offen gesagt ...
Evangelische Kirche im NDR
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Kinder begehen meist leichtere Straftaten wie Ladendiebstahl oder Sachbeschädigung.
Spektakuläre Fälle von Jugendgewalt haben in den vergangenen Jahren zu einer öffentlichen Debatte über die Schwere jugendlicher Straftaten geführt. Dazu gehören vor allem brutale Übergriffe auf Rentner oder Gleichaltrige in Bahnhöfen. Viele fordern eine Verschärfung des Jugendstrafrechts. Die Kriminalstatistiken bestätigen diese Wahrnehmung allerdings nicht. Im Gegenteil: Insgesamt wurde im Jahr 2010 eine positive Entwicklung bei der Kriminalität von Jugendlichen und Heranwachsenden festgestellt. Die Zahl jugendlicher Straftäter sank um 13,9 Prozent.
Kinder unter 14 Jahren sind strafunmündig. Das heißt, sie können nicht strafrechtlich verfolgt werden. Wer unter 14 Jahren ist, besitzt jedoch kein Freibrief für ungestraftes Handeln. Konsequenzen für Jüngere sind beispielsweise Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen der Schule bis hin zum Verweis. Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr können wegen krimineller Aktivitäten zur Verantwortung gezogen werden. Räuberische Erpressung oder Drogendelikte können erhebliche Strafen nach sich ziehen.
Was aber, wenn das eigene Kind auf die schiefe Bahn gerät? Wenn es um Raubüberfalle oder Körperverletzung geht, fühlen die meisten Menschen mit den Opfern mit. Mit den Tätern will keiner etwas zu tun haben - Freunde brechen den Kontakt ab, Nachbarn grüßen nicht mehr und alle hängen den Mantel des Schweigens über die Tat. Für viele Eltern ist diese Last kaum auszuhalten.
Undine Schulz gründete den Verein "KimKa", der sich um Eltern straffällig gewordener Jugendlicher kümmert.
Der Sohn von Undine Schulz saß nach einem Raubüberfall in der Jugendanstalt Hameln. Seine Straffälligkeit verursachten bei der Mutter schwere gesundheitliche Probleme. In der Zeit, wo es ihr ganz schlecht ging, gründet Undine Schulz den Verein "KimKa", der sich um Eltern straffällig gewordener Jugendlicher kümmert, und bekam so wieder Kraft. Nachdem sie zeitweise keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn hatte, gibt es seit Kurzem wieder eine kleine Annäherung.
Der Seelsorger in der Jugendanstalt Hameln, Manfred Birtner.
Pastor Manfred Birtner, Seelsorger in der Jugendanstalt Hameln, kennt die Probleme zwischen Eltern und ihren Kindern, die Haftstrafen absitzen müssen. Er versucht zu vermitteln und hilft, kaputte Beziehungen wiederaufzubauen.
Pastor Jan Dieckmann spricht mit Betroffenen in "offen gesagt ...", der christlichen Talkreihe, diesmal aus der St. Stephanus-Kirche in Hamburg.
Ulrich Tietze (Hg.)
Nur die Bösen?: Seelsorge im Strafvollzug
Lutherisches Verlagshaus, 2011
ISBN 978-3-7859-1057-3