Ein befreundetes Ehepaar hat bewusst keinen TV-Anschluss. Sie denken, dass Fernsehen ihren Kindern schadet. Ich lasse meine Kinder fernsehen. Schon weil ich denke, dass sie sonst im Kindergarten und in der Schule nicht mitreden könnten. Mache ich es mir damit zu leicht?
Klaus Hampe: Ich höre regelrecht, wie Ihr Gewissen ihnen zuflüstert: "Wenn du eine verantwortungsvolle Mutter wärst, würdest du deine Kinder ohne Fernseher erziehen. Nimm Dir ein Beispiel an Deinen Freunden! Dir ist das bloß zu anstrengend. Du bist doch froh, wenn die Kinder mal eine Stunde nicht nerven, weil sie vor der Glotze hocken." Doch das wollen Sie nicht auf sich sitzen lassen und antworten Ihrem Gewissen: "von wegen, ich bin verantwortungsvoll, gerade weil ich meine Kinder fernsehen lasse. Denn sonst würden sie in Schule und Kindergarten Außenseiter werden." Das ist so ein richtig schöner kleiner Gewissenskonflikt.
Kinder können ab dem dritten bis vierten Lebensjahr behutsam an Fernsehen herangeführt werden.
Mein Tipp: Reden Sie sich nicht raus. Ihr Gewissen durchschaut sie. Geben Sie es ruhig zu und sagen sie es ehrlich: "Ja, der Fernseher ist manchmal auch eine Erziehungshilfe. Und natürlich bin ich froh, wenn die Kinder mal eine Stunde am Tag nicht an meinen Nerven zerren." Trotzdem: Lassen Sie sich nicht von Ihrem Gewissen beschimpfen. Aber nehmen Sie seine Anfrage ernst. Dann können Sie mit Hilfe Ihres Gewissens sorgfältig darüber nachdenken, warum Sie Ihre Kinder - gut dosiert - vor den Fernseher setzen können. Dabei finden Sie vielleicht neue Argumente und Begründungen.
Mein Argument wäre zum Beispiel: Man hat in Untersuchungen herausgefunden, dass Kinder, die auf dem Land aufwachsen, seltener Allergien und Erkältungen haben als Stadtkinder. Der Grund: Wahrscheinlich bekommt das Immunsystem von Landkindern früher mit allen Arten von Pollen und Keimen zu tun, kann sich daran gewöhnen und wird darum besser damit fertig. Ich denke, so ist das auch mit dem Fernsehen: Irgendwann bekommen Ihre Kinder es mit der vollen Wucht unserer Mediengesellschaft zu tun. Kino, Internet, Smartphone und E-Book werden zu ihrem Alltag gehören. Und dann muss ihre Seele gelernt haben, damit umzugehen. Also gewöhnen Sie Ihre Kinder schon jetzt daran.
Aber: Vorsicht, mit kleinen Mengen trainiert man das Immunsystem! Für jedes Alter gibt es die richtige Sendung und die richtige Menge Fernsehzeit. Wie viel Fernsehen dient dem Familienfrieden und wie wenig Fernsehen ist gut für Ihr Kind? Ihr Gewissen wird Ihnen helfen, die richtige Balance für Ihre Kinder zu finden.
Haben Sie auch eine Gewissensfrage? Dann schicken Sie sie einfach an fragen@gewissensfragen.de oder per Post an "Gewissensfragen", c/o Evangelische Kirche im NDR, Knochenhauerstraße 38-40, 30159 Hannover.
Sie können aber auch ganz einfach das Formular im Anhang dafür verwenden.