind eben nur Menschen und nicht der liebe Gott. Wir sehen nur die nächsten Schritte vor uns, aber können das Ziel am Ende höchstens erahnen. Und darum machen Menschen auch Fehler.
Wir können die Uhren dann nicht zurückdrehen, die falschen Entscheidungen nicht ungeschehen machen. Aber wir können uns selbst verzeihen. Ich kann mir selbst sagen: Ich habe das nach bestem Wissen und Gewissen entschieden. Und das kann ich auch zu einem anderen sagen, zum Ehepartner, zum Freund: "Hört mal, ich habe es gut gemeint, aber es hat sich anders entwickelt." So können wir versuchen, uns auch mit schwierigen Lebensentscheidungen auszusöhnen.
Zum Glück stehen wir dabei nicht allein. Wohl darum wird so gerne dieses Kirchenlied gesungen: Befiehl Du Deine Wege. Da heißt es: "Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da Dein Fuß gehen kann." Also: Stehen bleiben und wehmütig zurückschauen ist das eine. Das andere ist: Sich selbst verzeihen und weitergehen - und zwar mit Gottvertrauen.
Autor: Jan von Lingen
Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.